{"id":2140,"date":"2018-02-01T12:15:36","date_gmt":"2018-02-01T11:15:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2140"},"modified":"2018-02-06T17:10:11","modified_gmt":"2018-02-06T16:10:11","slug":"bach-vorlaeufer-und-nachfolger","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/02\/01\/bach-vorlaeufer-und-nachfolger\/","title":{"rendered":"[Rezensionen im Vergleich] Bach, Vorl\u00e4ufer und Nachfolger"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">HUGO SCHULER, Piano: Johann Jakob Froberger (1616-1667), Johann Sebastian Bach (1685-1750), Reinhard Schwarz-Schilling (1904-1985), Heinrich Kaminski (1886-1946)<\/p>\n<p>Aldila Records ARCD 007; EAN: 9 003643 980075<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2141\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/hugoschuler-300x200.jpg\" alt=\"hugoschuler\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/hugoschuler-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/hugoschuler-768x511.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/hugoschuler-1024x681.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/hugoschuler.jpg 1598w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachfolger und Vorl\u00e4ufer von Johann Sebastian Bach neben dem eigentlichen Hauptwerk, den Goldberg-Variationen, sind auf dieser Doppel-CD versammelt. Nat\u00fcrlich hatte Bach Vorl\u00e4ufer, einer davon, der gro\u00dfe Klavierkomponist Johann Jakob Froberger (1616-67), ist mit seiner Toccata in G FbWV 103 vertreten, ein famoser Einstieg in die Welt der Polyphonie, die ihren Reiz und ihre Potenz ja bis heute unvermindert bewahrt hat. Dann kommt Bach selbst zum ersten Mal zu Wort mit dem Pr\u00e4ludium und der Fuge in b-moll BWV 867 aus dem Wohltemperierten Klavier I. Sofort wird der Tonfall der Musik vertrauter, wie bei den anderen Bach\u2019schen Kompositionen auf der ersten CD auch. Denn an dritter Stelle stehen zwei Kompositionen des \u201eNachfolgers\u201c Reinhard Schwarz-Schilling (1904-85), der wie selbstverst\u00e4ndlich und un\u00fcberh\u00f6rbar an den alten Meister ankn\u00fcpft. Sein Preludio cantando e fuga und seine \u201aStudie \u00fcber B-A-C-H\u2019 von 1985 \u2013 eines seiner letzten und zugleich tiefsten Werke &#8211;\u00a0 verbinden die Bach\u2019sche Polyphonie mit der Klangsprache des 20. Jahrhunderts, wie die St\u00fccke von Schwarz-Schillings Lehrmeister Heinrich Kamiski (1886-1946) ebenso. Beide sind Gro\u00dfmeister sich weit entfaltender Polyphonie im 20. Jahrhundert, und hier mit insgesamt drei Ersteinspielungen vertreten. Nat\u00fcrlich ist der tonale Raum inzwischen bis fast ins \u201e\u00dcbertonale\u201c ausgeweitet, die strengen Formen der auch aus der Renaissance- und Barockzeit entlehnten T\u00e4nze und Strukturen zusammen mit der intensivsten Polyphonie geben den St\u00fccken die selbe bezwingende Klanglichkeit wie in den Kompositionen des alten Meisters. Allerdings geh\u00f6rt nat\u00fcrlich dazu: die F\u00e4higkeit und die M\u00f6glichkeit, \u00fcber die Hugo Schuler auf dem Fazioli-Fl\u00fcgel verf\u00fcgt, all diese Musik fast wie bei einer Erstauff\u00fchrung erlebbar zu machen.\u00a0 Sein sehr erhellender Kommentar im ausf\u00fchrlichen Booklet \u00fcber Struktur und Werden dieser Doppel-CD ist bemerkenswert. Dass ein Pianist so genau \u00fcber diese Musik und den Zugang dazu Auskunft gibt, ist selten und nicht das kleinste Verdienst dieser Neuerscheinung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den \u201eGoldberg-Variationen\u201c, die eben nicht auf einem \u201enormalen\u201c Steinway oder B\u00f6sendorfer, sondern auf einem daf\u00fcr sicher besonders gut geeigneten Fazioli-Fl\u00fcgel erklingen, m\u00f6chte ich nur sagen: So innig, so ungeheuer musikalisch, so souver\u00e4n habe ich diesen \u201eGold-Zyklus\u201c noch nie auf CD geh\u00f6rt, nein, ohnehin nicht von Martin Stadtfeld auf seiner damals so hochgepriesenen Sony-CD, nein, auch nicht von Glenn Gould, dessen Einspielung sicher auf ihre Art Referenz-Charakter hat und behalten wird, aber so, wie Hugo Schuler diesen Kosmos sich entfalten l\u00e4sst, mit welcher Ruhe und inneren Gelassenheit sich Thema und Variationen entfalten, wie sowohl Melodik als auch Klang und Struktur h\u00f6r- und erlebbar werden, das ist einfach nur staunenswert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei seinem Deb\u00fctkonzert vor einigen Jahren in Deutschland, das ich erleben durfte, fiel mir damals schon auf, wie unpr\u00e4tenti\u00f6s und hingebungsvoll, ohne irgendwelche falsche All\u00fcre dieser junge argentinische Pianist diese 80 Minuten in einem riesengro\u00dfen Bogen nicht nur bew\u00e4ltigte, sondern in aller Klarheit und Emphase gestaltete. Auch auf dieser CD ist davon soviel eingefangen, wie vielleicht \u00fcberhaut m\u00f6glich ist, und nat\u00fcrlich freue ich mich schon heute auf Hugo Schulers n\u00e4chstes Konzert, wo ich diesen wunderbaren Musiker wieder einmal live und leibhaftig h\u00f6ren und erleben darf.<\/p>\n<p><strong>Ulrich Hermann, Januar 2018<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Folgende Termine:<br \/>\n03. Februar 2018: Freies Musikzentrum M\u00fcnchen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>HUGO SCHULER, Piano: Johann Jakob Froberger (1616-1667), Johann Sebastian Bach (1685-1750), Reinhard Schwarz-Schilling (1904-1985), Heinrich Kaminski (1886-1946) Aldila Records ARCD 007; EAN: 9 003643 980075 Nachfolger und Vorl\u00e4ufer von Johann Sebastian Bach neben dem eigentlichen Hauptwerk, den Goldberg-Variationen, sind auf dieser Doppel-CD versammelt. 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