{"id":2310,"date":"2018-04-18T19:51:45","date_gmt":"2018-04-18T17:51:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2310"},"modified":"2018-06-03T23:20:40","modified_gmt":"2018-06-03T21:20:40","slug":"zugaengliche-neue-amerikanische-solokonzerte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/04\/18\/zugaengliche-neue-amerikanische-solokonzerte\/","title":{"rendered":"Zug\u00e4ngliche, neue amerikanische Solokonzerte"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Naxos, LC 05537; EAN: 636943980729<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Dreamachine-Trail-Tears-Reflections-M\/dp\/B079BJTKJS\/ref=as_li_ss_il?s=music&amp;ie=UTF8&amp;qid=1528060782&amp;sr=1-2-fkmr0&amp;keywords=daugherty+dream&amp;linkCode=li3&amp;tag=thenewlistene-21&amp;linkId=164e838012b0248943dede9db2b767a0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;ASIN=B079BJTKJS&amp;Format=_SL250_&amp;ID=AsinImage&amp;MarketPlace=DE&amp;ServiceVersion=20070822&amp;WS=1&amp;tag=thenewlistene-21\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"https:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=thenewlistene-21&amp;l=li3&amp;o=3&amp;a=B079BJTKJS\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Drei neuere Konzerte des amerikanischen Komponisten und GRAMMY\u00ae-Preistr\u00e4gers Michael Daugherty in vorz\u00fcglichen Darbietungen dreier weiblicher Solisten und dem in Sachen zeitgen\u00f6ssischer Musik hochaktiven Symphonieorchester aus Albany unter seinem langj\u00e4hrigen Chef David Alan Miller erschienen jetzt auf Naxos in der Reihe \u201eAmerican Classics\u201c.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Michael Daugherty <\/em>(* 1954) hat sich in den letzten drei Jahrzehnten zu einem der meistgespielten lebenden amerikanischen Komponisten gemausert. W\u00e4hrend seiner Ausbildung legte er besonderen Wert auf umfassende Einblicke in Musik aller Stilrichtungen. So finden sich in seiner Musik neben typischen Errungenschaften klassischer Orchestermusik des 20. Jahrhunderts auch Elemente des Jazz, der Popularmusik oder ethnisch konnotierte Merkmale. Egal, ob man dies jetzt vorwiegend als eklektizistisch, postmodern oder mit welchen Schlagworten auch immer beschreiben wollte: Nichts davon w\u00fcrde der Brillanz und unmittelbaren Wirkung seiner Musik gerecht. Typisch f\u00fcr seine Kompositionen sind ebenfalls literarische, technische oder historische Motive als Inspirationsquelle, die dann aber in der Musik keineswegs nur einfach \u201abildhaft\u2018 umgesetzt werden; alles hat auch ein stabiles, strukturell klar durchdachtes Fundament. So erinnert Daugherty noch am ehesten an den gro\u00dfen Leonard Bernstein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die hier vorgelegte Einspielung dreier ungew\u00f6hnlicher Solokonzerte konnten die jeweiligen Urauff\u00fchrungssolistinnen gewonnen werden: die Fl\u00f6tistin <em>Amy Porter<\/em> f\u00fcr <em>Trail of Tears<\/em> (2010), die Schlagzeugerin <em>Evelyn Glennie<\/em> f\u00fcr <em>Dreamachine <\/em>(2014) und die Tubistin <em>Carol Jantsch<\/em> f\u00fcr <em>Reflections on the Mississippi <\/em>(2013).