{"id":2360,"date":"2018-05-12T07:58:27","date_gmt":"2018-05-12T05:58:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2360"},"modified":"2018-06-03T23:06:05","modified_gmt":"2018-06-03T21:06:05","slug":"wiedersehen-macht-freude","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/05\/12\/wiedersehen-macht-freude\/","title":{"rendered":"Wiedersehen macht Freude"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Arthaus Musik; EAN: 4058407090854<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/offer-listing\/B07BF25F9D\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B07BF25F9D&amp;linkCode=am2&amp;tag=thenewlistene-21&amp;linkId=49b666cead61d9bdc5b72113c4bf3560\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B07BF25F9D&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=thenewlistene-21\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=thenewlistene-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=B07BF25F9D\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><img loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=thenewlistene-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=B07BF25F9D\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die neue 6-DVD-Box von Arthaus Musik macht erstmals f\u00fcnf der legend\u00e4ren Gespr\u00e4chskonzerte \u201eWege zur Neuen Musik\u201c mit dem Dirigenten Gerd Albrecht, die als Education-Projekt zwischen 1986 und 1995 vom SFB produziert wurden, der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich. Ein sechstes Konzert mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin f\u00fcr den RBB aus dem Jahr 2011 erscheint gewisserma\u00dfen als Nachtrag. Diese Pr\u00e4sentationen d\u00fcrfen auch heute noch als Sternstunden in Sachen Musikvermittlung gelten. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der 2014 verstorbene Dirigent <em>Gerd Albrecht<\/em> hat sich in seiner langen Karriere nicht nur als hochrangiger Interpret von Werken der Romantik und Moderne \u2013 unvergessen die M\u00fcnchner Urauff\u00fchrung von Aribert Reimanns <em>Lear<\/em> &#8211; einen Namen gemacht, sondern auch als einer der Ersten intensiv um Musikvermittlung bem\u00fcht. Schon in den 1960er Jahren als GMD in Kassel gab es von ihm moderierte <em>Erkl\u00e4rkonzerte <\/em>f\u00fcr Kinder und Jugendliche. H\u00f6hepunkt dieses p\u00e4dagogischen Einsatzes Albrechts waren insgesamt 14 Live-Gespr\u00e4chskonzerte der Reihe <em>\u201eWege zur Neuen Musik\u201c<\/em>, die zwischen 1986 und 1995 vom SFB produziert wurden, und in denen jeweils ein zeitgen\u00f6ssisches Werk vorgestellt und mit dem anwesenden Komponisten diskutiert wurde. F\u00fcnf dieser Produktionen und als Nachtrag ein \u00e4hnlich aufgemachtes Konzert von 2011 f\u00fcr den RBB erschienen jetzt \u2013 endlich! \u2013 \u00a0bei Arthaus Musik in einer aufwendigen DVD-Box: Pendereckis <em>Partita<\/em>, Henzes <em>Barcarola<\/em>, Ligetis <em>San Francisco Polyphony<\/em>, Kagels <em>Quodlibet<\/em>, Yuns <em>Muak <\/em>sowie Widmanns <em>Elegie<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die musikalischen Qualit\u00e4ten dieser Darbietungen brauche ich hier nur wenig Worte verlieren: Sie sind allesamt erstklassig. Das Besondere an Albrechts Gespr\u00e4chskonzerten ist die Art seiner p\u00e4dagogischen Herangehensweise. Die \u00fcblicherweise knapp 70-min\u00fctigen Konzerte beginnen damit, dass er zwei, drei Minuten des Anfangs eines St\u00fccks erklingen l\u00e4sst, dann im Laufe des Gespr\u00e4chs mit dem auf der B\u00fchne sitzenden Komponisten unter Beteiligung des Orchesters vor allem die komplizierte Klanglichkeit, mit der uns Neue Musik zumeist begegnet, detailliert auseinandernimmt; abschlie\u00dfend wird das Werk komplett gespielt. Was hier so fasziniert, ist Albrechts gro\u00dfe Empathie, mit der er den Komponisten