{"id":2055,"date":"2017-12-23T13:08:11","date_gmt":"2017-12-23T12:08:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2055"},"modified":"2017-12-24T13:11:42","modified_gmt":"2017-12-24T12:11:42","slug":"kunst-der-reduktion","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/12\/23\/kunst-der-reduktion\/","title":{"rendered":"Kunst der Reduktion"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Anders Eliasson: Complete Works for Piano and Harpsichord<\/p>\n<p>Label: NEOS; Katalog-Nr.:NEOS10831 \/ EAN: 4260063108310<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Grete0033.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2056\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2056\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Grete0033-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Grete0033-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Grete0033-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Grete0033.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Anders Eliasson war einer der enorm bedeutenden, wenngleich nicht gerade einer der einflussreichsten Komponisten des 20. und 21. Jh. Nun fragt man sich: Wie kann einer bedeutend sein, wenn er nicht einflussreich war? Dabei ist die Musikgeschichte reich an \u201eF\u00e4llen\u201c wie diesem. Egal wohin man sieht: Anton Bruckner, Gustav Mahler, Franz Schubert und viele viele mehr \u2013 sie alle wurden zu Lebzeiten eher als musikalische Sonderlinge betrachtet, und ihre musikhistorische Bedeutung wurde erst Jahrzehnte nach ihrem Tod verstanden. Somit waren sie in der Nachschau sehr bedeutend, waren aber zu ihren Lebzeiten wenig einflussreich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ebenso, davon bin nicht nur ich \u00fcberzeugt, wird es Anders Eliasson gehen. Schon jetzt, wenige Jahre nach dem tragischen Tod des schwedischen Komponisten, mehren sich die CD-Einspielungen seiner Werke, mehren sich die Stimmen derer, die Eliasson f\u00fcr eine der gro\u00dfen \u201eEntdeckungen\u201c in der Musik des letzten Jahrhunderts halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Beim M\u00fcnchner Label NEOS ist nun eine faszinierende CD erschienen, die in Form von Eliassons Klavierwerk einen eigentlich optimalen Einstieg in das Werk des Schweden erlaubt. Eliasson war ein Komponist, der zwar auch f\u00fcr gro\u00dfe, ja, gigantische Besetzungen geschrieben hat. Doch seine musikalischen Keimzellen beruhen auf einem System, das im Grunde durch eine Reduktion musikalischer Querbez\u00fcge nach festgelegten Regeln eine erstaunliche, im besten Sinne unerh\u00f6rte harmonische Freiheit gibt, die ganz anders funktioniert als das System der Serialisten und Dodekaphonen aber ebenso modern, eigentlich wesentlich progressiver ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Eliasson hat lediglich ein schmales \u0152uvre f\u00fcr Klavier und Cembalo hinterlassen, das bequem auf ein CD-Album passt. Die Auseinandersetzung mit dieser \u201eMusik im kinetischen Schwebezustand\u201c, wie der Booklettext sehr eindr\u00fccklich formuliert, wird jedoch lang anhaltend sein. Traditionelle Formen sucht man in Eliassons Klavierschaffen vergebens. Stattdessen gruppierte der Komponist seine Klavierwerke \u00fcberwiegend in von ihm so benannte \u201eDisegnos\u201c (\u201eZeichnungen\u201c). Da kommen vom Titel her erst einmal Erinnerungen an Debussys \u201eImages\u201c auf. Doch die musikalische Wirkung ist ganz anders. Konnte man Debussys \u201eImages\u201c einerseits in Anlehnung an die impressionistischen Maler verstehen und hatte der Komponist andererseits unverhohlen programmatische Titel vergeben, betont der Begriff \u201eDisegno\u201c im Werk Eliassons eher eine Art von Skizzenhaftigkeit. Das wiederum soll nicht bedeuten, dass es sich um musikalische Skizzen, gewisserma\u00dfen nicht auskomponierte Werke, handeln w\u00fcrde. Es ist vielmehr ein klanglicher Eindruck. W\u00e4hrend man sich Debussys Musik als \u00d6lgem\u00e4lde vorstellt, ist Eliassons Klavierschaffen eher eine kunstvoll reduzierte Kohlezeichnung auf B\u00fcttenpapier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Andreas Skouras, der Pianist dieser Aufnahme, ist neben seiner Bet\u00e4tigung im Bereich des sogenannten Standardrepertoires ein ausgesprochener Fachmann f\u00fcr Neue Musik und ein begehrter Urauff\u00fchrungspianist, der schon Werke von u.a. Wuorinen, Bolcom und Eliasson aus der Taufe hob. Auf CD legte er u.a. Einspielungen der Musik von Neut\u00f6nern wie Isang Yun, Bernd Alois Zimmermann oder Kalevi Aho vor, und bewies dadurch Geschmack.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vorliegende, in einer leider etwas k\u00fchl und vor allem zu d\u00fcnn klingenden Akustik eingefangene Aufnahme (der Kammermusiksaal des Deutschlandfunks hat auf anderen Aufnahmen schon einmal besser geklungen, muss man leider sagen) ist ein wichtiger Beitrag zur Neuen Musik und eine bedeutende Repertoireerweiterung. Ob Skouras auch immer den richtigen Zugriff zur Musik findet, da bin ich mir hingegen nicht immer sicher. Gerade die zweifellos vorhandenen lyrischen Aspekte in Eliassons Musik und die dynamischen Abstufungen w\u00fcrde zumindest ich mir feiner (darf man sagen: empfundener?) w\u00fcnschen.<\/p>\n<p><strong>[Grete Catus, Dezember 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anders Eliasson: Complete Works for Piano and Harpsichord Label: NEOS; Katalog-Nr.:NEOS10831 \/ EAN: 4260063108310 Anders Eliasson war einer der enorm bedeutenden, wenngleich nicht gerade einer der einflussreichsten Komponisten des 20. und 21. Jh. Nun fragt man sich: Wie kann einer bedeutend sein, wenn er nicht einflussreich war? 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