{"id":2033,"date":"2017-12-10T13:33:44","date_gmt":"2017-12-10T12:33:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2033"},"modified":"2017-12-11T13:36:20","modified_gmt":"2017-12-11T12:36:20","slug":"konzert-wie-komponist","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/12\/10\/konzert-wie-komponist\/","title":{"rendered":"Konzert wie Komponist"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Am Nachmittag des 9. Dezember 2017 stellt Violina Petrychenko im Steinwayhaus M\u00fcnchen ihre CD &#8222;The Silent Voice of Vasyl Barvinsky&#8220; vor. Abgesehen von drei Pr\u00e4ludien ist es exakt das Programm ihrer CD inklusive des Klavierzyklus&#8216; \u201aLiebe\u2019 und der Ukrainischen Suite, au\u00dfer den f\u00fcnf Pr\u00e4ludien spielt sie noch f\u00fcnf Weihnachtsliederbearbeitungen als Zugabe.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie sich Vasyl Barvinsky als &#8222;Komponist als Noten&#8220; bezeichnete, so l\u00e4sst sich auch dieser Klaviernachmittag als &#8222;Konzert ohne Werbung&#8220; betiteln. Dass zu Recitals oder Kammermusikveranstaltungen, die nicht durch die gro\u00dfen Veranstalter angeboten werden, nach wie vor nur eine Handvoll Zuh\u00f6rer kommen \u2013 wovon sicherlich die H\u00e4lfte in pers\u00f6nlichem Kontakt zu den Musikern stehen \u2013,wird mir immer schleierhaft bleiben. Hohe Qualit\u00e4t und bessere Sitzpl\u00e4tze zu vergleichsweise geringem Preis sind doch eigentlich mehr als verlockend! Vielleicht w\u00fcrde es ausreichen, gen\u00fcgend zu werben und die \u00d6ffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, dass \u00fcberhaupt solche Veranstaltungen stattfinden. Denn davon war nichts zu sehen f\u00fcr dieses Konzert, und so musizierte Violina Petrychenko zu unrecht vor dem nicht einmal halb gef\u00fclltem kleinen Rubinsteinsaal des Steinwayhauses in M\u00fcnchen-Laim.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/0128.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2026\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2026\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/0128-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/0128-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/0128-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/0128.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Konzerte sind intensivere Erlebnisse als CD-Aufnahmen, und so erfahre ich auch heute noch mehr als zuvor \u00fcber die Musik des Ukrainers Vasyl Barvinsky, der bis Mitte der 1940er-Jahre hoch gesch\u00e4tzt und durch Auszeichnungen wie fr\u00fche Fernsehaufzeichnungen seines Schaffens geehrt, sp\u00e4ter allerdings durch Stalin ge\u00e4chtet und eingesperrt, dessen Werk verbrannt wurde. In der Musik wird seine Verwurzelung in der ukrainischen Tradition deutlich, doch auch das B\u00f6hmisch-Tschechische, der Einfluss durch seinen Lehrer V\u00edt\u011bzslav Nov\u00e1k und dessen zu Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k zur\u00fcckreichende Traditionslinie. Vielleicht l\u00e4sst sich auch &#8211; wenngleich man es angesichts von Barvinskys Geschichte vielleicht nicht zu laut sagen sollte &#8211; eine dezent polnische und russische F\u00e4rbung vernehmen, die mit der Musik Chopins\u00a0 und Rachmaninoffs in Verbindung steht. Das Melancholische, Traurig-S\u00fc\u00dfliche ist charakteristisch f\u00fcr die heute zu h\u00f6renden Werke, wenngleich vor allem im Klavierzyklus &#8222;Liebe&#8220; immer wieder auch Hoffnung durchschimmert und sogar ein &#8222;Triumph der Liebe&#8220; nach den Stationen \u00a0&#8222;Einsamkeit&#8220;, &#8222;Leid&#8220; und &#8222;Schmerz&#8220; Einzug h\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Petrychenkos Musizieren ist leidenschaftlich, aber doch gez\u00fcgelt. Ein volumin\u00f6ses Forte und eine nuancierte Pedaltechnik sind charakteristisch. Ihr Anschlag ist durch Pr\u00e4senz und Kern gekennzeichnet, der Klang entsteht f\u00f6rmlich greifbar im Raum. Wo im Pianobereich gr\u00f6\u00dfere Dynamikabstufungen gefordert sind, beweist sie ein breites Spektrum an Schattierungen im Mezzo und Forte, wobei sie nie blind drauf losprescht, selbst wenn die Musik durchaus dazu verleiten w\u00fcrde. Diese M\u00e4\u00dfigung und Ruhe wirft einen angemessen edlen Glanz auf die Musik. Als Zugabe h\u00f6ren wir nach den Weihnachtsliedern noch die Karpatische Fantasie von Jurii Schamo, dessen raue Pr\u00e4gnanz einen angenehmen Kontrast zu der sanften Lieblichkeit Barvinskys schafft und den H\u00f6rer noch einmal besonders aufhorchen l\u00e4sst. Schnell verstehen die H\u00f6rer, wie vielseitig doch die ukrainische Musiklandschaft ist, die uns, trotz Gli\u00e8re, Liatoschinsky und Stankowitsch heute beinahe vollkommen unbekannt ist &#8211; was, wenn nicht dieses Konzert, diente als vernehmbarer Appell, sie intensiver zu erkunden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Dezember 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Nachmittag des 9. Dezember 2017 stellt Violina Petrychenko im Steinwayhaus M\u00fcnchen ihre CD &#8222;The Silent Voice of Vasyl Barvinsky&#8220; vor. 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