{"id":2120,"date":"2018-01-21T18:47:08","date_gmt":"2018-01-21T17:47:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2120"},"modified":"2018-01-21T18:47:18","modified_gmt":"2018-01-21T17:47:18","slug":"plaedoyer-fuer-czerny","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/01\/21\/plaedoyer-fuer-czerny\/","title":{"rendered":"Pl\u00e4doyer f\u00fcr Czerny"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Carl Czerny: Klavierkonzert Nr. 1 in d-Moll (Weltersteinspielung); Introduzione e Rondo Brillant in Es-Dur, Op. 233; Einleitung, Variation und Rondo \u00fcber Webers J\u00e4gerchor aus der Oper Euryanthe, Op. 60<\/p>\n<p>English Chamber Orchestra \u2013 Richard Bonynge; Klavier: Rosemary Tuck<\/p>\n<p>Label: Naxos; Katalog-Nr.: 8.573688 \/ EAN: 747313368877<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Grete0036.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2122\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2122\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Grete0036-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Grete0036-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Grete0036-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Grete0036.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Beethoven-\/Clementi-\/Hummel-\/Salieri-Sch\u00fcler und Liszt-\/Thalberg-Lehrer Carl Czerny ist seit Generationen der Schrecken vieler Klaviersch\u00fcler. Seine \u201eSchule der Gel\u00e4ufigkeit\u201c und seine \u201eKunst der Fingerfertigkeit\u201c haben schon so manchen in die Verzweiflung, respektive die Sehnenscheidenentz\u00fcndung getrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dass Czerny aber ein vielf\u00e4ltigerer Komponist war, als viele angenommen hatten, bewiesen in den letzten Jahren mehrere Einspielungen von Labels wie Nimbus, Christophorus, h\u00e4nssler\/SWR und Naxos, die sich allesamt um ein ausgewogenes Bild des Komponisten Czerny verdient gemacht haben. Vor allem die Aufnahmen der Werke f\u00fcr Klavier und Orchester, die in loser Folge bei Naxos erscheinen, sind durch die Bank ganz ausgezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das English Chamber entfaltet unter der Leitung des Pultveteranen Richard Bonynge Potenziale, die jenen der gro\u00dfen Wiener Orchester in nichts nachstehen. Mit Rosemary Tuck hat man dar\u00fcber hinaus eine wirklich bemerkenswerte Solistin gefunden, die Czernys in F\u00fclle vorhandenen spieltechnischen H\u00fcrden offenbar v\u00f6llig m\u00fchelos bew\u00e4ltigt und dazu noch einen individuellen Ton und eine Kantabilit\u00e4t an den Tag legt, dass es die helle Freude ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die neueste Einspielung aus der Reihe bringt mit dem gro\u00dfen d-Moll-Klavierkonzert ein mehr als 40-min\u00fctiges Hauptwerk aus Czernys Feder zum ersten Mal auf Tontr\u00e4ger zu Geh\u00f6r. Es ist ein beeindruckendes St\u00fcck, geschrieben von dem damals erst zwanzigj\u00e4hrigen Komponisten, dem man hier eindeutig seine Ausbildung bei Maestro Beethoven anh\u00f6rt. Das ganze St\u00fcck hat Feuer und Energie, sprudelt \u00fcber vor Virtuosit\u00e4t und Lebensfreude. Es gibt manche Anleihen an das 1809 komponierte gro\u00dfe f\u00fcnfte Klavierkonzert Beethovens, bei dem Czerny in der Urauff\u00fchrung den Solopart gespielt hatte. Gleichzeitig bezieht der junge Czerny die neuesten Moden seiner Zeit mit ein, manches klingt ein bisschen nach Rossini, auch Carl Maria von Weber k\u00f6nnte einflussreich gewesen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das St\u00fcck mit seinem sage und schreibe 25-min\u00fctigen Kopfsatz, einem kurzen, nur viermin\u00fctigen Adagio und einem rasant-t\u00e4nzerischen \u201eKehraus\u201c im Allegro molto vivace ist einfach rundum herrlich! Ich halte es f\u00fcr eines der besten Klavierkonzerte, das zu Lebzeiten Beethovens neben dessen eigenem Werk geschrieben wurde, und diese Einspielung ist einfach sensationell gut \u2013 was auch f\u00fcr den ganz ausgezeichneten, ideal r\u00e4umlichen Aufnahmeklang gilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die beiden anderen Werke dieses Albums \u201eIntroduzione e Rondo Brillant in Es-Dur\u201c sowie \u201eEinleitung, Variation und Rondo \u00fcber Webers J\u00e4gerchor aus der Oper Euryanthe\u201c sind ebenfalls interessant, wenngleich ihnen ein gewisser \u201eSchaust\u00fcck\u201c-Charakter nicht abzusprechen ist. Czerny war eben auch Klaviervirtuose und Solok\u00fcnstler, der sich selbst effektvolles Repertoire zu komponieren verstand. Alles in allem ist dieses fast 80-min\u00fctige Album ein beredtes Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Musik Carl Czernys, dessen Hauptwerke viel mehr Beachtung verdient h\u00e4tten. So exzellente Darbietungen wie diese sind hoffentlich ein Weg zur Bef\u00f6rderung von Czernys Ruf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Vergleich zum anderen ber\u00fchmten Beethoven-Sch\u00fcler Ferdinand Ries, dessen Qualit\u00e4ten im Gegensatz zu jenen Czernys oft auff\u00e4llig gelobt werden, halte ich bei n\u00e4herer Betrachtung Czerny f\u00fcr den eigentlich interessanteren Komponisten. Je mehr Musik von Czerny ans Tageslicht kommt, desto besser wird der Eindruck. Bei Ries, so erscheint es mir, m\u00fcsste es genau umgekehrt sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Grete Catus, Januar 2018]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Carl Czerny: Klavierkonzert Nr. 1 in d-Moll (Weltersteinspielung); Introduzione e Rondo Brillant in Es-Dur, Op. 233; Einleitung, Variation und Rondo \u00fcber Webers J\u00e4gerchor aus der Oper Euryanthe, Op. 60 English Chamber Orchestra \u2013 Richard Bonynge; Klavier: Rosemary Tuck Label: Naxos; Katalog-Nr.: 8.573688 \/ EAN: 747313368877 Der Beethoven-\/Clementi-\/Hummel-\/Salieri-Sch\u00fcler und Liszt-\/Thalberg-Lehrer Carl Czerny ist seit Generationen der &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/01\/21\/plaedoyer-fuer-czerny\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Pl\u00e4doyer f\u00fcr Czerny<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[2361,2362,200,2363,2364],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2120"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2120"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2120\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2124,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2120\/revisions\/2124"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}