\u00a0 <em>Trail of Tears<\/em> bezieht sich auf eines der sch\u00e4ndlichsten Ereignisses der amerikanischen Geschichte: W\u00e4hrend der Zwangsumsiedlung von 15000 Tscherokesen im Winter 1838\/39 kamen auf einem 800-Meilen-Marsch \u00fcber 4000 Indianer ums Leben. Die Fl\u00f6te reflektiert dies h\u00f6chst empathisch aus der Sicht der Opfer. Daugherty verwendet wohl keine indigenen Melodien; die wenigen mikrotonalen Wendungen in der Solofl\u00f6te bringen aber die Grundstimmung von Trauer auf eine \u00e4u\u00dferst direkte Art auf den Punkt. Im dritten Satz erw\u00e4chst aus der R\u00fcckbesinnung auf den ber\u00fchmten, rituellen <em>sun dance<\/em> so etwas wie neue Hoffnung. Die vorz\u00fcgliche Amy Porter darf hier aus dem Vollen sch\u00f6pfen: ein in jeder Hinsicht dankbares Fl\u00f6tenkonzert. <em>Dreamachine <\/em>(2014) verarbeitet lustvoll-phantastisch technische Visionen von Leonardo da Vinci \u00fcber die Nonsense-Maschinen eines Rube Goldberg bis zu <em>Mr. Spock, <\/em>der hier als technokratischer <em>Star-Trek<\/em>-Gegenspieler von <em>Captain Kirk <\/em>portr\u00e4tiert wird. Dabei wird nat\u00fcrlich die Vielfalt der M\u00f6glichkeiten des Schlagwerks ausgekostet, wobei sich aber jeder Satz auf ein eng umrissenes Instrumentarium konzentriert. Dass <em>Evelyn Glennie<\/em>, immer noch der einzige weibliche Percussion-Weltstar, hier alles perfekt umsetzt, ist eigentlich selbstverst\u00e4ndlich. Noch \u00fcberzeugender demonstriert allerdings <em>Carol Jantsch <\/em>die Flexibilit\u00e4t der Tuba: Das Mississippi-Portr\u00e4t zeigt von der ausladenden Kantilene bis zum virtuos-synkopiertem Finale die ganze Bandbreite eines Instrumentalkonzertes. Ob das nun bereits in die Kategorie <em>easy-listening<\/em> geh\u00f6rt oder auch h\u00f6here Anspr\u00fcche erf\u00fcllt, mag der H\u00f6rer selbst entscheiden. Spa\u00df bereitet diese Musik allemal!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das im Bundesstaat New York angesiedelte Albany Symphony Orchestra unter David Alan Miller setzt sich recht kompromisslos und erfolgreich f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische amerikanische Musik ein, wie mittlerweile auf zahlreichen CDs belegt. Die Klarheit des Klanges, die Miller erreicht \u2013 unterst\u00fctzt von guter Aufnahmetechnik \u2013 zeigt sich gerade auch an den massiven H\u00f6hepunkten, die Daugherty manchmal setzt. Hier bleibt trotzdem die n\u00f6tige Transparenz gewahrt und verhindert, dass die Musik sich in Plattit\u00fcden ergeht. Die Dynamik aller S\u00e4tze ist sorgsam abgestuft und gibt den Solistinnen jederzeit den Spielraum, sich unangestrengt durchsetzen zu k\u00f6nnen. Diese Darbietung setzt die Reihe ma\u00dfstabsetzender Daugherty-Einspielungen bei Naxos somit nahtlos fort.<\/p>\n<p><iframe style=\"width: 120px; height: 240px;\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?ServiceVersion=20070822&amp;OneJS=1&amp;Operation=GetAdHtml&amp;MarketPlace=DE&amp;source=ss&amp;ref=as_ss_li_til&amp;ad_type=product_link&amp;tracking_id=thenewlistene-21&amp;marketplace=amazon&amp;region=DE&amp;placement=B079BJTKJS&amp;asins=B079BJTKJS&amp;linkId=fe6d6bb42528e0fbb7bb8a2460889ed9&amp;show_border=true&amp;link_opens_in_new_window=true\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Martin Blaumeiser, M\u00e4rz 2018]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos, LC 05537; EAN: 636943980729 Drei neuere Konzerte des amerikanischen Komponisten und GRAMMY\u00ae-Preistr\u00e4gers Michael Daugherty in vorz\u00fcglichen Darbietungen dreier weiblicher Solisten und dem in Sachen zeitgen\u00f6ssischer Musik hochaktiven Symphonieorchester aus Albany unter seinem langj\u00e4hrigen Chef David Alan Miller erschienen jetzt auf Naxos in der Reihe \u201eAmerican Classics\u201c. 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