{"id":2014,"date":"2017-11-27T09:57:13","date_gmt":"2017-11-27T08:57:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2014"},"modified":"2017-11-27T09:57:13","modified_gmt":"2017-11-27T08:57:13","slug":"chopin-bei-nacht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/11\/27\/chopin-bei-nacht\/","title":{"rendered":"Chopin bei Nacht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Alpha Classics, ALPHA 359; EAN: 3 760014 193590<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/0126.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2015\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2015\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/0126-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/0126-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/0126-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/0126.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Auf zwei CDs spielte Nelson Goerner alle 21 Nocturnes von Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin ein (Opp. 9, 15, 27, 32, 37, 48, 55, 62, Op. 72 Nr. 1 sowie cis-Moll und c-Moll Op. Post.). Die Doppel-CD erschien bei Alpha Classics.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff der Nocturne evoziert sogleich ein ganz bestimmtes Bild von einer ruhigen, vertr\u00e4umten Landschaft, von Mondenschein und vom Blick auf die funkelnden Sterne; unangetastete Ruhe und Zartheit, frei von all den weltlichen Problemen, und dem Schlafe nahe. Wie viel mehr sich doch tats\u00e4chlich hinter diesem Begriff verbirgt, beweist Chopin in seiner knapp zweist\u00fcndigen Sammlung von 21 Nocturnes: Innerliches Aufbegehren, Tr\u00fcbung, Haltlosigkeit, Melancholie und Suche nach etwas \u00dcbergeordneten. Jede Nocturne steht f\u00fcr sich, er\u00f6ffnet eine eigene Welt und definiert die Gattung auf eigene Weise.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nelson Goerner stellte es sich zur Aufgabe, den gesamten Zyklus einzuspielen mit all den Unterschieden dieser Werke. Das charakteristisch Tr\u00e4umerische findet hier ebenso seinen Platz wie das Aufw\u00fchlende, die Ruhe Durchbrechende. Goerner verliert sich nicht in Sentimentalit\u00e4t, sondern findet die Konturen, Ecken und Kanten. Die ausgiebigen Ornamente, die bei Chopin eine Kunst f\u00fcr sich darstellen und sich gelegentlich zu umfangreichen L\u00e4ufen oder diffizilen Figurationen ausweiten, behalten bei Goerner &#8211; was selten zu h\u00f6ren ist &#8211; auch tats\u00e4chlich den Ausschm\u00fcckungscharakter, wobei der \u00fcbergeordnete Gesamtkontext nicht unterbrochen oder verf\u00e4lscht wird. Der einzelne Ton erh\u00e4lt Bedeutung, der Anschlag hat nicht das oft zu vernehmende Immaterielle, sondern eine gewisse Pr\u00e4gnanz. Trotzdem achtet Goerner gr\u00f6\u00dftenteils auf kantablen Fluss der melodischen Linie (Ausnahme ist die Nocturne Op. 15, Nr. 3, bei welcher der Fokus der Linie nicht \u00fcber die langen Noten hin\u00fcberreicht) und auf das entspannende Streben hin zu einer Zieltonart. Zu w\u00fcnschen w\u00e4re vielleicht teils noch eine genauere Betrachtung des harmonischen Geflechts, das so facettenreich und ergiebig ist in diesen kleinen Juwelen: die Wertigkeit der linken Hand sollte trotz der eigentlichen Begleitfunktion zu der singenden Oberstimme nicht vergessen werden, denn erst die dort enthaltenen, teils auf mehrere Oktaven verstreuten Akkorde bringen die Musik voran und verleihen den Werken die fest verankerte Struktur. Goerner erlaubt sich einige Freiheiten, gerade auch im Tempo, ist dabei aber stets darauf bedacht, dass das klangliche Resultat als Ganzes &#8222;funktioniert&#8220;. Nie l\u00e4sst er sich zu \u00fcberm\u00e4\u00dfigen oder \u00fcberfl\u00fcssigen Rubati verleiten, er gibt die Kontrolle \u00fcber das Geschehen nicht aus der Hand; und er greift aktiv ein, statt sich nur treiben zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, November 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alpha Classics, ALPHA 359; EAN: 3 760014 193590 Auf zwei CDs spielte Nelson Goerner alle 21 Nocturnes von Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin ein (Opp. 9, 15, 27, 32, 37, 48, 55, 62, Op. 72 Nr. 1 sowie cis-Moll und c-Moll Op. Post.). Die Doppel-CD erschien bei Alpha Classics. 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