{"id":2291,"date":"2018-04-04T21:36:32","date_gmt":"2018-04-04T19:36:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2291"},"modified":"2018-06-03T23:26:58","modified_gmt":"2018-06-03T21:26:58","slug":"auf-die-schnelle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/04\/04\/auf-die-schnelle\/","title":{"rendered":"Auf die Schnelle"},"content":{"rendered":"<p>Orfeo, C 929 181 A; EAN: 4 011790 929125<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Von-Einem-Philadelphia-Geistliche-Stundenlied\/dp\/B0788WV291\/ref=as_li_ss_il?s=music&amp;ie=UTF8&amp;qid=1528061168&amp;sr=1-1&amp;keywords=welser+m%C3%B6st+gottfried+von+einem&amp;linkCode=li3&amp;tag=thenewlistene-21&amp;linkId=5830cc701e60e411191407100fc45f16\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;ASIN=B0788WV291&amp;Format=_SL250_&amp;ID=AsinImage&amp;MarketPlace=DE&amp;ServiceVersion=20070822&amp;WS=1&amp;tag=thenewlistene-21\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"https:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=thenewlistene-21&amp;l=li3&amp;o=3&amp;a=B0788WV291\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Zum Jubil\u00e4umsjahr publizierte Orfeo eine CD mit Werken Gottfried von Einems. Neben der Philadelphia Symphony op. 28 h\u00f6ren wir die Geistliche Sonate op. 38 und das Stundenlied op. 26 nach Bertolt Brecht. Franz Welser-M\u00f6st dirigiert die Wiener Philharmoniker und den ausschlie\u00dflich im Booklet erw\u00e4hnten Singverein der Gesellschaft der Musikfreude in Wien. In der Geistlichen Sonate singt Ildik\u00f3 Raimondi, au\u00dferdem spielen hier G\u00e1bor Boldoczki an der Trompete und Iveta Apkalna an der Orgel.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es wirkt doch alles recht auf die Schnelle zusammengeworfen: Die Aufnahmen der drei St\u00fccke stammen aus unterschiedlichen Jahren, 2009, 2011 und 2016, und stehen weder inhaltlich noch bez\u00fcglich der Besetzung in einem schl\u00fcssigen Zusammenhang. Dieses Jubil\u00e4um wurde wohl etwas sp\u00e4t bedacht von den Verantwortlichen; da wurde also genommen, was gerade verf\u00fcgbar war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am beachtlichsten gelingt dabei die Geistliche Sonate f\u00fcr Sopran, Trompete und Orgel op. 38, hier unzusammenh\u00e4ngend zwischen zwei Orchesterwerken platziert. Zwar ist ein gewisses \u00dcberma\u00df an Vibrato in der Singstimme zu beklagen, doch \u00fcberzeugt die Triosonate im Gesamtbild durch Vitalit\u00e4t und Unverbrauchtheit. G\u00e1bor Boldoczki musiziert glasklar und nutzt die dynamisch-klanglichen M\u00f6glichkeiten seines Instruments souver\u00e4n aus, Iveta Apkalna h\u00e4lt die Orgel kammermusikalisch im Zaum und besticht durch feine Registrierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Franz Welser-M\u00f6st bel\u00e4sst in den beiden Hauptwerken die Musik ungeschliffen, beinahe primitiv. Und wenn er doch einmal eingreift, herrscht Willk\u00fcr &#8211; dass die Eingriffe aus einer tieferen Kenntnis der Werke hervorgingen, kann ich nicht erkennen. Die Philadelphia Symphony erstrahlt in Haydn&#8217;schem Witz, zeigt der fortschreitenden Avantgarde durch provozierend reine Tonalit\u00e4t die lange Nase. Warum also \u00fcbertreibt Welser-M\u00f6st jede dynamische Akzentuierung und sabotiert dadurch die humoristischen Z\u00fcge? Wieso fehlt dem Mittelsatz jegliche Unbeschwertheit und Sanglichkeit? Und weshalb muss das Finale zwingend so uncharmant und ernst wirken, wenn Einem die Symphonie dezidiert in klassischem Gestus schrieb und sie im Programm eher als Ouvert\u00fcre denn als Hauptwerk fungieren soll? Dies sind nur drei der vielen Fragen, welche diese Aufnahme in mir aufwirft, und die ich gerne verstehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bekanntheit \u00f6ffnet T\u00fcren, ob verdient oder nicht, doch von dieser Aufnahme w\u00fcrde ich letztlich abraten &#8211; w\u00e4re da nicht der Repertoirewert: drei hochkar\u00e4tige Werke eines scheinbaren One-Hit-Wonders, der sich nicht nur als gro\u00dfartiger Opernkomponist, sondern in seinem gesamten Schaffen einschlie\u00dflich Orchester- und Kammermusik als feinf\u00fchliger, umfassend begnadeter wie pr\u00e4zise formulierender Komponist entpuppt.<\/p>\n<p><iframe style=\"width: 120px; height: 240px;\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?ServiceVersion=20070822&amp;OneJS=1&amp;Operation=GetAdHtml&amp;MarketPlace=DE&amp;source=ss&amp;ref=as_ss_li_til&amp;ad_type=product_link&amp;tracking_id=thenewlistene-21&amp;marketplace=amazon&amp;region=DE&amp;placement=B0788WV291&amp;asins=B0788WV291&amp;linkId=1757edfa8e6f87c2855a42730f73485b&amp;show_border=true&amp;link_opens_in_new_window=true\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, M\u00e4rz 2018]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Orfeo, C 929 181 A; EAN: 4 011790 929125 Zum Jubil\u00e4umsjahr publizierte Orfeo eine CD mit Werken Gottfried von Einems. 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