{"id":2231,"date":"2018-03-18T18:15:23","date_gmt":"2018-03-18T17:15:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2231"},"modified":"2018-03-15T17:28:54","modified_gmt":"2018-03-15T16:28:54","slug":"es-ist-schoen-dass-man-nie-aufhoert-etwas-neues-zu-erlernen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/03\/18\/es-ist-schoen-dass-man-nie-aufhoert-etwas-neues-zu-erlernen\/","title":{"rendered":"\u201eEs ist sch\u00f6n, dass man nie aufh\u00f6rt, etwas neues zu erlernen!\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zala Kravos kann das Wort Wunderkind nicht wirklich verstehen. Eigentlich sei doch jedes Kind ein Wunder, das \u00fcber riesige Anlagen verf\u00fcgt. Und sie selbst ist dankbar, dass sie Menschen hat, die ihre eigenen Gaben auf denkbar beste Weise entdeckt und gef\u00f6rdert haben. So sehr, dass die geb\u00fcrtige Slowenin bereits im zarten Alter von 15 Jahren ein gewichtiges CD-Debut vorliegt. Nicht nur mit Brahms, Liszt und Chopin, sondern auch mit Neuer Musik.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Interview f\u00fchrte Stefan Pieper<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ich bin sehr \u00fcberrascht, mit welcher Reife Sie diese vielschichtigen, anspruchsvollen Werke musizieren! Ich bin neugierig auf die Vorgeschichte dazu! \u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das alles ist nat\u00fcrlich eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr mich. Aber das einzige St\u00fcck, das ich jetzt neu erarbeitet habe, ist die Ballade von Franz Liszt. Die anderen St\u00fccke begleiten mich schon viele Jahre lang. Mit der Brahms-Ballade habe ich im Alter von 11 Jahren begonnen,<br \/>\nChopin habe ich sogar schon mit 10 gestartet, ich habe sie also schon im ganz jungen Alter gespielt. Die Ballade Nr. 2 von Franz Listz ist noch sehr neu. Ich denken, man kann einen Unterschied h\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ich muss zugeben, dass dieser Unterschied nicht sofort ins Ohr springt. Warum haben Sie gerade diese Werke ausgew\u00e4hlt? Balladen wollen ja immer eine Geschichte erz\u00e4hlen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Werkauswahl kommt meinem k\u00fcnstlerischen Anliegen sehr nah. Als Musiker sollte man eine Geschichte zu erz\u00e4hlen haben, das ist doch das wichtigste. Es geht darum, etwas zu sagen zu haben, dass jemand versteht. Ich bin gl\u00fccklich,wenn das Publikum h\u00f6rt, dass ich etwas zu sagen habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Balladen von Brahms und Liszt sind ja von literarischen, also au\u00dfermusikalischen Quellen\u00a0 beeinflusst. Haben Sie die Texte, die allem zugrunde liegen, gelesen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das habe ich mit gro\u00dfer Begeisterung getan. Vor allem Gottfried Herders Ballade \u201eEdvard\u201c hat mich sehr fasziniert. Ich versuche in meinem Spiel, die Musik und die Aussage der Texte zu verbinden.\u00a0 Liszt war sehr stark von Dante inspiriert. Solche Hintergr\u00fcnde sind sehr wichtig f\u00fcr mich. Ich versetze mich gerne in die Psychologie des Komponisten hinein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ich gehe mal davon aus, dass Ihnen das Lesen viel bedeutet.\u00a0 Haben Sie genug Zeit daf\u00fcr neben dem \u00dcben?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist gut, dass ich mir meine Zeit selber einteilen kann. Ich kann f\u00fcr mich entscheiden, wann der beste Zeitpunkt zum \u00dcben ist und kann tun, was ich will. Ich versuche bewusst, die Zeit-Killer zu vermeiden und achte drauf, nicht zu viel Zeit am Telefon oder vor Bildschirmger\u00e4ten zu vergeuden. Dadurch habe ich Zeit zum Lesen, was ich auch regelm\u00e4\u00dfig in verschiedenen Sprachen tue, auf franz\u00f6sisch, slowenisch, englisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sprachen sind also eine weitere Leidenschaft von Ihnen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, Sprachen sind f\u00fcr mich wie Musik. Wenn man zweisprachig aufgewachsen ist, kommt so was ganz von selbst. Mein Vater ist Slowene, meine Mutter Chinesin . Die Sprachen, die sie sprechen, k\u00f6nnen nicht unterschiedlicher sein. Ich m\u00f6chte am liebsten alle Sprachen lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie sieht es eigentlich mit der Schule aus?