{"id":2234,"date":"2018-03-10T18:26:07","date_gmt":"2018-03-10T17:26:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2234"},"modified":"2018-03-06T18:27:47","modified_gmt":"2018-03-06T17:27:47","slug":"lebenswerke-lebenslinien","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/03\/10\/lebenswerke-lebenslinien\/","title":{"rendered":"Lebenswerke, Lebenslinien"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Rubicon RCD1007; EAN: 5 065002 149060<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2235\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/0142-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/0142-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/0142-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/0142.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Lea und Esther Birringer spielen auf ihrer CD \u201eLifelines\u201c Werke aus unterschiedlichsten Lebensabschnitten dreier Komponisten der Romantik: Die fr\u00fche Violinsonate F-Dur op. 8 von Edvard Grieg, die zwei sp\u00e4ten Elegien Franz Liszts und die gro\u00df angelegte Violinsonate von C\u00e9sar Franck.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Edvard Grieg stand eine vielversprechende Karriere bevor, als er seine Violinsonate F-Dur op. 8 beinahe zeitgleich mit der Klaviersonate e-Moll op. 7 schrieb. Er hatte seine Studien in Leipzig abgeschlossen, lernte bei dem zur damaligen Zeit hochgesch\u00e4tzten D\u00e4nen Niels W. Gade, von welchem er eifrigen Zuspruch f\u00fcr seine Werke erhielt, und wurde von seinem gro\u00dfen Idol, dem Violinisten und Nationalromantiker Ole Bull, gef\u00f6rdert, der in ihm die Idee weckte, in einem \u201eechten nordischen Stil\u201c zu komponieren, was bereits in den beiden fr\u00fchen Sonaten und noch st\u00e4rker im nachfolgenden Op. 13 zum Vorschein kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Antipoden zu diesem Werk sind die beiden sp\u00e4ten Elegien von Franz Liszt, n\u00fcchterne und abgekl\u00e4rte Werke, die nichts von seiner fr\u00fcheren Virtuosit\u00e4t erahnen lassen. Besonders die erste Elegie thematisiert den Tod, ihr Titel lautet \u201eSchlummerlied im Grabe\u201c. Die Z\u00e4rtlichkeit eines Wiegenliedes vereint sich mit trister Isolation und Todn\u00e4he. Es handelt sich um einen t\u00f6nenden Nachruf der Comtesse Marie von Moukhanoff-Kalergis, w\u00e4hrend die zweite Elegie vermutlich durch einen Artikel seiner sp\u00e4teren Biografin Lina Ramann \u00fcber die erste Elegie veranlasst und ihr gewidmet wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Violinsonate von C\u00e9sar Franck ist ein Sp\u00e4twerk, wurde allerdings \u2013 was den Kreis schlie\u00dft \u2013 dem jungen Geiger Eug\u00e8ne Ysa\u00ffe anl\u00e4sslich seiner Hochzeit auf den Leib geschrieben. Der Virtuose behielt das Werk f\u00fcr \u00fcber vierzig Jahre durchgehend in seinem Repertoire und verbreitete den Ruf C\u00e9sar Francks auf internationaler Ebene, was bis heute nachwirkt. Noch immer z\u00e4hlt Francks Violinsonate zu den an h\u00e4ufigsten gespielten Sonaten des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts, ist vor allem aufgrund ihres horrend schwierigen Klavierparts ber\u00fcchtigt \u2013 in der Ausf\u00fchrung leider viel zu oft auf Kosten der musikalischen Struktur, deren Anforderungen die rein mechanisch-technischen noch einmal wesentlich \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu diesen ausschlie\u00dflich auf die makellosen T\u00f6ne fixierten Musikern geh\u00f6ren die Schwestern Lea und Esther Birringer gl\u00fccklicherweise nicht, sie suchen einen pers\u00f6nlichen und menschlichen Zugang zu diesen drei Komponisten. Am gl\u00fccklichsten ist dabei die Begegnung mit der jugendlich gl\u00fchenden Sonate Griegs, deren Lebenslust und -freude vom ersten Ton an deutlich wird. Wie die ersten Sonnenstrahlen des Tages funkelt die Er\u00f6ffnung, der gem\u00e4chliche Aufbau geschieht vollkommen nat\u00fcrlich und ungezwungen. Magisch wirkt auch der Mittelsatz, ein durch und durch norwegisches Cantabile, nicht un\u00e4hnlich dem W\u00e4chterlied aus den Lyrischen St\u00fccken op. 12. Liszt klingt reif und distanziert, doch nicht weniger ausdrucksstark und auch bedr\u00fcckend. Aus Francks Sonate schlie\u00dflich holen die Birringer-Schwestern viel heraus, wenngleich die Dynamik gerade im Piano- und Pianissimobereich noch differenzierter und feinf\u00fchliger verwirklicht sein d\u00fcrfte, um die introvertierten Aspekte deutlicher zum Vorschein zu bringen. Die kurzen thematischen Phrasen sind sehr detailgetreu darzustellen, jedes Mal erscheinen diese in neuem Licht, was nur durch minuti\u00f6s durchdachte Dynamik realisierbar wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Februar 2018]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rubicon RCD1007; EAN: 5 065002 149060 Lea und Esther Birringer spielen auf ihrer CD \u201eLifelines\u201c Werke aus unterschiedlichsten Lebensabschnitten dreier Komponisten der Romantik: Die fr\u00fche Violinsonate F-Dur op. 8 von Edvard Grieg, die zwei sp\u00e4ten Elegien Franz Liszts und die gro\u00df angelegte Violinsonate von C\u00e9sar Franck. 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