{"id":1992,"date":"2017-11-20T15:55:00","date_gmt":"2017-11-20T14:55:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=1992"},"modified":"2017-11-12T09:21:56","modified_gmt":"2017-11-12T08:21:56","slug":"fortsetzungsoratorien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/11\/20\/fortsetzungsoratorien\/","title":{"rendered":"Fortsetzungsoratorien"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">MusikMuseum, CD13013; EAN: 9 079700 069502<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">MusikMuseum, CD13028; EAN: 9 079700 700153<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/0125.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1986\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1986\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/0125-300x260.jpg\" alt=\"Free Template Photoshop File\" width=\"271\" height=\"235\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/0125-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/0125-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/0125.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 271px) 100vw, 271px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/0124.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1987\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-1987\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/0124-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"276\" height=\"239\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/0124-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/0124-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/0124.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 276px) 100vw, 276px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Chor und Orchester der Akademie St. Blasius spielen auf zwei voneinander unabh\u00e4ngig erschienenen CDs die beiden gro\u00dfen Oratorien des tirolischen Komponisten Franz Baur, &#8222;Genesis&#8220; und &#8222;Amartema &#8211; Der S\u00fcndenfall&#8220;. Andreas Mattersberger \u00fcbernimmt die Rolle des Bassbariton-Solos, in barocker Manier Erz\u00e4hler des Bibeltextes, Susanna Langbein singt Sopran und in \u201dAmartema\u201d kommt Bernhard Landauer als Altus hinzu. Das Orchester wird von seinem Chefdirigenten Karlheinz Siessl geleitet.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es sind Oratorien vom Beginn der Welt und Ursprung unseres heutigen Bewusstseins, Oratorien des Aufkeimens und schlussendlich des Falls in den Zustand, der unsere jetzige Realit\u00e4t darstellt. Entstehung und Versto\u00dfung, der in Tirol geborene Komponist und Philosoph rollt die Bibel von ihren Anf\u00e4ngen her auf und erf\u00fcllt die ersten Kapitel mit seinen Kl\u00e4ngen und Gedanken. Durch das aufeinander aufbauende Geschehen geh\u00f6ren die beiden Musikwerke letztlich zusammen, aber Franz Baur gestaltet sie auf vollkommen unterschiedliche Weise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das betrifft schon die Besetzung, denn w\u00e4hrend Genesis das Orchester stark zur\u00fccknimmt und nur Streicher, Schlagwerk sowie zum H\u00f6hepunkt hin zwei H\u00f6rner verwendet, spannt Amartema das gesamte Orchester ein, macht zudem ausgiebigen Gebrauch von drei Solisten, wo Genesis mit einer Bassbaritonrolle und einer kleineren Sopranpartie auskommt. Die Sch\u00f6pfung hat eine ganz klare Aufteilung in die sieben Tage, welche durch kurze Sprechpartien unterteilt und doch musikalisch eben dadurch auch zusammengehalten werden, w\u00e4hrend der S\u00fcndenfall zwar in f\u00fcnf Teile plus Epilog (erste drei Teile: Paradies; vierter und f\u00fcnfter Teil: S\u00fcndenfall) gegliedert ist, diese jedoch bruchlos ineinander \u00fcbergehen. So stellt sich Baur vor unterschiedliche Herausforderungen: in Genesis verwendet er f\u00fcr jeden Tag eine andere Kompositionstechnik, die er \u00fcber diese Kontraste hinaus sinnvoll korrelieren muss, in Amartema hat er die gesamte &#8222;himmlische L\u00e4nge&#8220; eines Oratoriums musikalisch zu erf\u00fcllen, ohne dass Gleichf\u00f6rmigkeit entsteht. Genesis zieht viel klanglichen Reiz aus additiven Prinzipien, indem zu einem etablierten Ton neue Kl\u00e4nge hinzutreten und sich eine Kon- oder auch eben Dissonanz bildet, die der H\u00f6rer beim Entstehen mitverfolgen kann &#8211; wenn man so will, eine Weiterf\u00fchrung der Idee, die Ligeti zu Beginn seines Lux aeterna verfolgte. Amartema hat aufgrund der gr\u00f6\u00dferen Besetzung mehr M\u00f6glichkeiten, auf den Text einzugehen und diesen subtil zu illustrieren. Baur schafft es dabei, niemals plakativ zu werden, wobei die Stimme stets im Vordergrund steht. Oft haben die Instrumentalisten kleine Patterns, \u00fcber denen sich Soli oder Chor aufbauen, gerne nutzt Baur eine zentrierende Orgelpunkt-Wirkung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von zentraler Bedeutung ist hier die s\u00e4ngerische Leistung der Solisten. Stimmlich k\u00f6nnen sie alle drei voll \u00fcberzeugen und befriedigen mit voller Textverst\u00e4ndlichkeit. Beim Bassbariton Andreas Mattersberger geschieht dies zwar um den Preis einiger Konsonant-\u00dcberakzentuierungen &#8211; was man allerdings durch die heute herrschende Mode so gew\u00f6hnt ist, dass man es kaum mehr wahrnimmt -, doch seine sonore Stimme und musikalische und zugleich parlierende Phrasengestaltung lassen leicht dar\u00fcber hinwegsehen. Geschickt war die Wahl, Bernhard Landauer als Altus f\u00fcr die Schlange einzusetzen: Die Stimme ist lupenrein in der H\u00f6he und verleugnet doch nicht, dass es sich um eine M\u00e4nnerstimme handelt, was der Schlange gewisserma\u00dfen die &#8222;gespaltene Zunge&#8220; verleiht und damit einen besonders \u00fcberzeugenden Effekt einbringt. Das Verh\u00e4ltnis zwischen Vokalen und Konsonanten ist fein abgestimmt bei Susanne Langbein, deren golden schimmernder Stimmklang fast schon pr\u00e4destiniert ist f\u00fcr die Partie als Gott.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Orchester agiert zwar gr\u00f6\u00dftenteils recht ruhig im Hintergrund, doch dabei wei\u00df es um seine Wichtigkeit f\u00fcr die volle Entfaltung dieser Oratorien. Entsprechend ist jedes noch so unscheinbare Motiv und jede noch so hintergr\u00fcndige Stimme integriert und reflektiert. Es muss eine gewaltige Anzahl an Proben hinter diesen Aufnahmen stecken, um solch eine subtile und ausdrucksvolle Untermalung zu bieten, die vermutlich vielen nicht einmal bewusst auffallen d\u00fcrfte. Karlheinz Siessl dirigiert mit Liebe zum Detail und \u00fcberhaupt zur Musik, was sich un\u00fcberh\u00f6rbar auf seine Musiker \u00fcbertr\u00e4gt. Die Akademie St. Blasius setzt nicht auf profitable Programme oder raschen Erfolg, alle dienen der Musik und den Komponisten, die sie f\u00fcr unterst\u00fctzenswert halten &#8211; und so w\u00e4re es w\u00fcnschenswert, dass auch dieses Orchester einmal gro\u00df unterst\u00fctzt und ihm der Platz in der heutigen Orchesterwelt gegeben werden w\u00fcrde, der ihm eigentlich rein qualitativ zusteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Oktober 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>MusikMuseum, CD13013; EAN: 9 079700 069502 MusikMuseum, CD13028; EAN: 9 079700 700153 Chor und Orchester der Akademie St. Blasius spielen auf zwei voneinander unabh\u00e4ngig erschienenen CDs die beiden gro\u00dfen Oratorien des tirolischen Komponisten Franz Baur, &#8222;Genesis&#8220; und &#8222;Amartema &#8211; Der S\u00fcndenfall&#8220;. 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