{"id":2551,"date":"2018-06-10T15:05:40","date_gmt":"2018-06-10T13:05:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2551"},"modified":"2018-06-24T09:18:40","modified_gmt":"2018-06-24T07:18:40","slug":"intimitaet-und-wandlung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/06\/10\/intimitaet-und-wandlung\/","title":{"rendered":"Intimit\u00e4t und Wandlung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Gioachino Rossini &#8211; Semiramide:\u00a0 Bayerische Staatsoper, Nationaltheater M\u00fcnchen; Albina Shagimuratova (Semiramide), Alex Esposito (Assur), Daniela Barcellona (Arsace), Michele Angelini (Idreno), Jacquelyn Stucker (Azema), B\u00e1lint Szab\u00f3 (Oroe), Galeano Salas (Mitrane), Oleg Davydov (L\u2019ombra di Nino); Bayerisches Staatsorchester, Antonello Allemandi (Leitung), David Alden (Inszenierung), Beate Vollack (Choreographie)<\/strong><\/p>\n<pre style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-2552 size-large\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/LM0A9706-1024x651.jpg\" alt=\"\" width=\"604\" height=\"384\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/LM0A9706-1024x651.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/LM0A9706-300x191.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/LM0A9706-768x488.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/LM0A9706.jpg 1961w\" sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/>\r\nBayerische Staatsoper: Alex Esposito (Assur), Albina Shagimuratova (Semiramide), Michele Angelini (Idreno), Daniela Barcellona (Arsace) - (Foto\u00a0\u00a9 Wilfried H\u00f6sl, 2018)<\/pre>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Albina Shagimuratova singt die Titelrolle in Gioachino Rossinis Oper Semiramide auf einem Libretto Gaetano Rossis nach Voltaire. Am 2. Juni 2018 findet die erste Vorstellung mit ihr im M\u00fcnchner Nationaltheater statt, wobei das Bayerische Staatsorchester unter Antonello Allemandi spielt. In den Hauptrollen h\u00f6ren wir Alex Esposito (Assur), Daniela Barcellona (Arsace), Michele Angelini (Idreno), Jacquelyn Stucker (Azema), B\u00e1lint Szab\u00f3 (Oroe), Oleg Davydov (Geist Ninos) und Galeano Salas (Mitrane). Die Inszenierung kommt von David Alden und Beate Vollack gestaltete die Choreographie.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Wiederaufnahme der Semiramide von Gioachino Rossini holte sich die Bayerische Staatsoper Albina Shagimuratova nach M\u00fcnchen, die in den letzten Jahren immer gr\u00f6\u00dfere Erfolge feierte. Manchen ist sie bereits durch ihre Rolle als K\u00f6nigin der Nacht in Mozarts Zauberfl\u00f6te ein Begriff, ich h\u00f6rte sie erstmals als Solistin in Beethovens Neunter Symphonie unter dem spanischen Dirigenten Rafael Fr\u00fchbeck de Burgos in dessen letzten Videoaufnahmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Semiramide pr\u00e4sentiert sich als zerrissene Figur, die gemeinsam mit ihrem Liebhaber Assur ihren Mann Nino t\u00f6tete, den Thron bestieg und nun, einige Jahre sp\u00e4ter, einen Nachfolger auserw\u00e4hlen soll. Assur und Semiramide entfremdeten sich im Laufe der Zeit, und so hofft der indische Prinz Idreno auf die Krone und die Hand der Prinzessin Azema. Diese hingegen schw\u00e4rmt f\u00fcr den General Arsace, der sie einst rettete und nun auf Gehei\u00df der K\u00f6nigin zur\u00fcck in die Stadt kommt \u2013 Arsace erwidert ihre Liebe. Doch Semiramide zerst\u00f6rt die Pl\u00e4ne: Sie erkl\u00e4rt Arsace zum neuen K\u00f6nig und weist ihn zeitgleich an, sie zu heiraten; Idreno verspricht sie die Hand Azemas und Assur geht leer aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch gerade in diesem Moment erscheint der Geist Ninos und erkl\u00e4rt Arsace, dass er herrschen soll: doch erst, wenn Arsace seinen Tod s\u00fchnt. Der Priester Oroe kennt als einziger die Wahrheit, dass Semiramide und Assur Nino ermordet haben und betraut Arsace mit dessen wahrer Identit\u00e4t: Er ist Ninia, der tot geglaubte Sohn von Nino und Semiramide. Arsace\/Ninia wei\u00df nun, dass es Assur ist, den er t\u00f6ten muss, um die Verwicklungen zu beenden und den Gifttod seines Vaters zu r\u00e4chen; er bittet um Vergebung f\u00fcr seine Mutter und vers\u00f6hnt sich mit ihr. Im Dunkeln macht er Assur aus und streckt ihn nieder, doch schon h\u00f6rt er die Rufe, dass Assur gefasst sei und weggebracht werde. Ihm