{"id":195,"date":"2015-10-27T22:58:00","date_gmt":"2015-10-27T21:58:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=195"},"modified":"2015-10-27T22:58:00","modified_gmt":"2015-10-27T21:58:00","slug":"schoenklang-mit-mozart","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/10\/27\/schoenklang-mit-mozart\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6nklang mit Mozart"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Genuin classics Gen 15371; EAN: 4 260036 253719<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/11.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-196\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/11-300x257.jpg\" alt=\"11\" width=\"300\" height=\"257\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/11-300x257.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/11-1024x878.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Klaviersonaten Nr. 16 in C-Dur KV 545, Nr. 11 in A-Dur KV 331 und Nr. 12 in F-Dur KV 332 von Wolfgang Amadeus Mozart sind auf der Neuerscheinung der koreanisch-kanadischen Pianistin Jennifer Lim beim Leipziger Label Genuin Classics zu h\u00f6ren.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine gute Darbietung der Musik Wolfgang Amadeus Mozarts sei eine der h\u00f6chsten K\u00fcnste f\u00fcr einen Pianisten, hei\u00dft es immer wieder. Und tats\u00e4chlich erweist es sich als Herausforderung der Extraklasse, diese so scheinbar leicht \u00fcberschaubare und technisch zumeist auch f\u00fcr Laien bew\u00e4ltigbare Musik wirklich zu ergr\u00fcnden. Jede Melodie ist mit aufmerksamstem Fingerspitzengef\u00fchl in detailliertester Feinheit auszugestalten, die Unterstimmen d\u00fcrfen dabei trotz oft ostinaten Figurenwerks niemals mechanisch werden, und auch sie bergen fortw\u00e4hrend herrliche Melodieelemente und offenbaren harmonische Finessen, die nach der heute gewohnten Erfahrung chromatisch-dissonant aufgeladener Musik zwar bei Weitem nicht mehr so stark wirken wie damals, aber umso mehr st\u00e4ndig neu entdeckt werden m\u00fcssen. Und indem all dies klingende Gestalt wird, hat der Pianist die wohl komplexeste Aufgabe wahrzunehmen: Die Bew\u00e4ltigung der Form als zusammenh\u00e4ngendes Erlebnis, als nicht abrei\u00dfender, atmend artikulierter Spannungsbogen. Wie soll man mit den themeninternen Melodiewiederholungen umgehen, wie sieht dies wiederum in gro\u00dfen Wiederholungen aus, auf welche Art transzendieren die Kontraste dabei und wie soll mit neu auftauchendem Material innerhalb der so oft wiederkehrenden Motive umgegangen werden? Diese und noch viele andere Fragen sind ma\u00dfgeblich f\u00fcr ein ad\u00e4quates Mozartspiel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jennifer Lim hat f\u00fcr ihre Einspielung drei grundverschiedene Sonaten ausgew\u00e4hlt. Sie beginnt mit der schlichten Sonate C-Dur KV 545, der sp\u00e4testen der drei vorliegenden Werke, welche von Mozart als kleine Sonate f\u00fcr Anf\u00e4nger bezeichnet wurde und heute vor allem durch den in der Erstausgabe abgedruckten Titel &#8222;Sonata facile&#8220; ber\u00fchmt ist. Doch wer sie einmal intensiv erarbeitet hat, wei\u00df, dass dieser Titel auch auf den zweiten Blick noch tr\u00fcgt, denn so facile ist es keinesfalls, die Nat\u00fcrlichkeit auch ungek\u00fcnstelt und frei entstehen zu lassen. Noch popul\u00e4rer ist die Sonate in A-Dur KV 331, vor allem deren Finale &#8222;Alla Turca&#8220;. Eindrucksvoll gestaltet ist in dieser vor allem der erste Satz, ein circa viertelst\u00fcndiger Zyklus aus sechs Variationen \u00fcber ein h\u00f6chst anmutiges Thema. Ein verschollen geglaubtes umfassendes Teilautograph Mozarts dieser Sonate wurde 2014 in Budapest entdeckt und f\u00fchrte zu einer neuen Ausgabe des Verlags G. Henle, was allerdings auf der vorliegenden Aufnahme noch nicht umgesetzt wurde. Abschluss des CD-Programms bildet die F-Dur-Sonate KV 332, f\u00fcnf Jahre nach der in A-Dur entstanden. Hier herrschen extreme Kontraste zwischen Dur und Moll, ganz unerwartet braust im Kopfsatz d-Moll auf und verdr\u00e4ngt das zarte Thema. Spannend gibt sich auch das Finale, eine unabl\u00e4ssig herrschende Jagd, die im Gestus schon fast an den vierten Satz von Franz Schuberts Sonate c-Moll D 958 anklingen mag, der genau 50 Jahre sp\u00e4ter geschrieben wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Pianistin vertritt ein sehr eindeutiges Bild von Mozart, ihr Spiel ist durchgehend \u00e4u\u00dferst zart und stets dem geordneten Wohlklang verpflichtet. Jede Stimme wird h\u00f6rbar durch die