{"id":2068,"date":"2017-12-29T17:13:25","date_gmt":"2017-12-29T16:13:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2068"},"modified":"2017-12-29T17:13:32","modified_gmt":"2017-12-29T16:13:32","slug":"geniestreich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/12\/29\/geniestreich\/","title":{"rendered":"Geniestreich"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Hans Rosbaud dirigiert Bruckner (8 CDs): Sinfonien Nr. 2\u20139 (S\u00fcdwestfunk-Orchester Baden-Baden)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Grete0034.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2069\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-2069\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Grete0034-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"348\" height=\"302\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Grete0034-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Grete0034-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Grete0034.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 348px) 100vw, 348px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Katalog-Nr.: SWR19043CD \/ EAN: 747313904389<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Als eine ganze neue Serie mit Aufnahmen von Hans Rosbaud bei SWRmusic angek\u00fcndigt wurde, war ich \u00fcberrascht. In meiner pers\u00f6nlichen Einsch\u00e4tzung war Rosbaud nun nicht eben ein Dirigent, dem ich, wenn ich Verantwortlicher eines CD-Labels w\u00e4re, eine Edition gewidmet h\u00e4tte: Seine Verdienste um die (damals) Neue Musik sind unbestritten, und auch als Urauff\u00fchrungsdirigent (u.a. f\u00fcr Strawinsky) hat Rosbaud sich seine Meriten wohl verdient. Es f\u00e4llt mir jedoch auch jetzt noch schwer, ihn als bedeutenden Dirigenten einzustufen. Vergleicht man ihn etwa mit Michael Gielen, dem SWRmusic ebenfalls eine Edition gewidmet hat, ist kaum bestreitbar, dass Gielen (egal, was man von diesem Dirigenten halten mag, ich pers\u00f6nlich halte auch Gielen f\u00fcr keinen der \u201eGro\u00dfen\u201c) im historischen R\u00fcckblick weitaus pr\u00e4gender gewesen ist als Rosbaud.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zu meiner \u00dcberraschung angesichts des Beginns der Serie gesellte sich die \u00dcberraschung angesichts eines (fast) kompletten Bruckner-Zyklus, den Rosbaud anhand der Partitur-Ausgaben letzter Hand (die \u201eWiederentdeckungen der Urfassungen der Bruckner-Partituren war damals noch kein Thema) als damaliger Chef des SWF Sinfonie-Orchesters Baden-Baden f\u00fcr den Rundfunk unter Studiobedingungen eingespielt hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die grundlegende \u00dcberraschung war erst einmal, dass jemand wie Rosbaud \u00fcberhaupt einen Bruckner-Zyklus hinterlassen hat. Die gr\u00f6\u00dfere \u00dcberraschung aber war, dass er sich dann auch noch als einer der allerbesten Bruckner-Zyklen entpuppte, die ich bis dato zu Ohren bekommen habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In wirklich \u00e4u\u00dferst wohltuender Weise hat Rosbaud ab Mitte der 1950er-Jahre einen quasi idealen Kompromiss gefunden zwischen der feierlichen W\u00fcrde, die diese Musik braucht (auch will) und dem g\u00e4nzlichen Verzicht auf jeglichen \u00fcberfl\u00fcssigen pomp\u00f6sen Ballast. Auf geradezu geniale Weise spielt Rosbaud dabei auch die wirklich vorz\u00fcgliche Mono-Tontechnik der damaligen SWF-Tonmeister in die H\u00e4nde. Sie sorgt f\u00fcr einen (meistens) gl\u00e4nzend durchh\u00f6rbaren Raum, der fast ganz ohne Hall auskommt, aber interessanterweise \u00fcberhaupt nicht k\u00fcnstlich wirkt. Die Partitur scheint offen vor einem zu liegen, viele Einspielungen aus der Box klingen beinahe wie (sehr \u00fcppig besetzte) Kammermusik. Selbst bei ausgesprochenen \u201eBoliden\u201c wie der Vierten oder der Achten wirkt das Orchester bis in die hinterste Stimme durchleuchtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das war noch echte Tonmeisterkunst! Und was ist das f\u00fcr ein frappierender Kontrast zu den h\u00e4ufig verwaschenen, halligen Bruckner-Aufnahmen von heute und aus der j\u00fcngeren Vergangenheit! In der Tat hat man den Eindruck: Genau so, wie in diesen Mono-Aufnahmen aus den Jahren 1955 bis 1962 sollte Bruckner klingen \u2013 sowohl was das Dirigat angeht, als auch in Dingen der Tontechnik. Und das \u00fcberrascht einen im Jahr 2017 dann doch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Rosbaud ist mit diesem Zyklus ein wirklicher Geniestreich gelungen, der in seinem sonst gar nicht immer \u00fcberzeugenden Nachlass als Dirigent, einzig dasteht. Der gesamte Zyklus wirkt wie aus einem Guss und braucht sich selbst hinter einschl\u00e4gigen Bruckner-Referenzen nicht zu verstecken. Im Gegenteil: Ich denke, er wird bald selbst zu ebenjenen Referenzen geh\u00f6ren. Das gr\u00f6\u00dfte Verdienst dieser fesselnden Mitschnitte ist es, dass sie so selbstverst\u00e4ndlich klingen: Rosbaud hat es geschafft, dass man hier nichts, aber auch wirklich gar nichts infrage stellen m\u00f6chte. Die komplizierte Konstruktion ist unh\u00f6rbar, alles wirkt ganz organisch, die Tempi erscheinen optimal gew\u00e4hlt, nichts klingt aufgesetzt, nichts klingt bem\u00fcht, alles erscheint ganz leicht und fl\u00fcssig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Und so kann man nur konstatieren, dass diese Box eine wichtige, lohnende Ver\u00f6ffentlichung ist, deren einziges Manko darin besteht, dass sie eben (leider) kein kompletter Zyklus ist: Die erste Sinfonie fehlt. Nebenbei ist sie ein klingendes Pl\u00e4doyer f\u00fcr das ganz erstaunliche klangliche Niveau, das die Mono-Rundfunktontechnik der 1950er-Jahre zu erzielen im Stande war.<\/p>\n<p><strong>[Grete Catus, Dezember 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans Rosbaud dirigiert Bruckner (8 CDs): Sinfonien Nr. 2\u20139 (S\u00fcdwestfunk-Orchester Baden-Baden) Katalog-Nr.: SWR19043CD \/ EAN: 747313904389 Als eine ganze neue Serie mit Aufnahmen von Hans Rosbaud bei SWRmusic angek\u00fcndigt wurde, war ich \u00fcberrascht. 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