wird gewahr, dass er seine eigene Mutter mit dem Schwert erwischt hat \u2013 ein Huldigungschor f\u00fcr den neuen K\u00f6nig erklingt und der Vorhang f\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Besetzung gelang: Alex Esposito \u00fcberzeugt als wandelbarer Assur, B\u00e1lint Szab\u00f3 als volumin\u00f6ser Oroe und Galeano Salas als strahlender Tenor Miltrane. Die kleinen Rollen sind zu einen Azema, Jacquelyn Stucker, deren Auftreten vor allem schauspielerischer Natur ist \u2013 als hilflose Marionette wird sie herumgetragen und ist ihrem Schicksal ausgeliefert \u2013, und zum anderen der Geist Ninos, der dennoch in Form von Bildern omnipr\u00e4sent erscheint und Einblicke in eine heile Vergangenheit gew\u00e4hrt. Antonello Allemandi leitet das Bayerische Staatsorchester pflichtbewusst und sicher, wenngleich ohne einen auf den H\u00f6rer \u00fcberspringenden Funken. Es scheint zu wenige Gesamtproben gegeben zu haben, um die Wechselwirkung zwischen S\u00e4ngern und Instrumentalisten herauszuarbeiten, das Orchester bleibt hinter den Vokalpartien zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hervorzuheben sind die Rollen von Idreno, Arsace\/Ninia und Semiramide. Idrenos Tenor verlangt Michele Angelini einen beachtlichen Ambitus ab, m\u00fchelos wechselt er zwischen den Registern hin und her. Als Hosenrolle singt die Mezzosopranistin Daniela Barcellona Arsace\/Ninia, den sie als heldenhaften Feldherrn darstellt, furchtlos und tollk\u00fchn. Ihre K\u00f6rperhaltung wirkt erschlafft, doch die Stimme schmettert selbstbewusst und angriffslustig. H\u00f6hepunkt der Vorstellung bleibt Albina Shagimuratova als Semiramide: Von Anfang an nimmt man der Russin ihre Rolle ab und glaubt ihr jedes Wort, das sie von sich gibt. Stimmlich \u00fcberragt ihr Piano und Pianissimo, welches eine Intimit\u00e4t in das Opernhaus bringt, wie wir sie sonst ausschlie\u00dflich von Liederabenden her kennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlicht, wenngleich nat\u00fcrlich in gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichem Format, erscheinen die B\u00fchnenbilder mit der \u00fcberdimensionalen Statue Baals und den Bildern der k\u00f6niglichen Familie an den kipp- und klappbaren W\u00e4nden. Die Choreographie legt ihr Hauptaugenmerk auf die innere Wandlung der K\u00f6nigin, Semiramide entwickelt sich von der arroganten Herrscherin nach und nach zun\u00e4chst zur entbrannten Liebhaberin und danach zur liebenden Mutter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Juni 2018]<\/strong><\/p>\n<pre><a href=\"https:\/\/partner.jpc.de\/go.cgi?pid=116&amp;wmid=cc&amp;cpid=1&amp;target=https:\/\/www.jpc.de\/s\/albina+shagimuratova\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img src=\"https:\/\/media2.jpc.de\/image\/w440\/front\/0\/0809478010661.jpg\" width=\"100\" \/><strong>     Albina Shagimuratova bei jpc<\/strong><\/a><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gioachino Rossini &#8211; Semiramide:\u00a0 Bayerische Staatsoper, Nationaltheater M\u00fcnchen; Albina Shagimuratova (Semiramide), Alex Esposito (Assur), Daniela Barcellona (Arsace), Michele Angelini (Idreno), Jacquelyn Stucker (Azema), B\u00e1lint Szab\u00f3 (Oroe), Galeano Salas (Mitrane), Oleg Davydov (L\u2019ombra di Nino); Bayerisches Staatsorchester, Antonello Allemandi (Leitung), David Alden (Inszenierung), Beate Vollack (Choreographie) Bayerische Staatsoper: Alex Esposito (Assur), Albina Shagimuratova (Semiramide), Michele Angelini &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/06\/10\/intimitaet-und-wandlung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Intimit\u00e4t und Wandlung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[2631,2632,2626,2636,2625,2639,2640,2633,2627,2630,2637,651,2635,2634,2628,2638,2629],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2551"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2551"}],"version-history":[{"count":4,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2551\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5159,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2551\/revisions\/5159"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2551"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2551"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2551"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}