{"id":2072,"date":"2018-01-01T18:48:47","date_gmt":"2018-01-01T17:48:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2072"},"modified":"2018-01-02T15:16:34","modified_gmt":"2018-01-02T14:16:34","slug":"das-wiederaufbluehen-einer-groesse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/01\/01\/das-wiederaufbluehen-einer-groesse\/","title":{"rendered":"Das Wiederaufbl\u00fchen einer Gr\u00f6\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">EDA, 042; EAN: 8 40387 10042 5<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/0131.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2076\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2076\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/0131-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/0131-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/0131-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/0131.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Eine Hommage an den polnisch-ukrainischen Komponisten J\u00f3zef Koffler bringt das Label EDA heraus, das f\u00fcr die Reihe &#8222;Poland Abroad&#8220; bereits Kammermusik Kofflers aufnahm. Erstmalig ist symphonisches Schaffen des Komponisten auf CD erh\u00e4ltlich, und zwar Livemitschnitte des Klavierkonzerts op. 13 und der Zweiten Symphonie op. 17. Von diesen Kolossen eingerahmt werden Zwei Lieder op. 1, Quatre po\u00e8mes op. 22 und das Zweite Streichquartett op. 27 &#8222;Ukrainische Skizzen&#8220;. Es spielt das Polish Sinfonia Iuventus Orchestra unter Christoph Slowinski, im Klavierkonzert mit Daniel Wnukowski als Solisten, das Polish String Quartet Berlin, und es singt Frederika Brillembourg, am Klavier begleitet vom Dirigenten.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man die gro\u00dfartigen K\u00fcnstler aufz\u00e4hlen w\u00fcrde, die von den Nazis aus dem \u00f6ffentlichen Bewusstsein gefegt wurden, so w\u00e4re die Liste endlos. Immer wieder treten gr\u00f6\u00dfere oder kleinere Namen auf die Bildfl\u00e4che, die Opfer der Verfolgungen wurden. Viele davon sind es wert, wieder entdeckt zu werden, und einige davon stechen ganz besonders hervor. Zu diesen geh\u00f6rt, woran ich keinen Zweifel offen lassen m\u00f6chte, J\u00f3zef Koffler, der nach jahrelanger Unterbringung im Ghetto 1944 mit seiner ganzen Familie ermordet wurde. Sein Schaffen ist von geringem Umfang, doch von hoher Substanz. Sein Lebenslauf war durchwachsen: 1896 im galizischen Stryj geboren, musste er sich erst gegen den Wunsch der Familie, Jura zu studiere, durchsetzen, und lie\u00df sich zun\u00e4chst in Lemberg (Lwiw), sp\u00e4ter in Wien von Egon Wellesz, Robert Lach und Guido Adler ausbilden und promovierte bei letzterem \u00fcber Felix Mendelssohn Bartholdy. W\u00e4hrend seines Studiums wurde er im Ersten Weltkrieg in die Armee eingezogen. 1924 kehrte er nach Lemberg zur\u00fcck Dort erhielt er eine Professur f\u00fcr Harmonielehre und atonale Komposition, eine absolute Neuerung in Polen. Neben vielf\u00e4ltigem Lob zog er als &#8222;Erster polnischer Dodekaphoniker&#8220; auch regelm\u00e4\u00dfig Spott auf sich. Als Jude wurden Koffler bereits in den 1930er-Jahren Anfeindungen zu Teil, die sich nach dem \u00dcberfall auf Polen drastisch versch\u00e4rften und schlie\u00dflich auch seinen Tod in einer \u00f6ffentlichen Massenexekution zur Folge haben sollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sehr Koffler die Musik der Zweiten Wiener Schule inhaliert hatte, machte sie doch nur einen Teil seines Stil aus. Charakterisiert wird dieser haupts\u00e4chlich durch eine durchgehende und ausgekl\u00fcgelte Kontrapunktik, durch dissonant angereicherte und bis an die Grenzen der Verst\u00e4ndlichkeit gef\u00fchrte Harmonien, polnisches und ukrainisches Kolorit und durch ausgewogene thematische Arbeit, die zu festen und strikt eingehaltenen Formkonstrukten f\u00fchrte, welche aber nicht rein akademisch erdacht, sondern innerlich ersp\u00fcrt klingen. In den Kurzformen wagte sich Koffler auch an neuartige Strukturen, im symphonisch ausgedehnten Format hingegen hielt er sich an bew\u00e4hrte Formen wie dem Rondo oder einer bogenartigen Struktur. Kofflers Musik wirkt teils befremdlich und eigenwillig, gelegentlich gar sperrig, und besitzt doch immer wieder geradezu Ohrwurmcharakter. Diese Werke lassen den H\u00f6rer nicht so schnell wieder los und klingen noch lange nach.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Polish Sinfonia Iuventus Orchestra unter Christoph Slowinski hebt die Kontrapunktik deutlich und verst\u00e4ndlich hervor und l\u00e4sst, wenngleich teils gehetzt wirkend, viel von der musikalischen Struktur durchscheinen, geht gef\u00fchlvoll auf die Thematik ein und all dies mit eine ad\u00e4quaten Dichte von Klang und Ausdruck. Mit virtuoser Sicherheit und Glanz fesselt Daniel Wnukowski als Solist im Klavierkonzert, sichtlich Spa\u00df hat er vor allem im dritten Satz, der freudig leicht und doch mit unterschwelligem Ernst erklingt. Wohl artikuliert, mit wuchtiger Kraft begleitet Slowinski die opernhaft schmetternde Frederika Brillembourg in den Liedern op. 1 und 27. Lyrisch durchzogen und von zarter Sehnsucht erf\u00fcllt bet\u00f6ren die Ukrainischen Skizzen in der musikalisch ausgewogenen Darbietung des Polish String Quartet Berlin. Ausgezeichnet auch der vorbildlich informierende Booklettext.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Dezember 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>EDA, 042; EAN: 8 40387 10042 5 Eine Hommage an den polnisch-ukrainischen Komponisten J\u00f3zef Koffler bringt das Label EDA heraus, das f\u00fcr die Reihe &#8222;Poland Abroad&#8220; bereits Kammermusik Kofflers aufnahm. 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