{"id":1984,"date":"2017-11-11T17:24:09","date_gmt":"2017-11-11T16:24:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1984"},"modified":"2017-11-21T21:00:02","modified_gmt":"2017-11-21T20:00:02","slug":"belebendes-fuer-streichorchester","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/11\/11\/belebendes-fuer-streichorchester\/","title":{"rendered":"Belebendes f\u00fcr Streichorchester"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Matinee am 5.11. 2017 im Herkulessaal M\u00fcnchen<br \/>\nKammerphilharmonie DACAPO M\u00fcnchen; Pavel Kaspar, Klavier; Thomas Albertus Irnberger, Violine; Dirigent: Franz Schottky<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach &#8222;Air And Dance&#8220; f\u00fcr Streichorchester von Frederick Delius (1862-1934) aus dem Jahr 1915 \u2013 das St\u00fcck beginnt mit einem ber\u00fcckenden Violinsolo der Konzertmeisterin und endet in einem rhythmischen Tanz, der in die Beine f\u00e4hrt \u2013 kam das erste Schwergewicht dieser Sonntagsmatin\u00e9e: Felix Mendelssohn Bartholdys Konzert f\u00fcr Violine, Klavier und Streichorchester. Er schrieb es 1823 als Vierzehnj\u00e4hriger f\u00fcr die Sonntags-Matineen im elterlichen Wohnhaus in Berlin und sa\u00df selber am Klavier. Nat\u00fcrlich ist es ein Jugendwerk, aber was f\u00fcr eins! Den beiden Solisten wird alles abverlangt, was Finger und musikalische Fertigkeit hergeben. Im ersten Satz &#8211; Allegro &#8211; wie auch in den anderen S\u00e4tzen ist das Orchester zumeist in diskret begleitender Rolle aktiv, was die DACAPO Kammerphilharmonie unter ihrem Dirigenten Franz Schottky &#8211; Sch\u00fcler von Sergiu Celibidache und Begr\u00fcnder der Kammerphilharmonie im Jahr 2000 &#8211; auch besonders im Andante des zweiten Satzes hervorragend erf\u00fcllte. Die beiden Solisten \u00fcberboten sich an melodi\u00f6sem Zusammenspiel und lie\u00dfen diesen zweiten Satz zu einem H\u00f6hepunkt werden. Der abschlie\u00dfende dritte schnelle Satz ist zwar rhythmisch raffiniert, kam aber f\u00fcr meine Begriffe ein wenig \u00fcberhastest und kaum phrasiert, wenngleich sehr virtuos daher. Ein wenig Entdeckung der Langsamkeit h\u00e4tte das Vergn\u00fcgen gesteigert, aber vermutlich wollte der jugendliche Komponist einfach alles zeigen, was er schon damals &#8222;drauf&#8220; hatte. Als Zugabe spielten die beiden Solisten nach rauschendem Beifall noch eines der Lieder ohne Worte in einem Duo-Arrangement. (Vielleicht k\u00f6nnte man das Publikum f\u00fcr die Zukunft noch sanft darauf hinweisen, dass in einem Konzert zwischen den S\u00e4tzen &#8211; aller Begeisterung eingedenk &#8211; nicht geklatscht wird, weil es den Zusammenhang doch allzu r\u00fcde unterbricht!)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Pause dann das Hauptst\u00fcck des Konzerts: Anton Bruckners (1824-1896) Streichquintett von 1878\/79 in einer Fassung f\u00fcr Streichorchester. Ist schon das Original in der Besetzung mit zwei Bratschen Bruckners einziges reifes Kammermusikwerk, so wird es in der Fassung f\u00fcr Streichorchester fast schon zu einer Symphonie. Nicht nur die blo\u00dfe L\u00e4nge der vier S\u00e4tze, auch die verwendeten musikalischen Themen und Harmonien, die Rhythmen und gewaltigen \u00dcberg\u00e4nge weisen es als eines der Hauptwerke des Komponisten aus. Die Kammerphilharmonie DaCapo war daf\u00fcr mit ihrem Dirigenten Franz Schottky sicher ein denkbar guter und kompetenter Sachwalter. Nat\u00fcrlich ist der Klang in allen Streichergruppen exzellent, die dynamischen Abstufungen sind in allen Dimensionen \u00fcberzeugend vorhanden, die ganze &#8222;utopische&#8220; Klanglichkeit des Bruckner&#8217;schen Kosmos entsteht vor uns. Die Orchesterfassung &#8211; besonders auch durch die Grundierung mit den Kontrab\u00e4ssen &#8211; ist dazu angetan, dieser Musik eine noch gr\u00f6\u00dfere \u00dcberzeugung zuzuweisen. Jedenfalls war die Begegnung mit Bruckners Streichquintett am Sonntagvormittag ein besonderer H\u00f6hepunkt im M\u00fcnchner Konzertleben. Begeisterter Beifall, den Franz Schottky selbstverst\u00e4ndlich mit seinen Musiker-Kollegen gerne und liebevoll teilte. Man kann der neuen Konzert-Reihe nur an allen Sonntagen einen so fast vollst\u00e4ndig gef\u00fcllten Herkulessaal w\u00fcnschen und ein immer so aufmerksames Publikum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Ulrich Hermann, November 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matinee am 5.11. 2017 im Herkulessaal M\u00fcnchen Kammerphilharmonie DACAPO M\u00fcnchen; Pavel Kaspar, Klavier; Thomas Albertus Irnberger, Violine; Dirigent: Franz Schottky Nach &#8222;Air And Dance&#8220; f\u00fcr Streichorchester von Frederick Delius (1862-1934) aus dem Jahr 1915 \u2013 das St\u00fcck beginnt mit einem ber\u00fcckenden Violinsolo der Konzertmeisterin und endet in einem rhythmischen Tanz, der in die Beine f\u00e4hrt &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/11\/11\/belebendes-fuer-streichorchester\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Belebendes f\u00fcr Streichorchester<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[1941,260,2256,2217,728,2253,507,2269,2255],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1984"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1984"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1984\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1999,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1984\/revisions\/1999"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1984"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1984"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1984"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}