{"id":2020,"date":"2017-12-02T16:54:36","date_gmt":"2017-12-02T15:54:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2020"},"modified":"2017-12-02T16:54:36","modified_gmt":"2017-12-02T15:54:36","slug":"musik-fuer-triste-herbsttage","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/12\/02\/musik-fuer-triste-herbsttage\/","title":{"rendered":"Musik f\u00fcr triste Herbsttage"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Genraut, CRC 3605; EAN: 0 44747-3605-2 2<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/0127.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2021\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone  wp-image-2021\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/0127-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"312\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/0127-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/0127-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/0127.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nach seinem erfolgreichen Debut in der Carnegie Hall l\u00e4sst der in Deutschland lebende wei\u00dfrussische Pianist und Komponist Leon Gurvitch nun eine Einspielung folgen: Poetic Whispers. Neben eigenen Werken, die auch in London erklangen, und Improvisationen stehen auf dem Programm die Pavane Gabriel Faur\u00e9s, die Gymnop\u00e9die No. 1 von Erik Satie sowie Oblivion und Milonga del \u00c1ngel aus der Feder von Astor Piazzolla.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist die Art Musik, die man wohl an st\u00fcrmischen Herbsttagen h\u00f6ren m\u00f6chte, wenn man unter einer warmen Decke im Bett liegt und eine warme Tasse Tees trinkt. Diese s\u00fc\u00dfliche Melancholie, Zartheit, Schlichtheit, das einfache Gef\u00fchl. Man muss sich nicht anstrengen, die Musik zu verfolgen, sie treibt einfach dahin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leon Gurvitch bezieht die Sch\u00f6nheit seiner Musik aus der Einfachheit heraus, reflektiert sehr subjektiv die Zeit, in der sie entstand. Es sind klingende Stimmungsbilder, Charakterst\u00fccke, die irgendwie beinahe der Epoche der Romantik entstammen k\u00f6nnten. Sie haben einen simplen Aufbau und beziehen ihren Reiz aus melodi\u00f6ser Erfindung und mancher harmonisch unerwarteten Wendung. Die Improvisationen sind den geschriebenen St\u00fccken nicht allzu un\u00e4hnlich, wenngleich Gurvitch hier teils auch andere Elemente einflie\u00dfen l\u00e4sst, jazzigere Akkorde und unvermitteltere Br\u00fcche. Inspiration holt sich Gurvitch auch von existierenden Werken, so ist seine <em>Hommage \u00e0 Stravinsky<\/em> klar an dessen Petrouchka angelehnt und eines seiner St\u00fccke hei\u00dft bereits <em>Impressions after Adagio from Concierto de Aranjuez (by Joaqu\u00edn Rodrigo)<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gurvitch besitzt einen warmen und runden Anschlag, dem ein intensives Gef\u00fchl innewohnt. Es handelt sich nicht um eine innerlich ersp\u00fcrte und vollst\u00e4ndig dem innermusikalischen Kontext dienende, sondern eher eine sehr wirkungsvoll auf den H\u00f6rer ausgerichtete Emotion, die unglaublich mitrei\u00dfend wirkt und sich durch Nachdruck auf der Taste ins Ged\u00e4chtnis einpr\u00e4gt. Es liegt viel Pers\u00f6nlichkeit in der Spielweise Gurvitchs, sie \u00fcberzeugt zumal in seinen eigenen Kompositionen mit schlagendem Effekt. \u00dcberragend ist sein Spiel auf der Melodica, die bei Piazzolla tats\u00e4chlich beinahe wie ein Bandoneon anmutet. Er phrasiert sanglich und spielerisch frei, \u00fcberzeugt durch Nat\u00fcrlichkeit des Ausdrucks. Von den vier Kompositionen anderer Autoren gelingt ihm besonders Saties Gymnop\u00e9die No. 1, welche auch am ehesten dem Stil von Gurvitchs Werken nahesteht. Faur\u00e9s Pavane klingt noch zu sehr nach ange-&#8222;schlagen&#8220; und verliert so ihre schwebende Immaterialit\u00e4t; hier sollte der H\u00f6rer eigentlich vergessen d\u00fcrfen, dass es nur ein Klavier und kein Orchester mit gro\u00dfem Chor ist, das diese wundervolle Miniatur vortr\u00e4gt. Piazzolla swingt und groovt, Gurvitch l\u00e4sst lebendige Kontraste entstehen und geht f\u00f6rmlich auf in der Musik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist ein vielseitiges Album ungeachtet eines \u00fcbergeordneten Stimmungsbildes, das Gurvitch vorlegt. Die Einheit in der Vielfalt, wenn man diesen Begriff so f\u00fcr musikalische Zwecke verwenden darf\u2026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, November 2017] <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Genraut, CRC 3605; EAN: 0 44747-3605-2 2 Nach seinem erfolgreichen Debut in der Carnegie Hall l\u00e4sst der in Deutschland lebende wei\u00dfrussische Pianist und Komponist Leon Gurvitch nun eine Einspielung folgen: Poetic Whispers. 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