{"id":214,"date":"2015-11-05T12:54:04","date_gmt":"2015-11-05T11:54:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=214"},"modified":"2015-11-05T12:54:26","modified_gmt":"2015-11-05T11:54:26","slug":"die-aethiopische-renaissance","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/11\/05\/die-aethiopische-renaissance\/","title":{"rendered":"Die \u00e4thiopische Renaissance"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">XVIII \u2013 21 Le Baroque Nomade &#8211; Melothesia \u00c6thiopica<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">harmonia mundi EVCD O14; EAN: 3 149028 078626<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ulrich4.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-215\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ulrich4-298x300.jpg\" alt=\"Ulrich4\" width=\"298\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ulrich4-298x300.jpg 298w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ulrich4-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ulrich4.jpg 592w\" sizes=\"(max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Jean Christophe Frisch, Leitung<br \/>\nCyrille Gerstenhaber, Gizachew Goshu, Stimmen<br \/>\nEmmanuelle Guigues, Pascal Cl\u00e9ment, Thibault Roussel,<br \/>\nMathieu Dupouy, Endres Hassen, Misale Legesse, Zenash Tsegaye, Melaku Belay<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Crossover-Programme sind en vogue. Ob schon fr\u00fch bei Tony Scott mit \u201eMusic for Zen Meditation\u201c oder letztens das AsianArt Ensemble mit \u201eRituals\u201c, nun also \u00c4thiopien und Renaissance, eine k\u00fchne Kombination, oder? Im Booklet erf\u00e4hrt man \u00fcber die christlich-jesuitische Vergangenheit, f\u00fcr die vor allem Portugal und seine Musikkultur im 17. Jahrhundert zust\u00e4ndig war.<br \/>\nSoweit der Background dieser CD. Obwohl\u00a0 ja Abessinien auch eine Zeit lang italienische Kolonie war und der R\u00fcckgriff auf die italienische Renaissance-Musik auch von daher sich anbot, hinterl\u00e4sst diese Produktion, so gut und engagiert sie sicherlich gemeint war und ist, einen eher zwiesp\u00e4ltigen Eindruck. Zu \u00fcberlegen ist die Energie, die von den \u201eindigenen\u201c Musikern, T\u00e4nzern und S\u00e4ngern aus \u00c4thiopien auf den H\u00f6rer einstr\u00f6mt \u2013 oft so \u00fcberzeugend, dass sich dazu t\u00e4nzerisch zu bewegen beinahe zwingend notwendig wird \u2013 besonders bei St\u00fcck Nr. 5, wo der Groove einfach unwiderstehlich r\u00fcberkommt. Wenn dann die franz\u00f6sischen Musiker ihren Beitrag anstimmen, instrumental durchaus verhaltener und teilweise stimmig auf den entsprechenden Instrumenten wie Gambe, Laute oder Fl\u00f6te, dann ist der Unterschied fast zu eindrucksvoll.<br \/>\nBesonders, wenn Cyrille Gerstenhaber ihre durchaus kunstvolle Stimme einsetzt, aber eben \u201eKunst\u201c macht, dann wird die Kluft zwischen Kunstmusik und lebendiger Darbietung der Musiker \u00c4thiopiens einfach zu gro\u00df. Der Beifall am Ende der St\u00fccke ist eben auch dementsprechend mau und kurz.<br \/>\nNat\u00fcrlich ist es spannend, zwei so verschiedene Kulturen einander begegnen zu lassen und gegen\u00fcber zu stellen, aber auch oder gerade wenn es ein Mitschnitt eines Live-Auftritts ist, wird eben \u00fcberdeutlich, wo die Grenzen solch einer Crossover-Veranstaltung liegen. Und Renaissance-Musik muss nicht brav und akademisch daherkommen, auch nicht als mit wohl aus(ver)bildeter Stimme sich fast opernm\u00e4\u00dfig ins Trommelfell bohrender Gegensatz. In ihren besten Momenten hat sie durchaus Groove und w\u00e4re da ein echtes Pendant zur origin\u00e4ren, lebendigen Musik-Kultur eines christlich-afrikanischen Landes, das auf weiter zur\u00fcckreichende Wurzeln zur\u00fcckblicken kann als es Europ\u00e4ern oft bewusst wird. Insofern hat diese CD \u2013 wie viele Einw\u00e4nde auch dagegen sprechen \u2013 eine wichtige Aufgabe zu erf\u00fcllen. Ich w\u00fcnschte mir dazu eine europ\u00e4ische S\u00e4ngerin, die aus nicht weniger unverbildeten Kraftquellen sch\u00f6pfte wie ihre abessinischen Kolleginnen und Kollegen. Und solche Stimmen gibt es sowohl in Frankreich als auch in Italien durchaus, siehe Anna Magnani in \u201eRiso amaro\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Ulrich Hermann, November 2015]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>XVIII \u2013 21 Le Baroque Nomade &#8211; Melothesia \u00c6thiopica harmonia mundi EVCD O14; EAN: 3 149028 078626 Jean Christophe Frisch, Leitung Cyrille Gerstenhaber, Gizachew Goshu, Stimmen Emmanuelle Guigues, Pascal Cl\u00e9ment, Thibault Roussel, Mathieu Dupouy, Endres Hassen, Misale Legesse, Zenash Tsegaye, Melaku Belay Crossover-Programme sind en vogue. 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