{"id":2085,"date":"2018-01-03T15:07:41","date_gmt":"2018-01-03T14:07:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2085"},"modified":"2018-01-03T23:58:41","modified_gmt":"2018-01-03T22:58:41","slug":"klebstoff-der-denunziation-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/01\/03\/klebstoff-der-denunziation-2\/","title":{"rendered":"Klebstoff der Denunziation"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\u201aGottfried von Einem. Komponist der Stunde null\u2019 von Joachim Reiber<br \/>\nVerlag Kremayr &amp; Scheriau, Wien; ISBN: 97832180010870<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Leskov0009.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2080\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2080\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Leskov0009-300x234.jpg\" alt=\"Leskov0009\" width=\"300\" height=\"234\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Leskov0009-300x234.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Leskov0009-768x599.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Leskov0009-1024x799.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Leskov0009.jpg 1836w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 24. Januar 2018 wird der 100. Geburtstag von Gottfried von Einem (1918-96) begangen. Einem war \u00d6sterreicher, geboren in Bern, aufgewachsen nahe Pl\u00f6n in Schleswig-Holstein, ausgebildet in Berlin und nach dem Kriege Mitglied der Direktion der Salzburger Festspiele, und wirkte nach seinem politisch motivierten Rauswurf aufgrund des Eintretens f\u00fcr den \u201aKommunisten\u2019 Bertolt Brecht bis zu seinem Lebensende in Wien, dem Waldviertel und Nieder\u00f6sterreich, aber auch ein Leben lang auf Reisen. Es passt zu seinem illustren Lebenslauf, dass sein erster Mentor Heinz Tietjen, Generalintendant der Preu\u00dfischen Staatstheater, im marokkanischen Tanger, und sein entscheidender Lehrer in Berlin, der gro\u00dfe Komponist Boris Blacher, im chinesischen Newchwang (heute Yingkou) geboren wurde. Dem Meister Blacher verdankte Einem gewisserma\u00dfen alles, er gab ihm Halt sowohl hinsichtlich der kompositorischen Technik als auch der Einstellung zu politischen Fragen. Sp\u00e4ter studierte Einem auch noch kurz Kontrapunkt bei Johann Nepomuk David, was Blacher mit bedingtem Enthusiasmus zur Kenntnis nahm. Blacher sagte \u00fcber Einem, der bei seiner offiziellen Bewerbung f\u00fcrs Kompositionsstudium in Berlin von Heinz Tiessen als fast schon hoffnungslos erscheinender Fall abgelehnt wurde, sinngem\u00e4\u00df, er habe als blutiger Anf\u00e4nger eigentlich schon alles besessen, was seine k\u00fcnstlerische Pers\u00f6nlichkeit ausmachte. Die Privatstunden in den Jahren 1941-43 begannen immer mit der rituellen Einnahme eines \u201aLeichenschnapses\u2019 (also in Ermangelung besserer Alternativen verd\u00fcnnter reiner Alkohol aus der heutigen Charit\u00e9) und dem Abh\u00f6ren der verbotenen Auslands-Rundfunksender. Blacher ist \u2013 wie \u00fcbrigens auch Tiessen, der andere gro\u00dfe Berliner Mentor \u2013 legend\u00e4r daf\u00fcr, dass er jeden jungen Komponisten maximal darin f\u00f6rderte, seinen ureigenen Ausdruck zu finden, was sich ja auch an der so unterschiedlichen Pr\u00e4gung seiner Sch\u00fcler ablesen l\u00e4sst, zu