{"id":2115,"date":"2018-01-19T18:40:14","date_gmt":"2018-01-19T17:40:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2115"},"modified":"2018-01-19T18:40:20","modified_gmt":"2018-01-19T17:40:20","slug":"das-19-jahrhundert-auf-der-bratsche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/01\/19\/das-19-jahrhundert-auf-der-bratsche\/","title":{"rendered":"Das 19. Jahrhundert auf der Bratsche"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Naxos, 8.573730; EAN: 7 47313 37307 9<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2116\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/0135-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/0135-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/0135-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/0135.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eRomantic Viola Sonatas\u201c f\u00fchrt uns ein in das vielf\u00e4ltige Repertoire f\u00fcr Bratsche in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts. Hiyoli Togawa und Lilit Grigoryan spielen die Sonate Op. 16\/1 von George Onslow, urspr\u00fcnglich f\u00fcr Klavier und Violoncello geschrieben, in der Viola-Fassung,sowie als Originalwerke die Sonate c-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy und die Sechs Nocturnes Op. 186 von Johann Wenzel Kalliwoda.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis ins 20. Jahrhundert hinein konnte sich die Bratsche, wie im \u00dcbrigen auch der Kontrabass, nicht als gro\u00dfes Soloinstrument durchsetzen. Neben der Gefahr, dieses vor allem in der Mittellage beheimatete Instrument allzu leicht durch andere Orchesterstimmen zu \u00fcberdecken, ist es auch die abgerundete Weichheit der Bratsche, die f\u00fcr solistische H\u00f6henfl\u00fcge vielen ungeeigneter erschien als die kantigere, leuchtendere Geigenstimme oder das pr\u00e4gnant-sonore Violoncello. Wohl doch ein vorschnelles Fehlurteil, wie die vorliegende CD beweist. Drei grundverschiedene Werke der 1820er- und 1850er-Jahre zeigen, welch gro\u00dfes Spektrum an M\u00f6glichkeiten der Bratsche innewohnt und wie vielseitig sich ihr zarter Klang doch einsetzen l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der franz\u00f6sische Komponist George Onslow, der neben Dusik (Dussek) und Cramer auch Anton Reicha zu seinen Lehrern z\u00e4hlen durfte, entwickelte sich auf den Bahnen Haydns und Beethovens weiter, spezialisierte sich als einer der wenigen Franzosen seiner Epoche auf die Kammermusik und schuf denkw\u00fcrdige Werke, die als Anachronismus im Angesicht des Fortschrittsdenkens des 19. Jahrhunderts nach anf\u00e4nglich gro\u00dfen Erfolgen schnell ins Hintertreffen gerieten. Die drei Sonaten Op. 16 waren urspr\u00fcnglich f\u00fcr Klavier und Violoncello gesetzt, wobei die Reihenfolge ma\u00dfgeblich ist, ist doch das Klavier \u2013 wie auch in etlichen Werken Beethovens und noch mehr Johann Nepomuk Hummels \u2013 zumindest gleichberechtigt, wenn nicht gar \u00fcberwiegend f\u00fchrend, eingesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Felix Mendelssohn Bartholdys Violasonate ist wie zahlreiche seiner \u201eJugendwerke\u201c nahezu vergessen. Er komponierte sie 1824 mit gerade einmal 15 Jahren. Dabei ist sie bereits in ausgereiftem und geschliffenem Personalstil geschrieben und begeistert mit ihrer Inspiration, Anmut, Tiefe und Reife. Ebenso wie f\u00fcr seine Streichersymphonien und die fr\u00fchen Instrumentalkonzerte ist ihre allgemeine Bekanntheit im Konzertsaal \u00fcberf\u00e4llig. \u00dcberragend gestaltet ist vor allem der finale Variationssatz, ganz im Zeichen Mozarts (vgl. z.B. dessen A-Dur-Sonate f\u00fcr Klavier), der das Thema subtil und mitverfolgbar entwickelt und dem Klavier \u00fcber weite Strecken solistisch den Vortritt l\u00e4sst. Mitrei\u00dfend sind aber auch der brodelnd kompakte Kopfsatz mit kurzer, aber darum nicht minder intensiver Einleitung, und das Menuetto, ein Scherzocharakter von gro\u00dfem rhythmischen Reiz und treibender Energie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie auch bei Onslow d\u00f6rrte der zun\u00e4chst bl\u00fchende Erfolg Johann Wenzel Kalliwodas in der progressiveren Umgebung der 2. H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts allm\u00e4hlich aus, lediglich einige leichte, salontaugliche Werke aus seinem \u00fcber 250 Werke umfassenden Oeuvre blieben im Repertoire. Als \u00fcberragender Violinist international gefragt, blieb Kalliwoda seinem Schirmherren und F\u00fcrsten Karl Egon II. in Donaueschingen treu und lie\u00df die Stadt musikalisch aufbl\u00fchen, veranlasste unter anderem die beiden Schumanns und Liszt zu l\u00e4ngeren Besuchen. Die sechs Nocturnes sind mit durchschnittlich vier Minuten recht kurze, wunderbar ausbalancierte und feingliedrige Werke voll hinrei\u00dfender Melodien auf einfachsten Formmustern und bezeugen, welche Meisterschaft aus Tonleiter- und Dreiklangsfiguren auch nach Beethoven gewonnen werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einf\u00fchlsames Sp\u00fcren macht die Darbietung von Hiyoli Togawa und Lilit Grigoryan vor allem aus. Die Musikerinnen lassen sich auf die grundverschiedenen Welten ein und erlauschen aufmerksam die spezifischen Gegebenheiten. Formal halten sie selbst das lange Mendelssohn-Finale trotz kleiner Temposchwankungen ordentlich zusammen, lassen den Zuh\u00f6rer die kadenzierenden Kr\u00e4fte mitempfinden und bezaubern mit feiner Abstimmung ihrer Instrumente. Hiyoli Togawa bringt ihre Bratsche f\u00f6rmlich zum Leuchten und entlockt ihr zarte, dr\u00e4ngende und aufbrausende T\u00f6ne in deren grundeigener Charakteristik. Lilit Grigoryan fliegt geschmeidig \u00fcber die Tasten, bleibt glasklar in der Tongebung und h\u00e4lt sich vor allem in der Mittellage zur\u00fcck, so dass Frau Togawa sich voll entfalten kann. Rundum ergiebig ist auch der ausgesprochen kenntnisreiche und effizient komprimierte Booklettext.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Januar 2017]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos, 8.573730; EAN: 7 47313 37307 9 \u201eRomantic Viola Sonatas\u201c f\u00fchrt uns ein in das vielf\u00e4ltige Repertoire f\u00fcr Bratsche in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts. Hiyoli Togawa und Lilit Grigoryan spielen die Sonate Op. 16\/1 von George Onslow, urspr\u00fcnglich f\u00fcr Klavier und Violoncello geschrieben, in der Viola-Fassung,sowie als Originalwerke die Sonate c-Moll von Felix &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/01\/19\/das-19-jahrhundert-auf-der-bratsche\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Das 19. 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