{"id":2275,"date":"2018-03-27T21:03:29","date_gmt":"2018-03-27T19:03:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2275"},"modified":"2018-03-27T21:03:29","modified_gmt":"2018-03-27T19:03:29","slug":"mozart-matinee-am-25-maerz-im-herkulessaal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/03\/27\/mozart-matinee-am-25-maerz-im-herkulessaal\/","title":{"rendered":"Mozart-Matin\u00e9e am 25. M\u00e4rz im Herkulessaal"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Kammerphilharmonie Da Capo: Alberto Ferro, Klavier; Franz Schottky, Dirigent<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kann es etwas Sch\u00f6neres geben als einen sonnigen Sonntag-Vormittag und eine Matin\u00e9e im M\u00fcnchner Herkulessaal mit Musik von Mozart und Haydn?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Publikum wusste die Antwort, es str\u00f6mte in hellen Scharen herbei. Nachdem die Musikerinnen und Musiker Platz genommen hatten, begr\u00fc\u00dfte Dirigent Franz Schottky auf seine ganz pers\u00f6nliche Weise die H\u00f6rer und sprach einige Worte zum folgenden St\u00fcck von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), der Haffner-Symphonie. Sie entstand in einer \u00e4u\u00dferst arbeitsreichen Phase \u2013Mozart arbeite unter anderem gerade an der \u201eEntf\u00fchrung aus dem Serail\u201c, lehnte aber dabei den Auftrag f\u00fcr die Adelerhebung der befreundeten Familie Haffner nicht ab. Beim \u00dcberarbeiten ein Jahr sp\u00e4ter stellte er selbst fest, was ihm da f\u00fcr ein Meisterwerk gelungen war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Kammerphilharmonie Da Capo mit dazugekommenen Bl\u00e4sern lie\u00df unter der Stabf\u00fchrung von Franz Schottky auch gleich vernehmen, was f\u00fcr ein immer wieder staunenmachender \u201eKomponierer\u201c dieser\u00a0 \u201eDonnerblitzbub\u201c Mozart doch gewesen ist. Das Allegro con spirito erklang in all seiner Gr\u00f6\u00dfe und seinem Wohlklang vom ersten Ton an. Besonders sch\u00f6n gelang der zweite Satz, das Andante. Dass sich Bl\u00e4ser und Streicher nat\u00fcrlich die B\u00e4lle zuspielten, zu einem wunderbaren Gesamtklang \u2013 im piano wie im forte \u2013 zusammenfanden, ist klar. Nat\u00fcrlich kennt \u201eman\u201c diese Musik, aber sie live in statu nascendi zu erleben, ist dann doch etwas ganz anderes als daheim auf einer noch so guten HiFi-Anlage. Der zweite wie auch der dritte Satz im Dreier-Takt machten den ganzen Zauber dieser Musik h\u00f6rbar, ebenso der schnellere Presto-Satz, der aber nie oberfl\u00e4chlich dahin huschte, es wurde genau so intensiv musiziert wie alle anderen drei S\u00e4tze dieser herrlichen Meistersymphonie auch. Eine wahre Sonntags-Musik! Den entsprechend wichtigen Bl\u00e4sern wurde ganz spezieller Beifall zuteil, wie nat\u00fcrlich auch dem gesamten Orchester.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach einer kurzen Umbau-Pause kam zum zweiten St\u00fcck, dem 11. Klavierkonzert D-Dur von Joseph Haydn, \u00a0der junge italienische Pianist Alberto Ferro auf die B\u00fchne. Haydns Klavierkonzerte stehen etwas im Schatten seiner Symphonien oder seiner Streichquartette wie auch Oratorien, was aber ein Irrtum ist, wie uns in diesem Konzert gezeigt und vorgef\u00fchrt wurde. Nach einer kurzen Orchester-Einleitung beginnt der Solist sehr lebhaft. Und Haydns Musik entfaltet melodi\u00f6s aber auch rhythmisch pr\u00e4gnant alles, was dem Komponisten an Witz, Humor und Einfall zu Gebote stand. Ein Furioso an bewegendsten