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich besuche keine allgemeine Schule mehr. Ich lerne \u00fcber ein franz\u00f6sisches Home-Schooling -Programm, wo ich online lernen und auch die Pr\u00fcfungen absolvieren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sind Ihre Eltern auch Musiker? Diese Vermutung liegt ja nahe bei dieser extrem fr\u00fchen Begeisterung, diesem Engagement und dieser hervorragenden F\u00f6rderung?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe v\u00f6llig ohne Druck und mit gro\u00dfer spielerischer Leichtigkeit in die Musik hinein gefunden. Meine Eltern sind keine Musiker. Meine Mutter kommt aus der Naturwissenschaft, aber mein Vater war fr\u00fcher ein begeisterter Liebhaber-Musiker, der vor allem Gitarre spielte. Er verbreitete dabei eine Begeisterung, die auf mich \u00fcber gegangen ist. Aber er hat mir nie von sich aus gesagt, ich soll ein Instrument spielen. Ich muss ein oder zwei Jahre alt gewesen sein, als ich zum ersten Mal ein Konzert erlebte. Ich war f\u00fcnf, als mein Vater mich fragte, ob ich ein Instrument spielen m\u00f6chte. Ich habe dann das Klavier gew\u00e4hlt. Alles war so einfach. Allerdings konnte ich mich ganz zu Anfang nicht zwischen Klavier und Harfe entscheiden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was ist f\u00fcr Sie der wichtigste Aspekt beim Musikmachen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Klavierspielen sehe ich nicht absolut. Es ist vielmehr ein Teil eines gro\u00dfen Ganzen. Ich m\u00f6chte immer auch die Geschichte und den Hintergrund von den Dingen, die ich tue, erfahren. Vor allem ist es mir wichtig, m\u00f6glichst viel mit Menschen zu kommunizieren. Das Leben bietet doch so eine gro\u00dfe Vielfalt. Es ist sch\u00f6n, dass man nie aufh\u00f6rt, neues zu erfahren und zu lernen. Das macht das Leben doch erst interessant. Und es ist wichtig, ein Leben f\u00fcr sich zu haben und nicht nur immer zu arbeiten und zu \u00fcben. Nur dadurch kann man sich einen offenen Geist erhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie gehen Sie mit den st\u00e4ndigen Titulierungen als \u201eWunderkind\u201c um?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin doch nicht wirklich etwas besonderes. Ich treffe mich gerne mit Freunden und f\u00fchre ein ganz normales soziales Leben. Wer nur \u00fcbt und nichts anderes tut, engt sich ein und kann sich nicht weiter entwickeln. Gerade als Musikerin ist es ungemein wichtig, kommunikativ aufgeschlossen zu sein. Ich denke, jeder Mensch ist ein Wunder f\u00fcr sich!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sie stellen dem balladesken romantischen Bogen von Brahms, Liszt und Chopin das St\u00fcck \u201eCrystal Dream\u201c von Albena Petrovich-Vratchanska gegen\u00fcber. Was bedeutet Ihnen diese Komponistin? Ich rate mal, dass Sie sich auch schon pers\u00f6nlich begegnet sind in Luxemburg?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Albena ist eine sehr wichtige Person f\u00fcr mich. Sie zeigte mir so viel Neues auf, was zeitgen\u00f6ssische Musik ist und sie half mir, meine Karriere zu entwickeln. Sie ist eine gute Freundin, die mir so viel gab. Ich bin ihr sehr dankbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Also ist Crystal Dream exklusiv f\u00fcr Sie geschrieben worden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir kennen uns nun schon seit zehn Jahren, also seit meiner fr\u00fchen Kindheit. Sie hat mich so oft spielen geh\u00f6rt und sie erkannte meine Leidenschaft f\u00fcr Musik, was sie wiederum sehr f\u00fcr ihr eigenes Komponieren inspirierte. Deswegen hat Albena das St\u00fcck Crystal Dream auch exklusiv f\u00fcr mich geschrieben. Sie wollte mir damit etwas aufzeigen. N\u00e4mlich, dass Musik eben viel mehr ist als nur der eng definierte Begriff in der klassischen oder romantischen Musik. Sie wollte mir neue Wege auf den eigenen Weg mitgeben. \u00dcberhaupt gibt es in der zeitgen\u00f6ssischen Musik so unendlich viel zu entdecken \u2013 sowohl f\u00fcr den H\u00f6rer, als auch f\u00fcr den Spieler! Aber viele Menschen haben erst mal Angst der Musiker der Gegenwart und denken, dass man hochspezialisiert sein muss, um sie zu verstehen. Als Musikerin bin ich bei einem modernen St\u00fcck wie Crystal Dream herausgefordert, Musikmachen wieder ganz neu zu lernen. Dieses St\u00fccke soll die Kreativit\u00e4t herausfordern. Die Partitur forderte mich dazu auf, meine eigene Halskette auf die Klaviersaiten zu legen, was einen ganz besonderen Klangeffekt produziert.