pr\u00e4zise Fingerarbeit, die die aufbrausendsten L\u00e4ufe wie ein leichtes Windspiel erscheinen lassen. So l\u00e4dt Mozarts Musik unter den Fingern Jennifer Lims direkt zum Tr\u00e4umen ein, so wohl f\u00fchlt sich der H\u00f6rer in den kristallinen Strukturen. Zwar verzichtet sie dabei auf eine genaue Einhaltung der vorgegebenen Dynamiken und auf die von Mozart minuti\u00f6s differenzierten Akzentuierungen, doch ist dies dem nur auf diese Art entstehenden Gesamteindruck geschuldet, und da dieser auch sinnvoll \u00fcberdacht ist, ist ein solcher Eingriff durchaus wohlgef\u00e4llig. Deutlich sp\u00fcrbar ist die Zuwendung zu dieser Musik, die sich in jeder Note des Spiels von Jennifer Lim manifestiert und den H\u00f6rer angenehm ber\u00fchrt. Lediglich zwei Aspekte st\u00f6ren ein wenig das Gesamtbild dieser Aufnahme: Zum einen ist es die Angewohnheit, unreflektiert jede einzelne Wiederholung zu spielen ungeachtet dessen, ob es auch hinsichtlich der Gesamtform Sinn ergibt. Bei Mozart haben zwar die meisten Wiederholungen eine Bedeutung, sofern sie auch mit eben dieser umgesetzt werden, doch ist es meines Erachtens musikalisch redundant, die Wiederholung der Durchf\u00fchrung und Reprise im Sonatenhauptsatz zu exerzieren. Es ist nahezu unm\u00f6glich, vom Schluss des Geschehens noch einmal in den H\u00f6hepunkt des Satzes zu springen, nur um daraufhin nachvollziehbar zum gleichen Ende zur\u00fcckzukehren und dabei eine durchgehende Spannung zu erzeugen. Das zweite, was st\u00f6rt, ist die automatische Zur\u00fcckdr\u00e4ngung aller Unterstimmen unter die Melodie der Oberstimme. Gerade in der A-Dur-Sonate herrscht ein unglaublich vielf\u00e4ltiges Stimmengeflecht, und die tiefen Stimmen d\u00fcrfen sehr h\u00e4ufig eigenst\u00e4ndig in Beziehung treten mit dem Diskant. Wenn dies gut herausgemei\u00dfelt wird, k\u00f6nnen polyphone Passagen entstehen oder auch herzerw\u00e4rmende Duette ert\u00f6nen, so wie Liebesarien aus einer Oper. Zwar sind bei Jennifer Lim diese Unterstimmen deutlich wahrzunehmen, doch sich zu Gleichberechtigung aufzuschwingen verm\u00f6gen sie nicht. Kleinere und nur punktuell sp\u00fcrbare Unstimmigkeiten wie zu spitze statt auf damaligen Klavieren nur m\u00f6gliche etwas nachhallendere Staccati in der zweiten Variation der KV 331 fallen dagegen weniger ins Gewicht. Die Tempowahl ist gr\u00f6\u00dftenteils gut getroffen, besonders die langsamen S\u00e4tze erhalten einen soliden, weder eilenden noch stagnierenden Charakter, nur manches Allegro geht ein wenig zu geschwind nach vorne. Was der Pianistin exzellent gelingt, ist die Verwendung des Pedals, das zu keiner Zeit etwas nur ansatzweise verwischen l\u00e4sst, aber doch pr\u00e4sent und oft eingesetzt ist. So verlieren die Sonaten nichts von ihrer tonlichen Pr\u00e4senz und unbestechlichen Klarheit, gewinnen jedoch gleichzeitig an Obert\u00f6nen und Klangraum durch das Pedal. Dazu n\u00f6tig ist eine Beherrschung des Teilpedals in der oberen H\u00e4lfte der m\u00f6glichen Senkung, die von den meisten Pianisten quasi \u00fcberhaupt nicht genutzt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Aufnahmetechnik im Mendelssohn-Saal des Gewandhauses Leipzig verleiht dem Klavier einen seidenen Klang, der wie gemacht zu sein scheint f\u00fcr das Spiel Jennifer Lims. Der Booklettext von Michael Juk aufgrund dessen Gespr\u00e4ch mit der Pianistin bietet zwar einmal eine neue Idee, die Werke durch ein subjektiv gef\u00e4rbtes Licht darzustellen anstatt die so oft genannten Kompositionsdaten und Rezeptionsfakten erneut aufzuz\u00e4hlen, strotzt jedoch vor unn\u00fctzen Details wie der Beschreibung des vor ihnen platzieren Essens (das zwar den Autoren satt gemacht haben mag, meinen Wissensdurst jedoch nicht stillen kann) und enth\u00e4lt nat\u00fcrlich hervorgehoben die wichtige Produzentenrolle Juks. Doch soll solch selbstverliebtes Get\u00f6se nicht ablenken von einer alles in allem durchaus gelungenen Darbietung von drei so herrlichen Sonaten aus der Feder des bis heute popul\u00e4rsten Komponisten weltweit: Wolfgang Amadeus Mozart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Oktober 2015]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Genuin classics Gen 15371; EAN: 4 260036 253719 Die Klaviersonaten Nr. 16 in C-Dur KV 545, Nr. 11 in A-Dur KV 331 und Nr. 12 in F-Dur KV 332 von Wolfgang Amadeus Mozart sind auf der Neuerscheinung der koreanisch-kanadischen Pianistin Jennifer Lim beim Leipziger Label Genuin Classics zu h\u00f6ren. 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