welchen neben Einem u. a. Heimo Erbse, Isang Yun, Fritz Gei\u00dfler, George Crumb, Claude Ballif, G\u00fcnter Kochan, Giselher Klebe, Francis Burt, Noam Sheriff, Rudolf Kelterborn, Kalevi Aho, Peter Ronnefeld, Aribert Reimann oder Klaus Huber z\u00e4hlten. Auch Einem unterrichtete sp\u00e4ter an der Wiener Musikhochschule, auch er brachte bemerkenswerte Sch\u00fcler hervor \u2013 HK Gruber ist der prominenteste unter ihnen \u2013 und zeichnete sich in seinem Unterricht durch ausgesprochene Freiz\u00fcgigkeit aus, sofern die Studenten bereit waren, seine praktischen Ratschl\u00e4ge zu befolgen, zu welchen vor allem das aufmerksame Verfolgen von Proben geh\u00f6rte. Er zog sich sehr pl\u00f6tzlich vom Hochschulbetrieb zur\u00fcck, als ihm infolge eines absurden Pr\u00fcfungstribunals das ganze Ausma\u00df des akademischen Schwachsinns klar wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gottfried von Einem geh\u00f6rte, obwohl noch ganz jung, aufgrund seiner famili\u00e4ren Situation zu den privilegierteren K\u00fcnstlern des Dritten Reichs. Seine Mutter bewegte sich virtuos auf dem Parkett von Hochfinanz und Politik und machte gro\u00dfe Gewinne in risikoreichen Gesch\u00e4ften, \u00fcber die sie nichts durchblicken lie\u00df. Als sie dann aber von der Gestapo verhaftet wurde, erfuhr Gottfried im Verh\u00f6r von dem Beamten, dass der Vater, dem er sich so fremd f\u00fchlte, gar nicht sein Vater war. Er war der Spross des ungarischen Grafen L\u00e1szl\u00f3 Hunyady, den er zwei Mal in seinem Leben gesehen hatte. Dieser wurde auf einer gemeinsamen Reise mit der Mutter in \u00c4gypten w\u00e4hrend einer Gro\u00dfwildjagd von einem L\u00f6wen get\u00f6tet, und Jahrzehnte sp\u00e4ter fand Gottfried bei Aufr\u00e4umarbeiten in Ramsau eine alte, blutige, zerrissene Hose \u2013 mutma\u00dflich das letzte Kleidungsst\u00fcck seines leiblichen Vaters, dessen Geschlecht im Magen des L\u00f6wen gelandet war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Blacher also fand Einem 1941 seinen wahren Lehrer f\u00fcr die Musik und f\u00fcrs Leben (Blacher verfasste dann auch die Libretti f\u00fcr Einems Opern \u201aDantons Tod\u2019 nach B\u00fcchner, \u201aDer Prozess\u2019 nach Kafka, \u201aDer Zerrissene\u2019 nach Nestroy und \u201aKabale und Liebe\u2019 nach Schiller, teils in Kollaboration und durchweg in genial verknappender Weise, wobei Blacher stets betonte, er habe \u201enur gek\u00fcrzt\u201c). Durch ihn d\u00fcrfte Einem mit dem Dirigenten Leo Borchard in Kontakt gekommen sein, einem messerscharfen Gegner des Nationalsozialismus, der in Deutschland kaum noch dirigieren durfte, jedoch im M\u00e4rz 1943 mit den Berliner Philharmonikern die erste Einem-Urauff\u00fchrung, das Capriccio f\u00fcr Orchester, herausbrachte und dem 23j\u00e4hrigen einen Sensationserfolg bescherte (Borchard wurde dann nach dem Kriege zum Stellvertreter des gesperrten Furtw\u00e4ngler ernannt, jedoch bald darauf von einem amerikanischen Soldaten bei einer Kontrolle ermordet). So kn\u00fcpfte Einem, zeitlebens ein brillanter Kommunikator und Netzwerker, seine Bande in die Widerstandsbewegung in Berlin, und unter hohem pers\u00f6nlichen Risiko verschaffte er dem j\u00fcdischen Musiker Konrad Latte falsche Papiere und rettete so sein Leben, was man ihm posthum