{"id":2163,"date":"2018-02-11T17:18:17","date_gmt":"2018-02-11T16:18:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2163"},"modified":"2018-02-11T17:18:17","modified_gmt":"2018-02-11T16:18:17","slug":"musik-pur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/02\/11\/musik-pur\/","title":{"rendered":"Musik pur"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Bohuslav Martin\u016f (1890-1959): Complete Works for Cello and Orchestra<br \/>\nPetr Nouzovsk\u00fd, Cello; Pilsen Philharmonic; Tomas Brauner, Dirigent<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Musikproduktion Dabringhaus &amp; Grimm, MDG 601 2041-2 (2 CDs); EAN: 7 60623 20412 3<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Ulrich0073.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2164\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2164\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Ulrich0073-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Ulrich0073-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Ulrich0073-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Ulrich0073.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wer, wie Bohuslav Martin\u016f , die ersten Jahre nach seiner Geburt in luftiger H\u00f6he in einer T\u00fcrmerwohnung verbracht hat, dem ist wohl ein ganz besonderes Weltbild \u2013 auch akustisch \u2013 zu eigen geworden. Das ist sicher auch ein herausragendes Merkmal seiner Kompositionen, von denen s\u00e4mtliche f\u00fcr Cello und Orchester auf dieser Doppel-CD versammelt sind. Was beim ersten Anh\u00f6ren sofort auff\u00e4llt, ist der ungeheure melodische und rhythmische Reichtum dieser Musik. Bisher war mir Martin\u016f zwar dem Namen nach wohlbekannt, seine Musik aber nur am Rande. Was sich ab sofort \u00e4ndern wird und bereits ge\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das erste Cellokonzert hat er im Sommer 1930 noch in seiner Geburtsstadt Policka begonnen, es wurde vollendet in Paris und 1931 von Gaspar Cassad\u00f3 in Berlin uraufgef\u00fchrt. Allerdings arbeitete es Martin\u016f bis zur endg\u00fcltigen Fassung noch mehrmals um. Es wirkt in der letzten und hier vorliegenden Fassung vollkommen abgerundet, was sicher auch von der Zusammenarbeit mit Pierre Fournier profitierte. Der Tonalit\u00e4t verpflichtet, nimmt es trotzdem viele zeitgem\u00e4\u00dfe Anregungen auf, enth\u00e4lt eine gro\u00dfe Anzahl verschiedenster Elemente, ruhig bis vital, kein Wunder, dass es bald Eingang in das Repertoire der Cellisten gefunden hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Martin\u016f musste, wie so viele K\u00fcnstler, emigrieren, hatte allerdings in Amerika von Anfang an Erfolg und konnte von seiner Musik und seiner Lehrt\u00e4tigkeit gut leben. In allen Lagen und allen tonlichen Dimensionen ist das Cello eingebettet im Orchester, kann aber immer seine Klanglichkeit m\u00fchelos behaupten, in allen drei S\u00e4tzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im zweiten St\u00fcck, der Sonata da camera von 1940, komponiert unter schwierigen Bedingungen beim Warten auf das Ausreisevisum, f\u00fchrt das Soloinstrument zusammen mit dem kleinen Orchester-Ensemble alles nur Erdenkliche an rhythmischen, elegischen und melodischen Finessen vor, was dem St\u00fcck eine \u00fcberzeugende Wirkung verleiht. Es ist eine \u00e4u\u00dferst reizvolle Komposition, die dem Cellisten Henri Honegger gewidmet ist, einem G\u00f6nner in diesen schwierigen Zeiten. Martin\u016fs Klangsprache ist seltsam vertraut, fast m\u00f6chte ich das seltene Wort \u201esch\u00f6n\u201c gebrauchen, sie nimmt mich sofort gefangen und ist voller Wohlklang, gesanglich melodisch und \u00fcberraschend instrumentiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die zweite CD wartet auf mit einem zweiten Cello-Konzert, das Martin\u016f nach seiner Emigration 1944 in New York komponierte. Er selbst sagte, man k\u00f6nne es fast eine \u201ePastorale\u201c nennen. Und so kommt es auch daher, \u00e4u\u00dferst melodisch, ein wenig an die Pastroral-Musik seines Landsmannes Ryba erinnernd in seiner Melodien-Seligkeit. Dem Instrument wie auf den Leib geschrieben, schwelgt besonders der zweite Satz f\u00f6rmlich in Wohlklang und Liedthemen. Auch hier finden sich wieder allerdings sehr rhythmisch bewegte Abschnitte, es ist wieder einmal alles aufgeboten, was die Musik dieses Komponisten h\u00f6renswert macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das fr\u00fcheste St\u00fcck l\u00e4sst den Einfluss der Jazz-Musik und des Aufbruchs seiner Jugendjahre deutlich h\u00f6ren und sp\u00fcren, es ist durchaus wild und jazzig an vielen Stellen, aber immer vital und anregend, Martin\u016fs erste konzertante Komposition, und entstand 1924 in Paris.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">An die 30 Solokonzerte hat Martin\u016f f\u00fcr die verschiedensten Instrumente komponiert. Diese Doppel-CD ist ein gro\u00dfartiger Beitrag und ein gelungener Beweis, wie \u201esch\u00f6n\u201c moderne Musik sich anh\u00f6ren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Noch dazu, wenn es von solchen K\u00f6nnern wie dem Cellisten \u00a0Petr Nouzovsky und der Pilsener Philharmonie unter Tomas Brauner zum Klingen gebracht wird. Dem Label Dabringhaus und Grimm ist da eine vorz\u00fcgliche Produktion gelungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[ULRICH HERMANN, Januar 2018]<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bohuslav Martin\u016f (1890-1959): Complete Works for Cello and Orchestra Petr Nouzovsk\u00fd, Cello; Pilsen Philharmonic; Tomas Brauner, Dirigent Musikproduktion Dabringhaus &amp; Grimm, MDG 601 2041-2 (2 CDs); EAN: 7 60623 20412 3 \u00a0 Wer, wie Bohuslav Martin\u016f , die ersten Jahre nach seiner Geburt in luftiger H\u00f6he in einer T\u00fcrmerwohnung verbracht hat, dem ist wohl ein &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/02\/11\/musik-pur\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Musik pur<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[172,747,2382,2379,2381,2380],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2163"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2163"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2163\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2165,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2163\/revisions\/2165"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2163"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2163"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2163"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}