{"id":2409,"date":"2018-05-22T09:25:12","date_gmt":"2018-05-22T07:25:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2409"},"modified":"2018-05-23T08:36:18","modified_gmt":"2018-05-23T06:36:18","slug":"etwas-in-die-ewigkeit-hinaus-senden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/05\/22\/etwas-in-die-ewigkeit-hinaus-senden\/","title":{"rendered":"Etwas in die Ewigkeit hinaus senden!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Interview mit der Geigerin So Jin Kim zum aktuellen CD-Debut &#8222;The Grand Duo&#8220;<br \/>\n<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/offer-listing\/B077MNLL7V\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B077MNLL7V&amp;linkCode=am2&amp;tag=thenewlistene-21&amp;linkId=62eab015b7ccac657f8dc3c3aa1daf0b\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?_encoding=UTF8&amp;MarketPlace=DE&amp;ASIN=B077MNLL7V&amp;ServiceVersion=20070822&amp;ID=AsinImage&amp;WS=1&amp;Format=_SL250_&amp;tag=thenewlistene-21\" border=\"0\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" style=\"border: none !important; margin: 0px !important;\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=thenewlistene-21&amp;l=am2&amp;o=3&amp;a=B077MNLL7V\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Geigerin So Jin Kim bildet schon lange mit dem Pianisten David Fung eine symbiotische Einheit. Ganz bewusst haben sie sich mit einem CD-Debut viel Zeit gelassen. Im Falle des neuen Tontr\u00e4gers war alles eine Gef\u00fchlsentscheidung. Ungew\u00f6hnlich ist das Programm allemal, wo Werke von Richard Strauss, Franz Schubert und des israelischen Gegenwartskomponisten Avnar Dorman einen Spannungsbogen wie keinen anderen bilden.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p><em>So Jin Kim, die in Korea geborgen wurde, in den Staaten aufwuchs und heute abwechselnd in New York und Hannover lebt, bekundete im Gespr\u00e4ch, was ihr wichtig ist.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Erz\u00e4hlen Sie mir etwas \u00fcber die Vorgeschichte dieser Produktion. Was war die Grundidee f\u00fcr diese St\u00fccke-Abfolge?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieses Programm wird durch die Sonate von Richard Strauss zusammengehalten und das hat seine besondere Vorgeschichte. Als ich nach Deutschland kam, habe ich mit hiesigen Orchestern, unter anderem dem der Bayerischen Staatsoper musiziert. Ich war wirklich sehr beeindruckt von dieser Tradition und diesem Klang &#8211; vor allem, was die Blechbl\u00e4ser hier k\u00f6nnen. Und dann haben mich Strauss und Wagner sehr ber\u00fchrt. Ich bin seitdem regelrecht infiziert von der Orchestermusik von Richard Strauss. Deshalb musste eine Sonate von ihm auf die neue CD kommen. Die Violinsonate E-Dur, Opus 18 ist die letzte von Strauss in klassischer Form durchkomponierte Sonate, und sie hat riesige Parts sowohl f\u00fcr Klavier und Violine. Dieses St\u00fcck gibt der CD das Fundament. Schuberts A-Dur-Sonate, die auch den Untertitel \u201eGrand Duo\u201c tr\u00e4gt, passte hierzu, obwohl dieses St\u00fcck einen gro\u00dfen Kontrast zu Strauss markiert. Aber dann sollte auch noch ein zeitgen\u00f6ssisches St\u00fcck wie ein Bindeglied funktionieren. Hier bot sich Avner Dormans zweite Sonate aus dem Jahr 2008 an. Ich kenne Avner Dorman und seine Kompositionen seit vielen Jahren und wir haben zusammen an der Juillard School studiert. Ich habe Avner dann nach Empfehlungen gefragt. Und von denen gefiel mir diese zweite Sonate am besten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Auf das sp\u00e4tromantische St\u00fcck folgt Dormans zeitgen\u00f6ssische Komposition, bevor Schubert das Finale bildet. Wie kam es zu diesem etwas ungew\u00f6hnlichen, weil un-chronologischen Spannungsbogen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es hat sich so ergeben. Ich habe sehr lange mit mir \u00fcber die Reihenfolge gerungen. Ich wollte die CD nicht mit dem modernen St\u00fcck beginnen, aber auch nicht beenden. Strauss und das moderne St\u00fcck enden beide mit einem exaltierten, fast wilden Part. Dormans Sonate beginnt mit einem sehr spirituell getragenen Teil, der fast wie ein Gebet wirkt. Da sehe ich eine Gemeinsamkeit, weswegen sie hier aufeinander folgen. Schuberts Sonate bekam dadurch zwangsl\u00e4ufig die Rolle eines Finales. Sie markiert ohnehin eine andere Welt f\u00fcr sich. Wer bei Schubert tief zuh\u00f6rt, der vergisst alles, was vorher zu h\u00f6ren war. Gerade dieser Aspekt hat zur Entscheidung f\u00fcr diese Abfolge gef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Haben Sie ein besonderes Klangideal?