in Yad Vashem mit der Ernennung zum \u201aGerechten der V\u00f6lker\u2019 vergalt. Nun wissen wir aber auch, dass, wer in einem totalit\u00e4ren System etwas bewirken will, daf\u00fcr auf gute Kontakte, also auf ein gewisses Ma\u00df an Einfluss und Macht angewiesen ist. Die reine, wei\u00dfe Weste ist eine Illusion, und hier kann man die neu erschienene Biographie wohl nur als entweder naiv oder hinterh\u00e4ltig kritisieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer Joachim Reibers neue Einem-Biographie \u201aKomponist der Stunde null\u2019 liest, sollte vorher zumindest die \u201aEinem-Chronik\u2019 von Friedrich Saathen und die Autobiographie des Komponisten \u201aIch hab\u2019 unendlich viel erlebt\u2019 gelesen haben, um nicht allen B\u00e4ren auf den Leim zu gehen, die ihm aufgebunden werden. Und Reibers Buch ist undenkbar ohne Thomas Eickhoffs besser recherchiertes Kompendium \u201aPolitische Dimensionen einer Komponisten-Biographie im 20. Jahrhundert \u2013 Gottfried von Einem\u2019, wobei wir eben auch gerade hier bereits die gro\u00dfe kollektive Charakterschw\u00e4che der heutigen \u201aForschung\u2019 feststellen m\u00fcssen: Eickhoff wurde nach einem Symposion unterstellt, er sei ein Apologet von Einems, und nichts f\u00fcrchten die vielen Feiglinge des wissenschaftlichen wie journalistischen Milieus mehr als den Vorwurf, sie seien wom\u00f6glich nicht objektiv, sie seien von Sympathie korrumpiert. Also muss der Gegenstand der Verehrung wenigstens angepinkelt werden! So hat es Eickhoff dann auch in besch\u00e4mender Weise gemacht, indem er die Vorw\u00fcrfe der von Einem kritisierten \u201aAvantgardisten\u2019 als \u00e4sthetische Selbstverst\u00e4ndlichkeit \u00fcbernahm und damit in selbstverleugnender Art Zuflucht beim Zeitgeist suchte, also in der sch\u00fctzenden Masse der Mehrheitsmeinung der Musikintellektuellen der 1960er bis 80er Jahre. Man traue nur den Ohren nicht und vertraue auf das, was zwischen ihnen nicht vorhanden ist!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Joachim Reiber treibt dieses feige Spiel noch viel weiter. Nat\u00fcrlich hat Einem auch viel laviert, wenn es um Politisches ging, er hat aber stets klar und couragiert Position bezogen, wenn er schreiende Ungerechtigkeit erkannte, und daf\u00fcr sehenden Auges schwere Nachteile, R\u00fcckschl\u00e4ge und \u00c4chtung in Kauf genommen. Wie h\u00e4tte man im Dritten Reich in relativ hervorgehobener Stellung offen opponieren k\u00f6nnen? Hinter den Kulissen konnte man desto mehr bewirken, je mehr Vertrauensvorschuss man sich erworben hatte. Und in einem sind sich alle einig: Einem hat sich nie als Denunziant bet\u00e4tigt, hat keinen ans Messer geliefert, sondern ist immer f\u00fcr seine \u00dcberzeugungen eingestanden, die aber nicht in blindem Fanatismus ein f\u00fcr allemal feststehen mussten. Er war eine zutiefst menschliche, wandelbare, auch kaprizi\u00f6se und sehr feurige Pers\u00f6nlichkeit, und er war ausgesprochen mutig und gewandt. Es ist wohl auch einfach Neid im Spiel, wenn man nur mal kurz auf die eigenen \u201aMeriten\u2019 schaut, und dann wieder auf ihn\u2026 Reiber, der nunmehr fast ein Vierteljahrhundert im Wiener Establishment-Sumpf mitmischt, betreibt nun eben \u00f6ffentlich Hobbypsychologie. Er pr\u00e4tendiert, als