Kl\u00e4ngen, Harmonien, Melodien und Ideen, beim langsamen Andante-Satz ebenso wie beim schnellen Rondo all\u2019 Ungarese, in dem der Pianist all seine Spielfreude in den Dienst dieser gro\u00dfartigen Musik stellte. Das Orchester begleitete bravour\u00f6s, lie\u00df dem Solisten immer den Raum und auch die Zeit, damit sich Haydns wahre Gr\u00f6\u00dfe ad\u00e4quat zeigen konnte. Die Bravos im Schlussapplaus lie\u00dfen Alberto Ferro ein kleines, \u00fcberaus sprudelndes und vergn\u00fcgliches St\u00fcck von Gioacchino Rossini als Zugabe spielen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach der Pause stellte Franz Schottky die beiden anderen St\u00fccke von Mozart vor: Adagio und Fuge in c-Moll KV 546, die Mozart im Zusammenhang mit seiner Besch\u00e4ftigung mit der Musik von Georg Friedrich H\u00e4ndel und Johann Sebastian Bach komponierte, im strengen Fugenstil, und zum Abschluss ds Konzertes die ber\u00fchmte g-Moll-Symphonie KV 550. Nur das Streichorchester spielte KV 546 mit einer langsamen Adagio-Einleitung, die doch sehr an die barocken Vorbilder erinnert, was allerdings die anschlie\u00dfende Fuge mit ihrem Thema \u2013 zuerst von den Celli und Kontrab\u00e4ssen vorgetragen dann durch alle Instrumental-Gruppen wandernd \u2013 nicht mehr tat. Was Mozart da an musikalischer und kompositorischer Raffinesse aus dieser strengen Form herausholt, verbl\u00fcfft auch heute noch, mehr als zweihundert Jahre sp\u00e4ter. Nat\u00fcrlich war die Kammerphilharmonie in ihrem Element. Der Streicherklang ist \u201edeutsch\u201c, voll und doch durchsichtig und sehr klar die Stimmen aufeinander bezogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zum letzten St\u00fcck, der g-Moll Symphonie, kamen noch einmal die ben\u00f6tigten Bl\u00e4ser hinzu. Auch hier wieder: Diese Symphonie ist zwar wohlbekannt, wenn man sie aber im Augenblick des Entstehens h\u00f6rt, ist es doch etwas ganz anderes und ber\u00fchrt auf v\u00f6llig andere Weise. Die Trias der drei sp\u00e4ten Symphonien k\u00f6nnte man durchaus als Mozarts symphonisches Verm\u00e4chtnis beschreiben, wobei diese melancholischste in g-moll am meisten in die Tiefe des Erlebens geht. Franz Schottky und die Musikerinnen und Musiker der Kammerphilharmonie Da Capo \u00fcberzeugten mit ihrer Darbietung und lie\u00dfen uns alle begl\u00fcckt diese \u201eUngeheuerlichkeit\u201c erleben. Vom er\u00f6ffnenden Molto allegro \u00fcber das Andante und Menuetto Allegretto bis zum vierten Satz, dem Allegro assai, war die seit ihrer Entstehung so bewegende Symphonie hier wieder einmal in all ihrer Einzigartigkeit und Gr\u00f6\u00dfe zu erleben. Begeisterter Beifall im sonnt\u00e4glichen Herkulessaal und Danke f\u00fcr diese musikalische Sternstunde!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Ulrich Hermann, M\u00e4rz 2018]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kammerphilharmonie Da Capo: Alberto Ferro, Klavier; Franz Schottky, Dirigent Kann es etwas Sch\u00f6neres geben als einen sonnigen Sonntag-Vormittag und eine Matin\u00e9e im M\u00fcnchner Herkulessaal mit Musik von Mozart und Haydn? Das Publikum wusste die Antwort, es str\u00f6mte in hellen Scharen herbei. Nachdem die Musikerinnen und Musiker Platz genommen hatten, begr\u00fc\u00dfte Dirigent Franz Schottky auf seine &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/03\/27\/mozart-matinee-am-25-maerz-im-herkulessaal\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Mozart-Matin\u00e9e am 25. 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