{"id":1948,"date":"2017-10-23T11:06:42","date_gmt":"2017-10-23T09:06:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1948"},"modified":"2017-10-22T19:12:42","modified_gmt":"2017-10-22T17:12:42","slug":"unerschoepfliche-frische","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/10\/23\/unerschoepfliche-frische\/","title":{"rendered":"Unersch\u00f6pfliche Frische"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das Duo Violeta Barrena und Ottavia Maria Maceratini spielt am 20. Oktober 2017 zum zweiten Mal gemeinsam im M\u00fcnchner Freien Musikzentrum. Auf dem Programm stehen die c-Moll-Sonate Op. 30 Nr. 2 f\u00fcr Violine und Klavier von Ludwig van Beethoven, vier S\u00e4tze aus der E-Dur-Partita BWV 1006 (ohne Loure und Menuett) von Johann Sebastian Bach sowie die Sonate A-Dur von C\u00e9sar Franck.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einmal mehr wird das &#8222;M\u00fcnchner Wohnzimmer erstklassiger Musik&#8220; Schauplatz f\u00fcr ein absolutes Klassik-Highlight. Nach ihrem Duo-Debut im Februar sind Ottavia Maria Maceratini und Violeta Barrena zur\u00fcck auf der kleinen B\u00fchne und spielen drei in jeder Hinsicht herausfordernde Werke.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Programm beginnt mit Beethovens c-Moll-Violinsonate, ein reifes Werk mit unerh\u00f6rten Kl\u00fcften harmonischer Fortschreitung und bemerkenswerten melodischen Wanderungen zwischen den Stimmen. Gerade der erste Satz brodelt regelrecht unter den Fingern der beiden Musikerinnen, unentwegt werfen sie sich gegenseitig die Themen zu und dies in gr\u00f6\u00dfter Gelassenheit und Freude am Entstehenden. Welch gegens\u00e4tzliche Welt der zweite Satz zu er\u00f6ffnen vermag, und wie subtil Barrena und Maceratini darauf eingehen! &#8211; bis hin zum unvermittelten Wechsel zu den raschen letzten beiden S\u00e4tzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um der oft f\u00fchrenden Position des Klaviers bei Beethoven und Franck entgegenzuwirken, spielt Violeta Barrena (aufgrund des langen Programms nur) vier S\u00e4tze aus Bachs Partita f\u00fcr Violine Solo E-Dur BWV 1006: Pr\u00e4ludium, Gavotte, Bourr\u00e9e und Gigue. In himmlischen Glanz erstrahlt das Pr\u00e4ludium, beinahe fidelhaft-volkst\u00fcmlich t\u00f6nen die beiden dargebotenen Mittels\u00e4tze und freudig virtuos endet die Gigue. Barrena demonstriert auf erstklassige Weise, wie Mehrstimmigkeit auf einem Melodieinstrument funktioniert. Gerne h\u00e4tten wir das gesamte Werk geh\u00f6rt, die \u00dcberl\u00e4nge der ersten Konzerth\u00e4lfte h\u00e4tten wir freudig in Kauf genommen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach wie vor ber\u00fcchtigt ist C\u00e9sar Francks einzige Violinsonate, der die Pianisten mit Ehrfurcht entgegentreten und die meist zu einer sprudelnden Zurschaustellung virtuoser F\u00e4higkeiten degradiert wird. Anders am heutigen Tag: Selten wird die impressionistische Neigung Francks so deutlich wie in diesem Konzert, die Sonate erh\u00e4lt gro\u00dfe innere Ruhe und Zartheit. Maceratini entlockt dem Fl\u00fcgel solch sanfte Kl\u00e4nge, wie es wohl keiner diesem alten und nicht gerade erstklassigen Instrument zugetraut h\u00e4tte. Die ausladenden Figuren bereiten einen breiten Klangteppich f\u00fcr Barrena, um sich voll zu entfalten &#8211; eine Gelegenheit, die fesselnd ausgenutzt wird. Der zweite Satz \u00fcberrumpelt nicht und beginnt auch nicht zu poltern, sondern gl\u00fcht von innen her, w\u00fchlt auf und bleibt doch stets im Zaum gehalten. Wahrlich sprechend gelingt der dritte Satz, die Recitativo-Fantasie, vor allem f\u00fcr die &#8222;singende Geige&#8220; eine betr\u00e4chtliche Herausforderung. Glorreich endet die Sonate durch das triumphierende Finale, das in den kanonischen Imitationen Melodief\u00fchrung des Klaviers und abgeh\u00f6rtes Zusammenspiel verlangt und heute sogar einmal verwirklicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Zugabe gibt es Astor Piazzollas Libertango, so rasch wie ich ihn noch nie zuvor geh\u00f6rt habe, was auf eine ganz eigene Art doch stimmig gelingt, und sein Oblivion, wieder zur\u00fcckf\u00fchrend in die meditative Ruhe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die durchgehende Frische ist das, was den heutigen Abend besonders ausmacht und die St\u00fccke so unverbraucht und neuartig erklingen l\u00e4sst. Sie r\u00fchrt von kleinen, aber merklichen Experimenten, wie sie so beinahe nie gewagt werden und dem ganzen eine eigene Note verleihen. Sei es eine ungew\u00f6hnliche Phrasierung, eine Fokussierung auf eine Unterstimme oder ein Detail im Tempo, sie ziehen sich durch den ganzen Abend. Und meist gehen sie auf, verleihen dem Werk gleich einem z\u00e4rtlichen Duft eine eigent\u00fcmliche Besonderheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es bleibt zu hoffen, noch wesentlich mehr von diesem Duo zu h\u00f6ren, das so gut zusammenwirkt, als h\u00e4tten sie seit Ewigkeiten gemeinsame B\u00fchnenerfahrung. Die Harmonie \u00fcbertr\u00e4gt sich auf den H\u00f6rer, es kann von einem wahrhaften Erlebnis gesprochen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Oktober 2017] <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Duo Violeta Barrena und Ottavia Maria Maceratini spielt am 20. 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