{"id":2187,"date":"2018-02-17T17:14:01","date_gmt":"2018-02-17T16:14:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2187"},"modified":"2018-02-17T17:14:19","modified_gmt":"2018-02-17T16:14:19","slug":"dieses-licht-leuchtet-aber-blendet-nicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/02\/17\/dieses-licht-leuchtet-aber-blendet-nicht\/","title":{"rendered":"Dieses Licht leuchtet, aber blendet nicht!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Stefan0001.jpeg\" rel=\"attachment wp-att-2188\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2188\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Stefan0001-300x260.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Stefan0001-300x260.jpeg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Stefan0001-768x665.jpeg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Stefan0001.jpeg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Hauchzarte, sph\u00e4rische Flagoletts in h\u00f6chster Tonh\u00f6he stehen am Anfang von \u201eDistant Light\u201c, jenem 1997 von P\u0113teris Vasks geschaffenen St\u00fcck f\u00fcr Solovioline und Orchester. Auch wenn sein Sch\u00f6pfer, der 1946 in Lettland geborene Komponist es als Solokonzert bezeichnet &#8211; ist es nicht doch eher ein Rezitativ? Oder eine Meditation? Als Bekenntnis zur Humanit\u00e4t will es sein Sch\u00f6pfer allemal verstanden wissen &#8211; ebenso wie das im Jahr 2006 uraufgef\u00fchrte, ebenfalls eins\u00e4tzige St\u00fcck \u201eVox amoris\u201c. Der junge schweizerische Geiger Sebastian Bohren geht in einer neuen Aufnahme der spirituell-meditativen Botschaft dieser St\u00fccke auf den Grund &#8211; und konnte sich dabei auf das Georgische Kammerorchester Ingolstadt sowie auf die Chaarts Chamber Artists bestens verlassen!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eVox Amoris\u201c und \u201eDistant Light\u201c treffen einen Nerv \u2013 und sind daher seit ihrer Entstehung bei Publikum und Interpreten viel gefragt. Im Vergleich mit anderen, bereits vorhandenen und &#8211; nicht weniger gehaltvollen &#8211; Deutungen gelingt es Sebastian Bohren, hier\u00a0 weitere, bereichernde Perspektive aufzuzeigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wo manche das Melos in romantisierender Klanglichkeit verdichten und andere den tragischen Gestus durch betont dunkle F\u00e4rbungen und eine gewisse \u201edr\u00e4ngende\u201c Tongebung auf der Violine hervorheben, da l\u00e4sst Sebastian Bohrens Spiel deutlich mehr Luft zum Atmen, was den expansiven Linien in diesen St\u00fccken extrem zugute kommt. Weit \u00f6ffnen sich hier Klanglandschaften, in denen sich Expression und Emphase ganz wie von selbst entwickeln. Vasks Tonsprache \u00fcbt sich ohnehin in einer klugen \u00d6konomie, was die Melodik oft eing\u00e4ngig und durchaus auch mal etwas cineastisch wirken l\u00e4sst. Wer hier feinf\u00fchlig hineinh\u00f6rt, kann sehr viel unmittelbaren, oft zart ber\u00fchrenden Ausdruck hervorbringen. Diesem Ideal kommt Sebastian Bohrens Spiel auf der Violine bestens nahe. Er macht nie zu viel Druck auf den Seiten. Der Ton funkelt und strahlt in allen Registern. Klug ist der Einsatz von oft sehr reduziertem, dann wieder ruhig pulsierendem und vor allem nie nerv\u00f6s wirkendem Vibrato. Und genau dieser Sinn f\u00fcr sensibles Ma\u00df geht im besten Sinne auf die beiden Orchester \u00fcber.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eDistant Light\u201c ist das extrovertierte, dramatischere St\u00fccke von beiden. Auf die elegische Einleitung folgt ein rhythmisch bewegter Mittelteil, der dramatische Eruptionen bis hin zu clusterhaften Verdichtungen freisetzt. In den kolossalen Solokadenzen lebt eine klare, aufger\u00e4umte Rhetorik, dass es nie zur circensischen Demonstration von Virtuosit\u00e4t ausartet.\u00a0 Am Ende steigt die Melodie wieder in den Himmel hinauf &#8211; durch \u00e4hnliche Flagoletts ganz hoch oben wie am Anfang. Das Licht, was hier leuchtet, blendet nie!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eVox Amoris\u201c ist eine Hymne des lettischen Komponisten auf die Liebe. Es folgt einer \u00e4hnlichen Dramaturgie, aber mit weniger stark auftrumpfender Geste. W\u00e4rmende Emotionalit\u00e4t\u00a0\u00a0\u00a0 ist hier alles. Hier wird Bohren Spiel eins mit den Chaarts Chamber Artists, mit denen er schon seit Jahren produktiv zusammenarbeitet &#8211; und die in der vorliegenden Aufnahme mit entsprechend intuitiven Gesp\u00fcr auf jede noch so feine Regung der Volovioline reagieren! Zu \u201eVox Amoris\u201c hat Sebastian Bohren \u00fcbrigens eine besondere Beziehung, da er sich schon zu Beginn seiner\u00a0 Karriere intensiv mit diesem Werk auseinander gesetzt hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Und da aller guten Dinge drei sind, wurde dieser Aufnahme noch eine sinnvolle Erg\u00e4nzung hinzugef\u00fcgt &#8211;\u00a0 n\u00e4mlich das in einer fast seelenverwandten Ausdruckswelt daherkommende St\u00fcck \u201eChiaroscuro\u201c von Gya Kancheli.\u00a0 Hier wird der H\u00f6rer wieder in eine st\u00e4rker expandierende Dramatik hinein gezogen. Auch hier erhebt sich Bohrens selbstbewusstes Spiel wie ein Monolog, der sich und niemandem mehr zu beweisen braucht. Die Steigerung mitten im St\u00fcck ist die wuchtigste, heftigste von allen dreien, erzeugt durch ein perkussives Gewitter der Schlaginstrumente und eine tempor\u00e4ren Sprengung jeder Tonalit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Fazit: Sebastian Bohren und das Georgische Kammerorchester Ingolstadt sowie die Chaarts Chamber Artists demonstrieren anhand der unkonventionellen Musik von Peteris Vasks und Gya Kancheli einen hellsichtigen Weg, um \u00fcber jede formalisierte Solokonzert-Konvention hinaus zu wachsen. Das wird noch dadurch unterstrichen, dass hier bewusst auf einen Dirigenten verzichtet wurde. So wird das Orchester zur konzentrischen Umgebung f\u00fcr einen jungen Ausnahme-Solisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Steigerung w\u00e4re jetzt noch, diese Konstellation in einer Surround-Aufnahme noch plastischer erfahrbar zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Stefan Pieper, Januar 2018]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hauchzarte, sph\u00e4rische Flagoletts in h\u00f6chster Tonh\u00f6he stehen am Anfang von \u201eDistant Light\u201c, jenem 1997 von P\u0113teris Vasks geschaffenen St\u00fcck f\u00fcr Solovioline und Orchester. Auch wenn sein Sch\u00f6pfer, der 1946 in Lettland geborene Komponist es als Solokonzert bezeichnet &#8211; ist es nicht doch eher ein Rezitativ? Oder eine Meditation? 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