teils sehr pers\u00f6nliche \u00c4u\u00dferungen entlockt, wie sich seine Begeisterung f\u00fcr raffinierte Instrumentationskunst unmittelbar auf die Zuh\u00f6rer \u00fcbertr\u00e4gt. Gleichzeitig gelingt es, das vorgestellte St\u00fcck so in den jeweiligen Schaffenskontext zu stellen, dass hier echte Komponistenportr\u00e4ts entstehen. Es ist das Timing, die Eloquenz seiner Erkl\u00e4rungen und die Wortwahl, die sich zwar an ein mit klassischer Musik vertrautes Publikum, jedoch nicht an Experten richtet, die nie langweilt und immer zum Staunen anregt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nebenbei kommen so auch ein paar nette Charaktereigenschaften und Eitelkeiten der Komponisten zum Vorschein, die bereits f\u00fcr sich als historische Dokumente sehenswert sind. So berichtet der nachdenkliche, aber auch immer sehr selbstsicher, quasi als linker Aristokrat, auftretende <em>Hans Werner Henze<\/em> beispielsweise, dass er beim Komponieren einer extremen Trompetenstelle der <em>Barcarola<\/em> rein von der Klangvorstellung nachher Kopfweh bekam. Auf der n\u00e4chsten DVD erw\u00e4hnt Albrecht dies gegen\u00fcber <em>Gy\u00f6rgy Ligeti<\/em>, worauf der mit seinem unnachahmlich verschmitzten Humor begeistert diese Steilvorlage aufnimmt: <em>\u201eAlso, ich habe sehr selten Kopfschmerzen.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht mag dieses Format einem heutigen, jungen Publikum dann doch immer noch zu schulmeisterlich, zu antiquiert vorkommen. Ich w\u00fcsste jedoch nichts, was da <em>live<\/em> auf dem Gebiet moderner Musik herank\u00e4me, einschlie\u00dflich <em>Sir Simon Rattles<\/em> Reihe <em>\u201eDie Revolution der Kl\u00e4nge\u201c<\/em>. Die DVDs k\u00f6nnen nicht mehr als die damals \u00fcbliche TV-Qualit\u00e4t aus den alten MAZ-Formaten (stereo, 4:3) herausholen. Problematisch ist jedoch wie immer die Umwandlung von PAL interlaced ins NTSC-Format. Daf\u00fcr kommt die Box mit einem zweisprachigen, 200-seitigem gebundenen Buch, das ganz exzellent recherchiert ist und sich neben den dargebotenen Werken ebenso umf\u00e4nglich dem p\u00e4dagogischen Verm\u00e4chtnis Gerd Albrechts widmet. Dies entsch\u00e4digt auch f\u00fcr den etwas hohen Preis. Schade, dass man nicht noch mehr dieser 14 Sendungen ausgraben konnte, wohl auch wegen ungekl\u00e4rter Copyright-Fragen. Da w\u00e4ren noch ein paar gute dabei gewesen, etwa Tippett und Reimann. Trotzdem kann man Arthaus nicht genug f\u00fcr diese l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Ver\u00f6ffentlichung danken: meine ausdr\u00fcckliche Empfehlung, nicht nur an Musikp\u00e4dagogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><iframe loading=\"lazy\" style=\"width: 120px; height: 240px;\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?ServiceVersion=20070822&amp;OneJS=1&amp;Operation=GetAdHtml&amp;MarketPlace=DE&amp;source=ac&amp;ref=tf_til&amp;ad_type=product_link&amp;tracking_id=thenewlistene-21&amp;marketplace=amazon&amp;region=DE&amp;placement=B07BF25F9D&amp;asins=B07BF25F9D&amp;linkId=14229d58b0e8bbd0802c945d87d5c4b4&amp;show_border=false&amp;link_opens_in_new_window=true&amp;price_color=333333&amp;title_color=0066c0&amp;bg_color=ffffff\" width=\"300\" height=\"150\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><br \/>\n<\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Martin Blaumeiser, Mai 2018]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arthaus Musik; EAN: 4058407090854 Die neue 6-DVD-Box von Arthaus Musik macht erstmals f\u00fcnf der legend\u00e4ren Gespr\u00e4chskonzerte \u201eWege zur Neuen Musik\u201c mit dem Dirigenten Gerd Albrecht, die als Education-Projekt zwischen 1986 und 1995 vom SFB produziert wurden, der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich. 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