{"id":2215,"date":"2018-03-02T11:58:22","date_gmt":"2018-03-02T10:58:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2215"},"modified":"2018-03-04T12:02:24","modified_gmt":"2018-03-04T11:02:24","slug":"wie-dr-clockwork-orange-die-fuge-liebte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/03\/02\/wie-dr-clockwork-orange-die-fuge-liebte\/","title":{"rendered":"Wie Dr. Clockwork Orange die Fuge liebte"},"content":{"rendered":"<p>Anthony Burgess (1917-1993): The Bad-Tempered Electronic Keyboard: 24 Preludes and Fugues (Stephane Ginsburgh: Klavier)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u00a0<a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Ulrich0074.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2216\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2216\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Ulrich0074-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Ulrich0074-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Ulrich0074-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/Ulrich0074.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Grand Piano, GP 773: EAN 7 47313 97732 1<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie bitte? Anthony Burgess? Das ist doch der von \u201cClockwork Orange\u201d, diesem\u00a0 \u201astrangen\u2019 Film aus den fr\u00fchen 80ern, oder? Was hat denn der mit Musik zu tun, doch, obwohl, in dem Film spielte Musik \u2013 vor allem von Beethoven \u2013 eine gro\u00dfe Rolle, aber Burgess als Komponist?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Doch, doch, bevor der sich n\u00e4mlich der Literatur zuwandte und diesen Erfolg mit seiner Schreiben und der daraus resultierenden Filmadaption durch Stanley Kubrick verbuchen konnte, war er Musiker und vor allem auch Komponist. Das Booklet (nur auf englisch und franz\u00f6sisch) gibt umfassend Auskunft \u00fcber Werdegang und Weg des Anthony Burgess. Und dass es einen Pianisten und Komponisten reizt, sich auf die Spuren von Johann Sebastian Bach zu begeben und einen andAlternativzyklus zum \u201aWohltemperierten Klavier\u2019 zu kreieren, teilt er mit vielen anderen Komponisten, wie z.B. Dimitri Shostakowitsch, Hans Gal \u2013 oder sogar Mario Castelnuovo\u2013Tedesco mit \u201aThe well-tempered Guitar\u2019! Immer wieder hat diese Aufgabe Komponisten gereizt, und so eben auch Anthony Burgess. Auch wenn die Literatur die Hauptfrucht seines sehr spannenden und interessanten Lebens war, das ihn von Manchester \u2013 seiner Geburtsstadt \u2013 bis nach Brunei und wieder zur\u00fcck nach Europa f\u00fchrte, und seine letzte Lebensjahre verbrachte er in Monaco: er h\u00f6rte doch nie auf zu komponieren, unter anderem drei Symphonien, Konzerte, Kammermusik und Lieder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der 1986 entstandene Zyklus unter dem ironischen Namen \u201eThe Bad-Tempered Electronic Keyboard\u201c zeigt schon Burgess\u2019 nichtakademische Herangehensweise an diese Aufgabe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das erste, was mir beim Anh\u00f6ren auffiel, ist die quasi improvisatorische Musizierlust, die allen St\u00fccken eignet. Als h\u00e4tte der Komponist sie zu allererst einmal f\u00fcr sich selber geschrieben, zu seiner eigenen Vergn\u00fcgung und Freude, ohne das so \u00fcbliche Schielen nach Auff\u00fchrung und Ruhm, also \u00e4hnlich wie Charles Ives, der ja sein Geld auch nicht mit seiner Musik verdiente, sondern als Mitinhaber einer gro\u00dfen Versicherung. So konnte er schreiben, was er wirklich wollte ohne R\u00fccksicht auf den Musikbetrieb. Bei Burgess war nach der Ablehnung eines Musikstudiums der Lebensunterhalt und damit auch der \u201eRuhm\u201c durch seine Literatur und seine p\u00e4dagogische T\u00e4tigkeit mehr als gesichert. Er sagte sogar einmal, am liebsten h\u00e4tte er sein \u201aClockwork Orange\u2019, das ihn unsterblich machen sollte, nie geschrieben, denn darauf w\u00fcrde er meistens reduziert. Auch bei den St\u00fccken aus diesem Zyklus\u00a0 &#8211; mit gro\u00dfem Enthusiasmus gespielt und lebendig gemacht vom belgischen Pianisten Stephane Ginsburgh &#8211;\u00a0 ist die Freude am Komponieren durch alle 24 Dur und Moll-Tonarten deutlich zu sp\u00fcren. Welches der St\u00fccke besonders gut gef\u00e4llt, ist eine so subjektive Frage, dass ich selber\u00a0 keine Aussage machen kann und m\u00f6chte, allerdings ist die Fuge \u00fcber das Weihnachtslied \u201eGood King Wenceslas\u201c, ein besonders wunderbares Meisterst\u00fcck, das den ganzen gro\u00dfartigen Bogen des gar-nicht-\u2019bad-tempered keyboard\u2019 grandios abschlie\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nat\u00fcrlich sind die St\u00fccke tonal und bewegen sich gekonnt und \u00fcberzeugend im Rahmen des Tonartenkreises, man erwarte also keine Morton Feldman\u2019schen oder Cage\u2019schen Experimente, sondern eher das, was sich sicher mancher Klavierspieler selber schon vorgenommen hat: In allen 24 Dur und Moll-Tonarten einfach mach \u00e0 la JSB selber loszuspielen und zu erleben, was dabei rauskommen kann und will.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Ulrich Hermann, Februar 2018]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anthony Burgess (1917-1993): The Bad-Tempered Electronic Keyboard: 24 Preludes and Fugues (Stephane Ginsburgh: Klavier) \u00a0 Grand Piano, GP 773: EAN 7 47313 97732 1 \u00a0 Wie bitte? 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