{"id":2240,"date":"2018-03-14T18:27:54","date_gmt":"2018-03-14T17:27:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2240"},"modified":"2018-03-06T18:34:04","modified_gmt":"2018-03-06T17:34:04","slug":"farben-und-duefte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/03\/14\/farben-und-duefte\/","title":{"rendered":"Farben und D\u00fcfte"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ondine, ODE 1304-2D; EAN: 0 761195 130421<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2236\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/0143-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/0143-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/0143-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/0143.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Auf zwei CDs spielt Paavali Jumppanen alle 24 Pr\u00e9ludes von Claude Debussy sowie den Zyklus \u201aChildren&#8217;s Corner\u2019. Die Aufnahme erschien bei Ondine.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die 24 Pr\u00e9ludes von Claude Debussy geh\u00f6ren zu den absoluten Meisterwerken jener Stilepoche, die gegen den Willen ihrer Hauptdarsteller Debussy und Ravel als Impressionismus bezeichnet wird. Sie pr\u00e4sentieren den ausgereiften Personalstil des Franzosen in all seiner Perfektion, jeder Klang ist ausgewogen, jede Verzierung am rechten Ort. Zugleich bleibt Debussy Neuerer, \u00fcberschreitet fortw\u00e4hrend Konventionen und widerspricht H\u00f6rerwartungen, ohne dies allerdings dem H\u00f6rer auf die Nase zu binden wie es die sogenannten Expressionisten beinahe zeitgleich taten. Er verlangt dem Pianisten in jedem seiner St\u00fccke Neues ab, alles Gelernte muss neu \u00fcberdacht und erweitert werden, das Altbekannte bleibt nur darum im Hinterkopf, um die Modernismen als solche zu verstehen und umzusetzen. Zur ad\u00e4quaten Bew\u00e4ltigung all dessen braucht der Pianist einen h\u00f6chst verfeinerten Anschlag mit einer zuvor nie dagewesenen Nuancierung des Piano- und Pianissimobereichs. Dann kann ein beinahe multimediales Gesamtkunstwerk aus imagin\u00e4ren Bildern, Farben und D\u00fcften, Poesie und Wortkunst, entstehen, wobei die Namen der St\u00fccke ausdr\u00fccklich nicht als Programm, sondern als literarische Charakterisierung des jeweiligen St\u00fccks im Nachhinein fungieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Children&#8217;s Corner entstand zwei Jahre vor den Pr\u00e9ludes und ist der knapp dreij\u00e4hrigen Tochter Emma-Claude, Chouchou genannt, gewidmet. Die St\u00fccke sind nicht f\u00fcr Kinderh\u00e4nde, sondern (wenngleich keineswegs nur!) f\u00fcr Kinderohren geschrieben, erwecken die Spielecke zum Leben und ber\u00fchren auf schlichte und doch pianistisch anspruchsvolle Weise. Von rauschenden Inspirationen wie dem an Griegs Holberg-Suite erinnernden Doctor Gradus ad Parnassum und dem Tanzenden Schnee reichen die Miniaturen \u00fcber sanfte Kinderlieder bis zu dem jazzig-swingenden Golliwogg&#8217;s Cake Walk (ein seinerzeit dem Ragtime angeh\u00f6riger Tanz, der eben auch in den Pr\u00e9ludes Anwendung fand). Eine zentrale Inspiration f\u00fcr Children\u2019s Corner d\u00fcrfte Mussorgskys Liederzyklus &#8222;\u0414\u0435\u0442\u0441\u043a\u0430\u044f&#8220;, Kinderstube, gewesen sein, \u00fcber den Debussy 1901 enthusiastische Lobeshymnen schrieb und dabei die Schlichtheit der Mittel und die verfeinerte Empfindung hervorhob.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Paavali Jumppanen, der sich durch seine Einspielungen vor allem von Beethoven und Boulez bereits als vielseitig bef\u00e4higter Musiker erwies, tritt nun in die Welt Debussys ein. Sein Gesp\u00fcr f\u00fcr diese Musik ist hinrei\u00dfend, jedem Pr\u00e9lude verleiht der Finne Individualit\u00e4t und Eigenst\u00e4ndigkeit, vereint dabei die Pole von Bodenst\u00e4ndigkeit und bodenlos-schwebendem Eindruck. Zart und einf\u00fchlsam gestaltet er jede dynamische Nuance und erteilt jeglicher H\u00e4rte und Starrheit eine klare Absage. So l\u00e4sst er wahrlich Farben und D\u00fcfte entstehen. Children&#8217;s Corner bleibt genauso schlicht wie farbenpr\u00e4chtig, so, wie Debussy das Werk auch konzipierte. Es handelt sich um eine rundherum gelungene Einspielung dieser gut einhundert Minuten Musik, wo weder etwas besonders hervorzuheben noch etwas zu tadeln w\u00e4re, da schlichtweg alles auf ein und dem selben hohen Niveau erklingt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Februar 2018]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ondine, ODE 1304-2D; EAN: 0 761195 130421 Auf zwei CDs spielt Paavali Jumppanen alle 24 Pr\u00e9ludes von Claude Debussy sowie den Zyklus \u201aChildren&#8217;s Corner\u2019. Die Aufnahme erschien bei Ondine. 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