{"id":2324,"date":"2018-04-24T10:09:32","date_gmt":"2018-04-24T08:09:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2324"},"modified":"2018-06-03T23:16:00","modified_gmt":"2018-06-03T21:16:00","slug":"die-macht-der-rhythmik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/04\/24\/die-macht-der-rhythmik\/","title":{"rendered":"Die Macht der Rhythmik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">NEOS 10819; EAN: 4 260063 108198<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Works-Solo-Percussion-Isao-Nakamura\/dp\/B07C53MX48\/ref=as_li_ss_il?s=music&amp;ie=UTF8&amp;qid=1528060513&amp;sr=1-1&amp;keywords=nakamura+neos&amp;linkCode=li3&amp;tag=thenewlistene-21&amp;linkId=d8c457c879f6fc6c23ee2b6264716742\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;ASIN=B07C53MX48&amp;Format=_SL250_&amp;ID=AsinImage&amp;MarketPlace=DE&amp;ServiceVersion=20070822&amp;WS=1&amp;tag=thenewlistene-21\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"https:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=thenewlistene-21&amp;l=li3&amp;o=3&amp;a=B07C53MX48\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der japanische Perkussionist Isao Nakamura spielt Werke f\u00fcr Schlagzeug solo. Es erklingen zwei der Acht St\u00fccke f\u00fcr vier Pauken von Elliott Carter, Sa\u00ebta und Improvisation, &#8222;dasselbe ist nicht dasselbe&#8220; von Nicolaus A. Huber, Mauricio Kagels Solo aus Exotica, Ta-Ryong IV (Die Kehrseite der Postmoderne) von Younghi Pagh-Paan, Thunder aus Triangel von Peter E\u00f6tv\u00f6s, Rebonds von Iannis Xenakis sowie Sen VI von Toshio Hosokawa.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst im 20. Jahrhundert wurde das Schlagwerk als Soloinstrumentarium entdeckt. Zuvor gab es Werke f\u00fcr gestimmte Pauken und Schlagstabspiele wie Xylophon oder Metallophon, die sich fr\u00fch gro\u00dfer Beliebtheit erfreuten, doch die Rhythmik verlor erstaunlich sp\u00e4t die Bindung an die melodischen Komponenten. Und das, obgleich die Symphoniker schon im fr\u00fchen 19. Jahrhundert dem Schlagwerk immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung zuma\u00dfen, man denke alleine an die Pauke in Beethovens Violinkonzert oder die erweiterte Schlagzeugbesetzung in Berlioz&#8216; Symphony fantastique.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Isao Nakamura verbannt die Melodie auf vorliegender CD in den Hintergrund, abgesehen von Pauken verwendet er kein Instrument mit definierbarer Tonh\u00f6he. Die Pauke kommt bei Carter zum Einsatz, dessen komplex durchkonstruierte Kompositionsstudien &#8222;Acht St\u00fccke f\u00fcr vier Pauken&#8220; ihren Reiz aus der Beschr\u00e4nkung des Materials ziehen. Durch diese entstehen phantastische Effekte, die Carter nicht \u00fcberreizt und dar\u00fcber hinaus sogar dezidiert vorschreibt, maximal vier der acht St\u00fccke in einem Programm zu spielen. E\u00f6tv\u00f6s reduziert noch weiter, in Thunder kommt lediglich eine einzige Basspauke zum Einsatz. Das &#8222;Donnern&#8220; entsteht durch Verstimmen des Instruments mit Hilfe des Fu\u00dfpedals, wodurch der Klang in k\u00fcrzester Zeit mehrere Ganzt\u00f6ne fallen oder steigen kann. Die Beschr\u00e4nkung auf nur ein Instrument findet sich auch in Hubers &#8222;dasselbe ist nicht dasselbe&#8220; f\u00fcr Snare Drum, was mit einer Viertelstunde Laufzeit allerdings eine sp\u00fcrbare \u00dcberl\u00e4nge aufweist, die wenigen Effekte der Snare Drum nutzen sich zu schnell ab, um die Spannung so lange Zeit aufrecht zu erhalten. \u00c4hnlich lang, doch dichter und kurzweiliger gestalten sich die Rebonds von Xenakis, der mit genauen Proportionen und dem Wechsel zwischen verschiedenartigen Schlaginstrumenten einen hypnotischen Bogen spannt. Hosokawa schreibt zahlreiche gestische Anweisungen vor, die Stille ist omnipr\u00e4sent. Vieles dieser Musik ist bedauernswerterweise ohne optische Dokumentation nicht darstellbar, und doch bezaubern die sp\u00e4rlichen Klangereignisse eben dadurch, dass sie sich rar machen. Die meisten unterschiedlichen Kl\u00e4nge erleben wir in Pagh-Paans Ta-Ryong IV &#8211; vielleicht sogar zu viele, um die Form noch schl\u00fcssig ausfallen zu lassen. Kagel besticht durch gezielte Skurrilit\u00e4ten, der Text f\u00fcr einen obligaten Gesangspart darf frei erfunden werden: Lacher sind vorprogrammiert. Kagel nahm sich selbst nicht allzu ernst, das verleiht ihm Frische und Unverbrauchtheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zuneigung zu allen St\u00fccken spiegelt das Spiel von Isao Nakamura wider, voller Inbrunst st\u00fcrzt er sich auf jedes einzelne St\u00fcck dieses Programms. Er versteht, den Klang minuti\u00f6s zu differenzieren und so lange an ihm zu feilen, bis exakt das Resultat erscheint, was er sich herbeigew\u00fcnscht hat. Nakamura kann sekundenschnell zwischen Ernst und Witz changieren, seine Begeisterung f\u00fcr beide Welten ist offenkundig. Die Komponisten k\u00f6nnten sich keinen geeigneteren und passionierteren Interpreten f\u00fcr ihre St\u00fccke w\u00fcnschen, nicht zuf\u00e4llig sind drei der hier aufgenommenen St\u00fccke Nakamura gewidmet.<\/p>\n<p><iframe style=\"width: 120px; height: 240px;\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?ServiceVersion=20070822&amp;OneJS=1&amp;Operation=GetAdHtml&amp;MarketPlace=DE&amp;source=ss&amp;ref=as_ss_li_til&amp;ad_type=product_link&amp;tracking_id=thenewlistene-21&amp;marketplace=amazon&amp;region=DE&amp;placement=B07C53MX48&amp;asins=B07C53MX48&amp;linkId=5ec5afab3040a5af224f4c2702c90836&amp;show_border=true&amp;link_opens_in_new_window=true\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, M\u00e4rz 2018]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NEOS 10819; EAN: 4 260063 108198 Der japanische Perkussionist Isao Nakamura spielt Werke f\u00fcr Schlagzeug solo. 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