{"id":2039,"date":"2017-12-13T16:14:52","date_gmt":"2017-12-13T15:14:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2039"},"modified":"2017-12-13T16:14:52","modified_gmt":"2017-12-13T15:14:52","slug":"zum-grossen-ganzen-zusammengefuegt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/12\/13\/zum-grossen-ganzen-zusammengefuegt\/","title":{"rendered":"Zum gro\u00dfen Ganzen zusammengef\u00fcgt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Auch wenn wir auf die neue CD noch ein bisschen warten m\u00fcssen, gab uns die junge italienische Meisterpianistin schon mal einen Vorgeschmack darauf. Der Publikumszuspruch war in Zahlen \u2013 wie bei kleineren Veranstaltern (zu welchen das Freie Musikzentrum geh\u00f6rt) im \u00dcberangebot der Starkulturstadt M\u00fcnchen ja leider \u00fcblich \u2013 sehr d\u00fcrftig, aber die Zuh\u00f6rer, die Maceratinis Kunst erlebten, k\u00f6nnen sagen: Wir waren dabei! Und welch ein Abend!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zu Beginn das Adagio aus dem Oboen-Konzert in d-moll von Alessandro Marcello (1673-1747) in der Bearbeitung von Johann Sebastian Bach (BWV 974). (Wobei sich die Forschung bis heute nicht restlos einig ist, wer der eigentliche Verfasser war, Alessandro, der \u00e4ltere, oder Benedetto, der j\u00fcngere der beiden Marcello-Br\u00fcder.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie gesanglich die urspr\u00fcngliche Oboenstimme sich \u00fcber der durchaus spannenden Begleitung erhob, sehr getragen und wie geschaffen als Einladung f\u00fcr ein sehr weit gespanntes Programm!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Denn schon als N\u00e4chstes folgte das gewichtigste Werk des Abends: Franz Schuberts Wanderer-Fantasie in C. Wie Ottavia Maria Maceratini abgesehen von der fulminanten technischen Meisterung dieses Mammutwerk sich entfalten lie\u00df, die einzelnen, oft kontr\u00e4ren Abschnitte zum einen gro\u00dfen Ganzen zusammenf\u00fcgte, dabei jeder Nuance dieser Komposition Rechnung trug in Dynamik, Spannung, Melodik und Harmonik, ist rundweg h\u00f6chst bewundernswert. Dabei strahlte sie eine \u00fcberzeugende Ruhe aus, die dem sehr langen Atem dieses St\u00fccks zu gute kam. Dass der Klang des Yamaha-Fl\u00fcgels auch bei den exponiertesten Stellen nie hart oder etwa metallisch dr\u00f6hnend klang, war der noblen klanglichen Gestaltungskraft \u2013 und sicher auch dem jahrelangen Training in martial arts \u2013zu verdanken. Jedenfalls wurde h\u00f6rbar und zum gro\u00dfen Erlebnis, was der immer noch junge Schubert mit der Wanderer-Fantasie f\u00fcr eine ganz eigene Welt geschaffen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach der Pause: Mozarts Rondo a-moll KV 511, eines der Klavierwerke, die in dieser f\u00fcr Mozart mit pers\u00f6nlichen Schicksalsschl\u00e4gen verbundenen Tonart stehen. Und wirklich, von Beginn an lotete Maceratini diese Tiefen aus. Kein heiterer Mozart, wie so oft, heiter und unbeschwert, nein, dieser Komponist konnte mit seiner Musik weit in die Zukunft weisen, in die Bereiche der Romantik, in Gef\u00fchlstiefen, die man ihm oft vielleicht gar nicht so zutraut. Man denke nur an sein Lied \u201eDie Engel Gottes weinen\u2026\u201c, das ebenso von Schubert sein k\u00f6nnte. In diese emotionale Tiefe nach dem Abschied eines seiner liebsten Freunde, des Grafen Hatzfeld, nahm uns die Pianistin mit all ihrer Kunst mit, die in Mozarts a-moll Tonart eben so oft zu sp\u00fcren und zu vernehmen ist. (Die Sonate in a-moll KV 310 komponierte er unmittelbar nach dem Tod der Mutter 1778)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach Mozart folgte als Programm-\u00c4nderung Frederic Chopins Fantasie Impromptu op. 66.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Warum sie die beiden angek\u00fcndigten St\u00fccke des norwegischen Komponisten Harald Saeverud nicht spielte, sagte sie nicht, aber das Werk von Chopin ist bei Ottavia Maria Maceratini in besten H\u00e4nden. Da jubelt die Melodie, da bl\u00fchen die Chopin\u2019schen Harmonien, das ist allerbeste Klavierkunst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der amerikanisch-franz\u00f6sische Komponist Louis Moreau Gottschalk (1829-1869) geh\u00f6rt mit seinem Klavierwerk immer noch zu den Unbekannten \u2013 obwohl seine Musik zu ihrer Zeit ein absoluter Renner war, was wir gleich darauf \u00fcberw\u00e4ltigend miterleben konnten. Sein Souvenir de Porto Rico op. 31 ist ein Rei\u00dfer, den die Pianistin mit aller Unbek\u00fcmmertheit und unter Einsatz ihres ganzen K\u00f6rpers nicht nur spielte, sondern eigentlich tanz-spielte, was dieser Musik einen unerh\u00f6rten Groove und Swing verleiht. Da ist die echte karibische Rhythmik und der ganze lebenslustige Spa\u00df zu vernehmen, der auch heute noch diesem St\u00fcck eignet. Nicht nur solche Merkw\u00fcrdigkeiten wie Kompositionen f\u00fcr 10 Fl\u00fcgel oder das Tristan-Vorspiel f\u00fcr 14 Klaviere, auch weitere St\u00fccke wie \u201eLe Banjo\u201c w\u00e4ren perfekte \u201eRausschmei\u00dfer\u201c f\u00fcr einen Abend wie diesen, der einen gehaltreichen Bogen spannte von Marcello bis Gottschalk, was die ganze Bandbreite der Kunst Ottavia Maria Maceratinis f\u00fcr die erlesene kleine Besucherschar zum gro\u00dfen Erlebnis werden lie\u00df. Als Zugabe entlie\u00df sie uns mit dem zauberhaften Nocturne op. 9\/ 2 von Chopin\u2026.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Ulrich Hermann, Dezember 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch wenn wir auf die neue CD noch ein bisschen warten m\u00fcssen, gab uns die junge italienische Meisterpianistin schon mal einen Vorgeschmack darauf. Der Publikumszuspruch war in Zahlen \u2013 wie bei kleineren Veranstaltern (zu welchen das Freie Musikzentrum geh\u00f6rt) im \u00dcberangebot der Starkulturstadt M\u00fcnchen ja leider \u00fcblich \u2013 sehr d\u00fcrftig, aber die Zuh\u00f6rer, die Maceratinis &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/12\/13\/zum-grossen-ganzen-zusammengefuegt\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zum gro\u00dfen Ganzen zusammengef\u00fcgt<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[2303,87,265,717,174,2304,507,16,184],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2039"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2039"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2039\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2040,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2039\/revisions\/2040"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2039"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2039"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2039"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}