{"id":2046,"date":"2017-12-18T15:56:54","date_gmt":"2017-12-18T14:56:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2046"},"modified":"2017-12-18T15:57:11","modified_gmt":"2017-12-18T14:57:11","slug":"abgruende-fuer-vier","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/12\/18\/abgruende-fuer-vier\/","title":{"rendered":"[Rezensionen im Vergleich] Abgr\u00fcnde f\u00fcr vier"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">TYX Art, TXA17090; EAN: 4 250702 800903<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/0129.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2043\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-2043\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/0129-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"327\" height=\"283\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/0129-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/0129-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/0129.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 327px) 100vw, 327px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Streichquartette des 1945 geborenen Roland Leistner-Mayer spielte das Sojka Quartett f\u00fcr TYX Art ein. Neben dem unbetitelten F\u00fcnften Quartett Op. 147 stehen das Sechste Quartett op. 148 &#8222;7 untapfere Bagatellen&#8220; und das Siebte Op. 151, das &#8222;Ariadne-Quartett&#8220;; sie entstammen alle den Jahren 2014-16.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Suchen und Finden eines eigenen Tons, einer individuellen Klangsprache, wurde gerade in der Stilpluralit\u00e4t des 20. Jahrhunderts zu einer zunehmend schwierigen Aufgabe, der sich zahllose Komponisten verweigerten und sich stattdessen herrschenden Str\u00f6mungen anschlossen, oberfl\u00e4chliche Wirkung \u00fcber musikalische Substanz stellten und Erfolg in einer Scheinwelt der vorgeblichen \u201eOriginalit\u00e4t\u201c suchten. Ein Widerl\u00e4ufer dieser Haltung ist der in B\u00f6hmen geborene Roland Leistner-Mayer, der sich stets fern hielt vom musikalischen Schubladendenken und nach Urspr\u00fcnglichkeit und Eigenheit strebte. Leistner-Mayer setzte einen Schwerpunkt seines Schaffens auf die Gattung des Streichquartetts, drei in diesem Jahrzehnt entstandene Beitr\u00e4ge bietet vorliegende CD des Sojka Quartetts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schwermut durchzieht alle drei Werke, Dunkelheit und Abgr\u00fcndigkeit sind charakteristisch. Leistner-Mayer wei\u00df, den H\u00f6rer in bestimmte Stimmungen zu versetzen, in die Tiefe zu ziehen und dort festzuhalten, wie besonders das \u00fcber sechs Minuten andauernde, finale Presto precipitando aus dem Ariadne-Quartett beweist, welches immer unaufhaltsamer treibend und \u00fcberw\u00e4ltigender aufbegehrt, ohne einen Moment der Ruhe. Unaufmerksamkeit oder Entspannung sind nicht mit dem H\u00f6ren dieser Art eruptiver Musik zu vereinbaren. Der Komponist spielt mit Themen, die er lange Zeit auskosten kann und zwischen den Eins\u00e4tzen der Musiker sich entwickeln l\u00e4sst, und schroffen Kontrasten, die unvermittelt das Geschehen in neuem Licht erscheinen lassen. Dabei bleibt ein roter Faden durch das gesamte Werk hindurch erhalten und schwei\u00dft die S\u00e4tze zusammen, gibt eine unmissverst\u00e4ndliche Richtung vor. Die Musik macht Sinn \u2013 ein heute viel zu selten beachtetes Qualit\u00e4tskriterium, welches sich nur schwer verbal ergr\u00fcnden, aber sehr wohl ersp\u00fcren l\u00e4sst. Die Werke sind tonsprachlich eindeutig ihrem Komponisten zuzuordnen, wiederkehrende Ausdrucksmittel wie langes Tremolieren oder die treibenden rhythmischen Kontraste und Widersetzlichkeiten, die gegeneinander anspielenden Vierer- und F\u00fcnferrhythmen, lassen kein Zweifel daran, wer diese Musik geschrieben hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Sojka Quartett spielt mit gro\u00dfer Passion (im urspr\u00fcnglichsten Sinn des Wortes) und entfaltet die aufr\u00fchrende expressive und klangliche Dichte dieser Quartette in symphonischer F\u00fclle. Kantabel und doch knackig fassen die vier Streicher die Musik an. W\u00fcnschenswert w\u00e4re lediglich noch eine gr\u00f6\u00dfere Bandbreite an dynamischen Abstufungen, besonders im Pianissimo- und Fortissimobereich, sowie organischere \u00dcberg\u00e4nge zwischen den Extremen, die so oft gefordert werden und in ihrer Gegens\u00e4tzlichkeit ausgekostet werden sollen. Deutlich sind die einzelnen Stimmen voneinander abzuheben, die Verdopplungen k\u00f6nnten noch mehr als orchestral gesetzte Parallelit\u00e4t verwirklicht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, November 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>TYX Art, TXA17090; EAN: 4 250702 800903 Streichquartette des 1945 geborenen Roland Leistner-Mayer spielte das Sojka Quartett f\u00fcr TYX Art ein. Neben dem unbetitelten F\u00fcnften Quartett Op. 147 stehen das Sechste Quartett op. 148 &#8222;7 untapfere Bagatellen&#8220; und das Siebte Op. 151, das &#8222;Ariadne-Quartett&#8220;; sie entstammen alle den Jahren 2014-16. 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