{"id":202,"date":"2015-11-01T17:23:51","date_gmt":"2015-11-01T16:23:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=202"},"modified":"2015-11-01T17:38:27","modified_gmt":"2015-11-01T16:38:27","slug":"violinklaenge-versilbert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/11\/01\/violinklaenge-versilbert\/","title":{"rendered":"Violinkl\u00e4nge versilbert"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Linn Records CKD 520; EAN: 6 91062 05202 3<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Paul1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-203\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Paul1-298x300.jpg\" alt=\"Paul1\" width=\"298\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Paul1-298x300.jpg 298w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Paul1-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Paul1.jpg 591w\" sizes=\"(max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Fl\u00f6tenvirtuosin Katherine Bryan adaptiert in ihrem neuen Album \u201eSilver Bow\u201c Musik f\u00fcr Violine und Orchester. Mit dem Royal Scottish National Orchestra unter Jac van Steen hat sie ein facettenreiches Programm aufgenommen, welches vorwiegend aus Werken des 19. Jahrhunderts besteht, sich jedoch auf keine Gattung festlegen m\u00f6chte. So findet sich hier sinfonische Programmmusik von Vaughan Williams genauso wie rein solistische und kammermusikalische St\u00fccke von Paganini, Schostakowitsch, Massenet und Saint-Sa\u0451ns.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um zun\u00e4chst einmal auf den gew\u00e4hlten Titel einzugehen: Die Fl\u00f6te als silbernen Bogen zu bezeichnen ist eine witzige bildliche Beschreibung der Essenz dieser CD, wirkt anfangs jedoch sehr gewagt, beinahe provozierend. Man ist sich \u00fcber diese Bezeichnung erst nach dem H\u00f6reindruck im Klaren, denn auf den ersten Blick haben beide Instrumente nicht sehr viel gemein. So l\u00e4sst sich im Klang zwar noch eine gewisse \u00c4hnlichkeit heraush\u00f6ren, unterscheiden lassen sich Violine und Querfl\u00f6te aber vor allem in der unterschiedlichen Klangerzeugung. Auch Bryan, die den Zuh\u00f6rer mittels ihres farbenreichen, virtuosen, klangsensiblen Spiels durch diesen \u00dcbergang vom Streich- zum Blasinstrument f\u00fchrt, schafft es nicht immer, diese Grenze vollkommen verschwinden zu lassen. So ist vor allem der Charakter von Saint-Sa\u0451ns \u201eIntroduction et Rondo capriccioso Op. 28\u201c beinahe g\u00e4nzlich verloren gegangen. Diese Komposition, gewidmet dem spanischen Geigenvirtuosen Pablo de Sarasate, beginnt mit einem zarten, sehnsuchtsvollen Violin-Thema, welches nach und nach auf das t\u00e4nzerische Rondo hinf\u00fchrt. Sehr grazil und beinahe burlesk anma\u00dfend erinnert dieses Spiel von teuflischer Besessenheit der Violine doch sehr an Saint-Sa\u0451ns \u201eDanse macabre\u201c. Von dem d\u00e4monischen, schneidenden Unterton ist bei Bryan jedoch wenig \u00fcbrig geblieben. Es wirkt unbeholfen, unbedarft, manchmal unfreiwillig komisch, wenn sie hier versucht, den Geigenklang mit einer Fl\u00f6te zu imitieren.\u00a0 Dasselbe bei den Zigeunerweisen des ebengenannten Widmungstr\u00e4gers, des Virtuosen und Komponisten Pablo de Sarasate: auch hier bekommt die Musik eine andere Intention und verfehlt die vom Sch\u00f6pfer intendierte Wirkung. Rein objektiv betrachtet ist das jedoch nicht zwangsweise etwas Schlechtes. Oft er\u00f6ffnet es uns eine neue Perspektive auf etwas Bekanntes neue R\u00e4ume.