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Musik kann nicht existieren ohne Klang. Wenn ich mich in ein St\u00fcck hinein vertiefe, versuche ich, eine ganz spezifische Atmosph\u00e4re zu erzeugen. Die kluge Gestaltung des Klanges l\u00e4sst im Idealfall\u00a0 jene Welt erstehen, die der Komponist im Sinn hatte. Deswegen ist nur eine Spieltechnik wirklich gro\u00dfartig, wenn man sie nicht mehr als solche wahrnimmt. Erst sobald man nicht mehr bewusst drauf achtet, wie schnell die Finger sich bewegen, wirkt die Musik auf einer tieferen Ebene. Das ist meine Intention, wenn ich den perfekten Klang f\u00fcr eine Komposition suche. Und daraus schlie\u00dflich Bilder, Gedanken, Emotionen hervor gehen&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ich frage nicht zuletzt deshalb, weil Sie Ihr Instrument in Avner Dormans Sonate so ganz anders, als bei Schubert und Strauss klingen lassen. Was wollten Sie zum Ausdruck bringen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dormans zwei St\u00fccke kombinieren einen Ruhezustand mit einem exaltierten, intensiven Part, bei dem Leidenschaft auch etwas mit Leiden zu tun hat. Der erste Satz ist wie ein Gebet. Der zweite umso mehr ein Ausbruch, der spieltechnisch und auch rhythmisch ins Extreme geht. Da entsteht ein rauher Klang, den man blo\u00df nicht wieder gl\u00e4tten sollte. Es geht darum, mutig und extrovertiert zu sein. Hier lebt ein ganz starkes Bewusstsein f\u00fcr Energien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dormans St\u00fcck \u00fcberwindet mit ausgepr\u00e4gten modalen Parts ja auch die Vorherrschaft von Dur und Moll, die f\u00fcr Schubert und Strauss ja noch relativ verbindlich ist. Au\u00dferdem gibt es viele Fugato-Parts. Welche Funktion haben solche Kontraste in diesem Programm?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich mag sehr an Avners Dormans Kompositionsstil, dass er sehr zeitgen\u00f6ssisch ist, sich trotzdem auch sehr traditioneller Verfahren bedient. Die sogar \u00e4lter als bei Schubert und Strauss sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00d6ffnet Avner Dormans Sonate hier ein Fenster?\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf jeden Fall. Das macht er sehr mutig und direkt, w\u00e4hrend es bei Strauss und Schubert viel vorsichtiger passiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Strauss hat seine Sonate im Zuge einer gro\u00dfen Verliebtheit in seine sp\u00e4tere Frau komponiert. Dorman legt seiner Sonate zwei Liebesgedichte zu Grunde. Gibt es bei Schuberts \u201eGrand Duo\u201c \u00e4hnliche Bez\u00fcge?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Strauss und Dorman sind solche Hintergr\u00fcnde sicher aufschlussreich. Schuberts Musik ist in meinem Empfinden aber so selbsterkl\u00e4rend, dass sich jede Diskussion \u00fcber programmatische Hintergr\u00fcnde er\u00fcbrigt. Seine Tonsprache hat eine so starke lyrische Dichte, dass ohnehin alles in jedem Moment \u201elovely\u201c ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sie haben in den letzten Jahren eine beeindruckende Karriere voran getrieben. H\u00e4tten Sie ein solches Programm bereits in einem fr\u00fcheren Stadium erarbeiten und vor allem aufnehmen k\u00f6nnen bzw. wollen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es war gut, sich f\u00fcr das CD-Debut Zeit bis heute zu lassen. Ein Aufnahme zu machen ist eine sehr verantwortungsvolle und endg\u00fcltige Sache. Es wird etwas produziert, das ewig ist. Als Musikerin lebe ich in einem Zustand st\u00e4ndigen Wandelns und Weiterentwicklung. Selbst w\u00e4hrend eines Aufnahmeprozesses \u00e4ndert sich die Wahrnehmung st\u00e4ndig. Da ist es ein sehr gewichtiger Schritt, etwas in die Welt auszusenden, was nicht mehr ver\u00e4nderbar ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie lange arbeiten Sie schon mit Ihrem Pianisten David Fung zusammen?