\u00a0 Ich habe so etwas noch nie vorher gemacht. Das war schon eine Art Schl\u00fcsselerlebnis f\u00fcr mich, um mich der Neuen Musik zu \u00f6ffnen. Von da an habe ich mir viele weitere zeitgen\u00f6ssische St\u00fccke erschlossen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ich denke, gerade junge Menschen k\u00f6nnen sie spielen und auch besonders gut h\u00f6ren, weil es hier noch nicht so viele eingefahrene H\u00f6rgewohnheiten gibt.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So sehe ich das auch. In diesem Alter ist noch eine gro\u00dfe Offenheit da. Der Zugang ist viel leichter als sp\u00e4ter. Deswegen ist es mir auch sehr wichtig, in m\u00f6glichst jedem Programm ein St\u00fcck aus der Gegenwart zu interpretieren. Ich m\u00f6chte einfach mithelfen, jene Hemmschwelle abzubauen, die nach wie vor der zeitgen\u00f6ssischen Musik anhaftet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie sind Sie nach Luxemburg gekommen und was gef\u00e4llt Ihnen hier?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Luxemburg ist ein so kleines Land, da kennt jeder jeden. Die Konzentration von Musikern ist sehr hoch und wir helfen uns untereinander. Hinzu kommt die hervorragende \u00f6ffentliche F\u00f6rderung, die junge Musiker hier genie\u00dfen. Ich glaube, das ist in kaum einem anderen Land so.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Haben Sie auch bei Jean Muller studiert?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich studiere bei Jean Muller in Luxemburg, und Jean Muller ist auch als Mensch sehr wichtig f\u00fcr mich mich. Es war seine Idee, jetzt mein erstes CD-Album aufzunehmen. Er hat mich au\u00dferdem eingeladen, ein Solokonzert mit dem Luxemburger Philharomischen Orchester zu spielen. Auch das war eine gro\u00dfartige Erfahrung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was reizt Sie an Ihrem Musikerberuf, in dem Sie ja schon l\u00e4ngst angekommen sind?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was ich ganz besonders liebe, ist das Reisen. Ich bin schon so viel gereist und kann nicht genug davon bekommen. Ich habe in 14 verschiedenen L\u00e4ndern Konzerte gegeben. Profimusiker m\u00fcssen st\u00e4ndig reisen. Es gibt manche Musiker, die das nicht m\u00f6gen, was ich gar nicht verstehen kann. Zu dieser Sorte geh\u00f6re ich um Gl\u00fcck nicht!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was f\u00fcr einen Bezug haben Sie zu Ihrer slowenischen Heimat?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich reise sehr oft dahin, weil viele unserer Familienmitglieder dort leben. Ich gebe dort auch manchmal Konzerte. Ich liebe dieses Land \u2013 vor allem die warme Freundlichkeit der Menschen dort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Es gibt ja diesen etwas mystischen Brauch, dass jede Slowenin und jeder Slowene einmal im Leben den Triglav, Sloweniens h\u00f6chsten Berg bestiegen haben muss.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das stimmt. Der Brauch sagt sogar, dass kein echter Slowene ist, wer nicht auf dem Triglav war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Haben Sie das schon absolviert?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein, bislang habe ich es noch nicht getan, aber ich m\u00f6chte es auf jeden Fall gerne. Man sollte sehr gut durchtrainiert sein. Vielleicht werde ich es mit meiner Familie in den kommenden Sommerferien tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gibt es auch musikalische Berge, die Sie als n\u00e4chstes besteigen wollen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ja, durchaus! Ich m\u00f6chte mir gerne das weite Feld der Kammermusik erschlie\u00dfen, was noch weitgehend Neuland f\u00fcr mich ist. Ich habe bereits im letzten Jahr einige Kammermusik gespielt und werde bald damit auf Tour gehen \u2013 und zwar in Luxemburg, Spanien und Deutschland. Organisiert wird die Tour von der EMCY (European Union of Music Competitions for Youth), ich werde hier mit vielen anderen Musikern aus verschiedenen L\u00e4ndern zusammen spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Stefan Pieper, M\u00e4rz 2018]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zala Kravos kann das Wort Wunderkind nicht wirklich verstehen. Eigentlich sei doch jedes Kind ein Wunder, das \u00fcber riesige Anlagen verf\u00fcgt. Und sie selbst ist dankbar, dass sie Menschen hat, die ihre eigenen Gaben auf denkbar beste Weise entdeckt und gef\u00f6rdert haben. 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