<br \/>\nSteht Bryan z. B. bei Paganinis \u201eCaprice No. 24\u201c mehr interpretatorischer Handlungsspielraum zur Verf\u00fcgung, so ist man durchaus beeindruckt, wie sie mit bl\u00e4serspezifischen Techniken wie Flatterzunge, Doppel- bzw. Tripelzunge den Geigenklang, hier gepr\u00e4gt durch repetitive Figuren, Tremoli, Doppel-,Tripel- und Quadrupelgriffe, t\u00e4uschend echt imitiert. Besonders hervorzuheben ist die, laut ihrer eigenen Aussage selbst entwickelte, \u201ePlop- Zungentechnik\u201c, bei welcher der Ton durch das vorzeitige Verschlie\u00dfen der Luft\u00f6ffnung den gezupften (pizzicato-) Ton auf einem Streichinstrument nachahmt.<br \/>\nIst der Charakter bei den beiden oben genannten Werken doch stark verfehlt worden, gelingt Bryan bei Vaughan Williams\u2019 impressionistischem Konzertst\u00fcck \u201eThe Lark Ascending\u201c jedoch eine Neusch\u00f6pfung. Sie imitiert nicht nur den Klang der Violine, nein, sie geht noch weiter. Sie nimmt die Musik als solche an wie sie ist. So trifft sie im wahrsten Sinne des Wortes den richtigen Ton und gibt diesem Tongem\u00e4lde eine neue Farbe. Man f\u00fchlt sich an Debussys \u201ePr\u00e9lude a l\u00b4apr\u00e8s midi d\u00b4un faune\u201c erinnert, wenn Bryan bei Vaughan Williams die Fl\u00f6te des Pan erklingen l\u00e4sst, so unschuldig Vogelmelodien imitiert. Auch das sehr impressionistisch angehauchte Harmoniefundament bringt das Royal Scottish National Orchestra mit gut ausgewogenen B\u00e4ssen und Celli zur Geltung und verhilft diesem paradiesischen See zur Vollkommenheit.<br \/>\nDieses nuancenreiche, klangsensible Spiel bezaubert auch bei Massenets weltber\u00fchmter M\u00e9ditation aus der Oper Tha\u0457s. Auch hier verschmilzt ihr Klang wunderbar mit dem des Orchesters und nimmt den sanften, ruhigen Charakter vollends an. Wie bei Vaughan Williams bekommt der Zuh\u00f6rer das Gef\u00fchl, man w\u00fcrde Originalliteratur zu Geh\u00f6r bekommen. Ihr lyrisches, expressives Spiel bietet sich selbstverst\u00e4ndlich auch f\u00fcr Romanzen an, weshalb es kein Wunder ist, warum auf dieser CD gleich drei vertreten sind. Allesamt, darunter auch Fritz Kreislers \u201eLiebesleid\u201c aus alten Wiener Tanzweisen, sind sie nett anzuh\u00f6ren, aber fallen doch eher in die Kategorie \u201eleichte Musik zum Genie\u00dfen\u201c, wobei Bryan auch hier dem Violincharakter in nichts nachsteht.<br \/>\nDazu ist noch zu sagen, dass die \u00e4u\u00dferst lebendige Aufnahmetechnik den qualitativ hochwertigen Eindruck unterstreicht. So empfinde ich beispielsweise das manchmal etwas laute Einatmen genauso interessant wie die eigentliche Musik, denn es dient wie eine Art Impuls, sich voll und ganz auf sie einzulassen.<br \/>\nMit Transkriptionen ist das so eine Sache. Es k\u00f6nnen dabei sehr gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftige Ergebnisse herauskommen oder kleine Perlen in Erscheinung treten. Letzteres trifft meines Erachtens auf diese h\u00f6renswerte CD zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Paul Prechtel; Oktober 2015]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Linn Records CKD 520; EAN: 6 91062 05202 3 Fl\u00f6tenvirtuosin Katherine Bryan adaptiert in ihrem neuen Album \u201eSilver Bow\u201c Musik f\u00fcr Violine und Orchester. Mit dem Royal Scottish National Orchestra unter Jac van Steen hat sie ein facettenreiches Programm aufgenommen, welches vorwiegend aus Werken des 19. 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