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">David und ich sind schon lange freundschaftlich und k\u00fcnstlerisch miteinander verbunden. Daher war es in jedem Moment klar, dass wir uns f\u00fcr ein Programm entscheiden, das einen fantastischen Pianisten braucht, der hier sein ganzes K\u00f6nnen entfaltet. Auch David mag dieses Programm sehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sie hatten eingangs schon \u00fcber Ihre Erfahrungen mit Orchestern geredet. Sie treten ja nicht nur als Solistin vor Orchestern auf, sondern sitzen auch selbst am Pult, zum Teil als Konzertmeisterin. Welche Erfahrungen wirken daraus auf das solistische Spiel?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich spielt es keine Rolle, in welchem Medium jemand musiziert &#8211; wenn es doch um die Musik an sich geht. Musizieren ist einfach Musizieren. Orchesterpraxis vermittelt aber die Einsicht, dass jeder Musiker immer ein Part innerhalb eines gro\u00dfen Ganzen ist \u2013 so wie ein Detail in einem gro\u00dfen Bild. Jeder alleine kann das St\u00fcck Musik nicht erschaffen. Diese Erkenntnis bereichert auch das Solistendasein immens, vor allem das Verst\u00e4ndnis \u00fcber die eigene Rolle.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sie leben in Europa, Amerika und sind auch in Ihrer urspr\u00fcnglichen Heimat Asien viel gefragt. Welche Unterschiede erleben Sie?\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist in jedem einzelnen Land unterschiedlich. Das trifft schon f\u00fcr Europa zu. Vor allem in Deutschland f\u00fchle ich eine tiefe Verwurzelung der klassischen Musik in der eigenen Kultur. Die hohe Kenntnis des deutschen Publikums ist in jedem Moment sp\u00fcrbar. Wenn in deutschen Konzerten das Publikum wirklich \u00fcberw\u00e4ltigt ist und dies auch zeigt, bedeutet dies sehr viel. Das ist ein Statement mit Gewicht. In Amerika ist immer ein hoher Level an Enthusiasmus da. Amerikaner trauen sich gerne, richtig aus dem H\u00e4uschen zu sein, was hier fast schon Normalzustand ist. Auch das ist immer eine sch\u00f6ne Erfahrung. Und in Asien, vor allem in Korea ist vieles in einer Entwicklung begriffen, die Hoffnung weckt: Das Interesse an klassischer Musik w\u00e4chst seit Jahren unaufh\u00f6rlich.<br \/>\n<strong>[Interview gef\u00fchrt von Stefan Pieper, 2018]<\/strong><\/p>\n<p><strong>CD:<\/strong><\/p>\n<p>The Grand Duo: So Jin Kim (Violine), David Fung (Piano)<\/p>\n<p><iframe style=\"width: 120px; height: 240px;\" src=\"\/\/ws-eu.amazon-adsystem.com\/widgets\/q?ServiceVersion=20070822&amp;OneJS=1&amp;Operation=GetAdHtml&amp;MarketPlace=DE&amp;source=ac&amp;ref=tf_til&amp;ad_type=product_link&amp;tracking_id=thenewlistene-21&amp;marketplace=amazon&amp;region=DE&amp;placement=B077MNLL7V&amp;asins=B077MNLL7V&amp;linkId=35859568a523917d16de9e05c4b3d114&amp;show_border=false&amp;link_opens_in_new_window=true&amp;price_color=333333&amp;title_color=0066c0&amp;bg_color=ffffff\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><br \/>\n<\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Konzert-Tipp:<\/strong><\/p>\n<p>So Jin Kim und David Fung gastieren am 12. Juni im Pianosalon Christophori Berlin<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit der Geigerin So Jin Kim zum aktuellen CD-Debut &#8222;The Grand Duo&#8220; Die Geigerin So Jin Kim bildet schon lange mit dem Pianisten David Fung eine symbiotische Einheit. Ganz bewusst haben sie sich mit einem CD-Debut viel Zeit gelassen. Im Falle des neuen Tontr\u00e4gers war alles eine Gef\u00fchlsentscheidung. 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