wisse er \u00fcber Einem besser Bescheid als dieser selbst und seine lebenslangen Freunde. Und er hat dar\u00fcber hinaus musikalisch so gar keine Ahnung, ist nicht ansatzweise imstande, den qualitativen Unterschied zwischen Furtw\u00e4ngler und Karajan nachzuvollziehen, auch die scharfe Trennlinie zwischen dem, was einen ausgezeichneten Dirigenten und oberfl\u00e4chlichen Musiker in Personalunion (also Karajan) ausmacht. Und da er so gar nichts von Musik versteht, schreibt Reiber auch nur \u00fcber das Leben, die \u201aPsychologie\u2019 (mit triumphierender Holzhammerlogik) und die Opern und Kantaten, denn da gibt es ja Gottseidank den Text, an dem man sich entlang hangeln kann. Das Instrumentalwerk, das alleine Einem als Komponisten unsterblich macht, wird so grundlegend ignoriert, dass man den Eindruck haben k\u00f6nnte, er habe hier fast nichts geschrieben (man denke nur an den Reichtum vielf\u00e4ltigster Orchesterwerke inkl. 4 Symphonien oder an die 5 Streichquartette, die in subtilster Meisterschaft die gro\u00dfe Tradition weiterentwickeln). Na ja, man sollte eben, wenn man eine Musiker-Biographie schreibt, ein Minimum an musikalischem Interesse und fachlicher Bildung aufweisen. Wenigstens das, wenn schon keine Intuition vorhanden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Reiber hat, wie ja immer wieder mal v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von Fragen der charakterlichen und fachlichen Qualifikation der eine oder andere Autor, ganz grunds\u00e4tzlich davon profitiert, dass ihm ein riesiger Schatz an Quellen (im Einem-Archiv im Wiener Musikverein) zug\u00e4nglich gemacht wurde, und er hat geflissentlich darauf gesehen, auch noch die beil\u00e4ufigste fl\u00fcchtigste Notiz gegen den Verd\u00e4chtigen, den er allm\u00e4hlich wie einen Angeklagten aussehen l\u00e4sst, zu verwenden. Dass dies, wenn schon, kein fairer Indizienprozess ist, kann man unschwer erkennen, indem das Negative plakativ herausgestrichen und das Positive meist abgewertet oder unterschlagen wird. Das heuchlerische Moralin des Biographen stinkt nach Sensationsgosse, und letztlich gelingt es ihm damit nur, einen schlechten Geschmack \u00fcber das ganze Leben seines l\u00e4ngst verstorbenen Opfers auszubreiten, ohne dass ihm irgendein triftiger Nachweis gel\u00e4nge, der die posthume Dem\u00fctigungsaktion rechtfertigte. Ein kleiner Mensch, zu feige, es mit den Lebenden aufzunehmen (an die Witwe Lotte Ingrisch, die Textdichterin der geistlichen Oper \u201aJesu Hochzeit\u2019, traut er sich nicht heran\u2026), aber immerhin noch \u201amutig\u2019 genug f\u00fcr Leichensch\u00e4ndung. Dies ist ein grauenhaft schlechtes Buch, das der Verlag mutma\u00dflich unbesehen aufgrund der kulturell privilegierten Stellung des T\u00e4ters herausgebracht hat. Man muss sich auch fragen, wie es passieren konnte, dass vom Komponisten ausgerechnet ein Photo aufs Cover gelangte, das ihm mittels eines kr\u00e4ftigen Schlagschattens auf den ersten Blick die verd\u00e4chtige Anmutung eines Hitler-B\u00e4rtchens unterstellt (oder sollen wir hier an Charlie Chaplin denken\u2026?). Und damit man sich m\u00f6glichst schwer mit der \u00dcberpr\u00fcfung der Fakten tut, sind weder die Fu\u00dfnoten unten auf den Seiten zu finden noch gibt es ein