{"id":1959,"date":"2017-10-29T19:18:38","date_gmt":"2017-10-29T18:18:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1959"},"modified":"2017-11-13T01:34:20","modified_gmt":"2017-11-13T00:34:20","slug":"individuell-expressives","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/10\/29\/individuell-expressives\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6nheit und Expressivit\u00e4t jenseits aller Klischees"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Arnold Rosner: Kammermusik<br \/>\n1. Sonate f\u00fcr Violine und Klavier op. 18, 2. Sonate f\u00fcr Cello und Klavier op. 89, Danses \u00e0 la mode f\u00fcr Cello solo op. 101, Sonate f\u00fcr Fagott und Klavier op. 121<br \/>\nCurtis Macomber, Violine; Maxine Neuman, Cello; David Richmond, Fagott; Margaret Kampmeier, Carson Cooman, Klavier<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Toccata Classics, TOCC 0408; EAN: 5060113444080<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0028.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1809\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1809\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0028-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0028-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0028-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Grete0028.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Arnold Rosner (1945-2013) geriet als junger Komponist mitten hinein in die Zeit der \u00e4sthetischen Diktatur des Serialismus, der man sich als Student mehr oder weniger zu unterwerfen hatte, was dazu f\u00fchrte, dass er das Kompositionsstudium nicht abschloss und stattdessen seinen Master als Musiktheoretiker mit der ersten Arbeit \u00fcberhaupt \u00fcber Alan Hovhaness erwarb. Von seinen einstigen Kompositionsprofessoren hat er, so seine Aussage, \u201enichts gelernt\u201c. Hovhaness war neben Vaughan Williams und Carl Nielsen das Hauptvorbild seiner fr\u00fchen Jahre, und er blieb seinen Idealen ein Leben lang treu und lie\u00df sich durch keine Doktrin verbiegen. In seiner Musik flie\u00dfen unterschiedlichste Elemente zu organischer Einheit von unterschiedlichster Ausdrucksform zusammen: mittelalterliche und Renaissance-Polyphonie, Musik Indiens, Kleinasien und Armeniens, konzertantes Barock und die Errungenschaften der romantischen und nachromantischen Instrumentalmusik. Sie ist zugleich unverkennbar zeitgen\u00f6ssisch und \u2013 in von aller Scholastik und Abh\u00e4ngigkeit von der reaktion\u00e4ren Funktionstheorie befreiter Form \u2013 tonal. Existenzielles Drama steht neben meditativer Versenkung. Nie wird es Klischee, weder postromantisches noch neosakrales, und auch das einst unverkennbare Idol Hovhaness hat er bald transformiert. Nun legt Toccata Classics, eines der verdienstvollsten Labels f\u00fcr unbekannte Musik, ein Album mit Kammermusik vor, das Rosner als einen der substanziellsten Meister der Gattung in seiner ausweist, und uns wieder einmal zeigt, das Popularit\u00e4t und Originalit\u00e4t bzw. K\u00f6nnen nichts miteinander zu tun haben, selbst wenn die Musik \u2013 wie hier \u2013 eigentlich alles hat, um vielen Menschen zu gefallen und Wesentliches, Profundes zu sagen. Die hier vorgelegten Werke entstanden zwischen 1963 und 2006. Die 1. Violinsonate des damals 18j\u00e4hrigen besticht mit erstaunlicher Reife und Eigenart, wobei anzumerken ist, dass Rosner mehr als 40 Jahre sp\u00e4ter, 2004, subtile Revisionen daran vornahm. Besonders bezaubernd ist der langsame Satz mit seinen feinen Moll-Dur-Beleuchtungswechseln. Die 2. Cellosonate von 1990 zeigt Rosner auf der H\u00f6he seiner Meisterschaft \u2013 ein gewaltiges Werk von solch teils abgr\u00fcndiger Aussage, dass er ihm den Dante-Titel \u201aLa Divina Commedia\u2019 beif\u00fcgte. Jeder Cellist sollte das kennen, wie auch jeder Fagottist die sp\u00e4te Fagottsonate von 2006 kennen sollte, die mit solch unorthodoxer, dabei aber innerlich vollkommen zusammenh\u00e4ngender Formung, solch wunderbarer kontrapunktischer Verschlingungskunst und mit einer so direkten Verschmelzung des kollektiv Feierlichen und des individuell Expressiven fesselt, dass mit spontan kein gelungeneres Werk f\u00fcr diese Kombination einfallen will. Nur bei diesem Werk \u00fcbernimmt der beschlagene Rosner-Experte und ausgezeichnete Komponist Carson Cooman den Klavierpart, der bei den anderen zwei Sonaten auch sehr gediegen unter den H\u00e4nden von Margaret Kampmeier aufbl\u00fcht. Au\u00dferdem gibt es ein Werk f\u00fcr Solocello: die viers\u00e4tzige Suite \u201aDanses \u00e0 la mode\u2019 von 1994, mit einer griechischen Introduktion, einem Raga, einer Sarabande und einer Hommage an lebensbejahende nordische Volksmusik als Finale \u2013 sehr innig und feurig dargeboten von Maxine Neuman. Fagottist David Richmond zeigt auch sehr feine musikalische und instrumentale Klasse, und Geiger Curtis Macomber gibt sich einige M\u00fche, den spezifischen Stil zu finden und sich in die eigent\u00fcmlichen harmonischen Wendungen hinein zu sp\u00fcren, was den \u00fcbrigen Beteiligten plausibler gelingt. Der exzellente, absolut makellose und umfassend informierende Einf\u00fchrungstext von Walter Simmons, der diese und viele andere Musik kennt wie kein anderer, setzt dieser wegweisenden Produktion die Krone auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Christoph Schl\u00fcren, Oktober 2017]<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/08\/04\/gehaltvoll-und-was-fuers-ohr\/\">[siehe auch: Rezension im Vergleich von Grete Catus]<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arnold Rosner: Kammermusik 1. Sonate f\u00fcr Violine und Klavier op. 18, 2. 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