{"id":2242,"date":"2018-03-22T18:40:36","date_gmt":"2018-03-22T17:40:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2242"},"modified":"2018-03-15T17:29:11","modified_gmt":"2018-03-15T16:29:11","slug":"im-all","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/03\/22\/im-all\/","title":{"rendered":"Im All"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ondine, ODE 1303-2; EAN: 0 761195 130322<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2243\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/0145-300x260.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/0145-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/0145-768x665.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/0145.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Olari Elts dirigiert die Tapiola Sinfonietta in Werken des 1959 geborenen Esten Erkki-Sven T\u00fc\u00fcr. Solist in Illuminatio f\u00fcr Bratsche und Orchester von 2008 ist Lawrence Power, in Whistles and Whispers from Uluru f\u00fcr Blockfl\u00f6ten und Streichorchester von 2007 ist Genevieve Lacey zu h\u00f6ren. Als letztes spielt das Orchester noch T\u00fc\u00fcrs 2010 komponierte Achte Symphonie.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erkki-Sven T\u00fc\u00fcr avancierte in den letzten Jahrzehnten zu einem der bedeutendsten Komponisten Estlands, steht mittlerweile neben Arvo P\u00e4rt als bekannteste Zeitgenosse des baltischen Staats da und genie\u00dft \u00e4hnliche Reputation wie die J\u00e4rvi-Dynastie. Gr\u00fcnde f\u00fcr diese ansteigende Popularit\u00e4t gibt die Musik genug: Sie ist eigenwillig, unorthodox und wiedererkennbar, zugleich verst\u00e4ndlich und auf eine bestimmte Weise eing\u00e4ngig. Innere Geschlossenheit und sinnf\u00e4llige Form geben dem H\u00f6rer Halt, der Komponist bezeichnet seine Vorgehensweise in dieser Hinsicht als &#8222;vektorielles&#8220; Komponieren. Klanglich darf es gerne auch etwas abgedreht, &#8222;spacig&#8220;, sein, ein Gef\u00fchl der Schwerelosigkeit stellt sich immer wieder ein. T\u00fc\u00fcrs Musik bewegt sich im All, hinrei\u00dfende Klangbilder gl\u00fchen auf und verglimmen auf der kontinuierlichen Reise durch farbenpr\u00e4chtige Musiklandschaften, der H\u00f6rer wird in eine fortw\u00e4hrende Faszination hineingezogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Illuminatio<\/em>, &#8222;eine Pilgerreise hin zum ewigen Licht&#8220;, wie T\u00fc\u00fcr es bezeichnet, ist beispielhaft f\u00fcr angesprochene Merkmale dieser Musik, die omnipr\u00e4sente Bratsche bewegt sich durch die galaktische Vielstimmigkeit hindurch und reflektiert das Erlebte, bis sie schlie\u00dflich vom Orchester \u00fcberrannt wird und nur noch in geisterhafter Ferne nachklingt. <em>Whistles and Whispers from Uluru<\/em> verlangt dem Blockfl\u00f6tisten alle nur erdenklichen Techniken ab, wodurch denn auch einmalige Effekte entstehen \u2013 bestechend ist vor allem der pl\u00f6tzliche Didgeridoo-Sound durch paralleles Spielen und Singen. Erweitert wird diese Klanglandschaft durch elektronische Einw\u00fcrfe, die besonders mit Kopfh\u00f6rern oder zu echtem Stereoklang f\u00e4higen Lautsprechern geradezu \u00fcberirdisch erscheinen. Die <em>Achte Symphonie<\/em> wirkt beinahe kammermusikalisch und ist relativ klein besetzt, verdient aber durch Bedeutung und Gehalt ihren w\u00fcrdigen Platz inmitten der bislang neun gez\u00e4hlten Symphonien T\u00fc\u00fcrs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Tapiola Sinfonietta unter Olari Elts bezaubert mit meditativer Ruhe und Empf\u00e4nglichkeit f\u00fcr musikalische Ph\u00e4nomene. Die Musiker selbst sind ergriffen von der Musik, k\u00f6nnen allerdings abstrahieren, sich distanzieren und reflektieren, wodurch eben dieses Gef\u00fchl sich auch auf den H\u00f6rer \u00fcbertr\u00e4gt. Unglaubliches leisten die beiden Solisten: Lawrence Power geht ph\u00e4nomenal auf das Orchester ein und reagiert augenblicklich auf dessen musikalische Impulse, bis es an ihm ist, die F\u00fchrung zu \u00fcbernehmen, von wo an ihm dann das Orchester folgt. Dies, was ein wahrhafter Solist k\u00f6nnen sollte, wird von Power eindrucksvoll demonstriert. Genevieve Lacey l\u00e4sst nichts \u00fcbrig vom Klischee der Schul-Blockfl\u00f6te. In die h\u00f6chsten H\u00f6hen schraubt sie sich auf den kleinsten Vertretern ihres Instruments, spielt zeitweise auch zwei Fl\u00f6ten zeitgleich, nichts ist ihr zu schwierig oder komplex. Dabei beh\u00e4lt sie virtuose Leichtigkeit und inniges Gef\u00fchl, wandelt flexibel zwischen schlichtem Effekt und substanziellem Musizieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, M\u00e4rz 2018]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ondine, ODE 1303-2; EAN: 0 761195 130322 \u00a0 Olari Elts dirigiert die Tapiola Sinfonietta in Werken des 1959 geborenen Esten Erkki-Sven T\u00fc\u00fcr. Solist in Illuminatio f\u00fcr Bratsche und Orchester von 2008 ist Lawrence Power, in Whistles and Whispers from Uluru f\u00fcr Blockfl\u00f6ten und Streichorchester von 2007 ist Genevieve Lacey zu h\u00f6ren. 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