Schlagwortverzeichnis. Nat\u00fcrlich auch kein Werkverzeichnis, aber daf\u00fcr jede Menge selbstverliebte Amateururteile \u00fcber das Leben, die Gesinnung, die verdr\u00e4ngten Motive, die \u00e4sthetische Haltung, das musikalische K\u00f6nnen, den nirgendwo ansatzweise beschriebenen Personalstil eines der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Denn das ist Gottfried von Einem, und das w\u00e4re er auch ganz ohne seine Opern, und um dies zu erkennen, bed\u00fcrfte es unvoreingenommener Wahrnehmung, ehrlicher Beschreibung des Beobachteten und eines gewissen Mindestma\u00dfes an Wachheit, Anstand, Empathie und Menschlichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">All das findet sich bei Gottfried von Einem, und nichts davon bei Joachim Reiber. Und so ger\u00e4t eine schillernde Dame, die schon in den kafkaesken F\u00e4ngen opponierender politischen Interessen fast aufgerieben worden w\u00e4re (das gegen sie in Frankreich in Abwesenheit erlassene Todesurteil wurde nach dem Kriege, nach langer Haft, in einen Freispruch umgewandelt), posthum in die M\u00fchlen der pseudophilosophisch dilettantischen Demontage-Kampagne des profilierungsbesessenen Deuters: Gerta Louise von Einem, die Mutter des Komponisten, der viele Menschen verdankten, dem Zugriff der Nazi-Schergen entkommen zu sein, wird \u2013 als Erscheinung mit primitivem Moralismus nicht fassbar \u2013 der Nachwelt als eine willk\u00fcrlich b\u00f6se Frau pr\u00e4sentiert. Als w\u00e4re Herr Reiber dabei gewesen. Dabei hat er nur, bar jeglicher Selbstreflektion, im Nachlass \u2013 oder dem, was davon \u00fcbrig geblieben ist \u2013 herumgew\u00fchlt und aus den Puzzlest\u00fccken seine willk\u00fcrlich schlussfolgernde Version zusammengestellt. Die \u00f6ffentlich-rechtliche Tagespresse, die so gern den selbsternannten Experten, die sie anscheinend von der Notwendigkeit der unvoreingenommenen \u00dcberpr\u00fcfung der Faktenlage im Licht der Geschichte freistellen, glaubt, \u00fcbernimmt dann meist in ihrer oberfl\u00e4chlichen Schnelllebigkeit nur zu gerne vorschnell solche Urteile, wie bereits bedauerlicherweise geschehen in der Buchbesprechung im Deutschlandfunk. Von Hinterfragung, von Achtung vor einem Menschenleben, das wie jedes gewiss au\u00dfer Licht auch Schatten beinhaltete, keine Spur. Der Leser wird zur geistigen Komplizenschaft eingeladen. Wenn er nicht hellwach ist, bleibt der Klebstoff der Denunziation haften. Vielleicht ist in Wahrheit diese Art der raffiniert eloquenten Anschw\u00e4rzung ja, \u00fcber das offenbar tiefsitzende Ressentiment von Herrn Reibers Frauenfeindlichkeit hinaus, ein Ausdruck dessen, was wir als \u201adas B\u00f6se\u2019 zu benennen versuchen. Im Gewand des \u201aGuten\u2019, wie so oft. Und m\u00f6glicherweise wei\u00df der T\u00e4ter gar nicht, was er tut. Vor den Folgen bewahrt uns solche Unschuldsvermutung nicht. Man m\u00f6chte weinen vor Besch\u00e4mung.<\/p>\n<p><strong>[Annabelle Leskov, Dezember 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201aGottfried von Einem. Komponist der Stunde null\u2019 von Joachim Reiber Verlag Kremayr &amp; Scheriau, Wien; ISBN: 97832180010870 Am 24. Januar 2018 wird der 100. Geburtstag von Gottfried von Einem (1918-96) begangen. 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