{"id":2562,"date":"2018-06-15T07:10:09","date_gmt":"2018-06-15T05:10:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2562"},"modified":"2018-06-22T21:11:57","modified_gmt":"2018-06-22T19:11:57","slug":"edvard-grieg-zum-175-geburtstag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/06\/15\/edvard-grieg-zum-175-geburtstag\/","title":{"rendered":"Edvard Grieg zum 175. Geburtstag"},"content":{"rendered":"<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Kurzbiographie<\/strong><\/h6>\n<figure style=\"width: 256px\" class=\"wp-caption alignright\"><a title=\" [CC BY-SA 3.0 (https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0)], via Wikimedia Commons\" href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Edvard_Grieg_by_Karl_Anderson_TM.T01607_(edit).jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/8\/84\/Edvard_Grieg_by_Karl_Anderson_TM.T01607_%28edit%29.jpg\/256px-Edvard_Grieg_by_Karl_Anderson_TM.T01607_%28edit%29.jpg\" alt=\"Edvard Grieg by Karl Anderson TM.T01607 (edit)\" width=\"256\" height=\"377\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-caption-text\"><br \/>(Foto: Karl Anderson)<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify;\">Edvard Hagerup Grieg wurde am 15. Juni 1843 in Bergen geboren und zeigte beim Klavierunterricht mit seiner Mutter Gesine Hagerup fr\u00fch musikalische Begabung, wohingegen er die Schule vernachl\u00e4ssigte und schlie\u00dflich die dritte Klasse wiederholen musste. Griegs Perspektiven \u00e4nderten sich, als die Familie <strong>Ole Bull<\/strong> als Gast empfing, der nicht nur einer der bedeutendsten Geiger damaliger Zeit war, sondern als Komponist die Musik Norwegens ma\u00dfgeblich ver\u00e4nderte: Er k\u00e4mpfte f\u00fcr das Norwegische, Urtypische und B\u00e4uerliche in der Musik, womit er sp\u00e4ter auch Grieg anstecken sollte. Auf den Rat Bulls begann Grieg 1858 ein <strong>Studium der Musik in<\/strong> <strong>Leipzig<\/strong>, wo zu seinen Lehrern neben Carl Reinecke auch Ignaz Moscheles und Louis Plaidy z\u00e4hlten. Griegs Berichten zufolge habe er nichts gelernt in Deutschland, auch von seinen Lehrern wurde er als aufm\u00fcpfig beurteilt; und doch sind Griegs handwerkliches Geschick und Wissen um einfache, aber effektive Formgestaltung sowie seine kontrapunktischen F\u00e4higkeiten zweifelsohne auf ein gr\u00fcndliches Studium zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neue Einfl\u00fcsse erhielt Grieg in <strong>Kopenhagen<\/strong>, wohin er 1863 nach kurzem Aufenthalt in seiner Heimat reiste. In <strong>Niels W. Gade<\/strong> fand er seinen neuen Lehrer, der bis heute zu den erfolgreichsten Komponisten D\u00e4nemarks geh\u00f6rt. Dieser \u00fcberzeugte Grieg, ein gro\u00dfer Komponist m\u00fcsse gro\u00dfe Symphonien schreiben, und so machte sich Grieg an seine <em>c-Moll-Symphonie<\/em>. Diese zog er allerdings vor der Urauff\u00fchrung zur\u00fcck, als Johan Svendsen sein symphonisches Erstlingswerk vorlegte, das Grieg f\u00fcr \u00fcberlegen hielt. Uraufgef\u00fchrt wurde die Symphonie erst 1980 in Russland, womit das von Grieg ausdr\u00fccklich verlange <strong>absolute Auff\u00fchrungsverbot<\/strong> des Werks gebrochen wurde. Kurze Zeit nach der Symphonie folgten auch die <em>Klaviersonate e-Moll op. 7<\/em> und die <em>Violinsonate F-Dur op. 8<\/em>, die beide bis heute regelm\u00e4\u00dfig auf Konzertprogrammen zu finden sind. Ole Bull kritisierte Gades Einfluss im Werk seines Sch\u00fctzlings und forderte ihn dazu auf, Musik zu komponieren, die sein Land ehre und nicht den Spuren Gades folge. In D\u00e4nemark lernte Grieg auch <strong>Rikard Nordraak<\/strong> kennen, mit dem zusammen er 1864 <strong>Euterpe<\/strong> gr\u00fcndete, eine Vereinigung zur F\u00f6rderung nordischer Musik. F\u00fcr Euterpe entstanden die <em>Humoresken op. 6<\/em>, die erstmalig den Bezug zu den <strong>norwegischen Bauernt\u00e4nzen \u201eSl\u00e5tter\u201c<\/strong> aufweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weiter ging die Reise 1866 nach <strong>Christiania<\/strong>, heute Oslo, wo er seine <strong>Cousine Nina Grieg heiratete<\/strong>, mit der er eine Tochter bekam, Alexandra, die allerdings im Alter von 13 Monaten verstarb. 1869 ging er nach <strong>Rom<\/strong> und traf dort <strong>Franz Liszt<\/strong>, der hingerissen war von der Musik des Norwegers. Besonders begeistert zeigte sich Liszt vom Kopfsatz des neu komponierten <em>Klavierkonzerts a-Moll op. 16<\/em>, welches er dem Publikum prima vista pr\u00e4sentierte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcck in der Hauptstadt Norwegens wollte Grieg eine feste Orchestervereinigung gr\u00fcnden, woraus sich sp\u00e4ter die <strong>Osloer Philharmonie<\/strong> entwickeln sollte. Ab 1874 konnte er als freier K\u00fcnstler von staatlichem K\u00fcnstlerlohn leben, konzentrierte sich entsprechend mehr aufs Komponieren und war nicht so sehr auf andere Geldquellen angewiesen. Arbeiten an einer ersten nationalen Oper Norwegens mit Bj\u00f8rnstjerne Bj\u00f8rnson gab Grieg auf (mit ihm schuf Grieg bereits <em>Sigurd Jorsalfar op. 22<\/em> und <em>Bergliot op. 24<\/em>) und nahm daf\u00fcr ein Angebot Ibsens an, der Grieg daf\u00fcr gewinnen wollte, B\u00fchnenmusik f\u00fcr eine Auff\u00fchrung von <strong>Peer Gynt<\/strong> zu komponieren. Das Werk und die beiden Orchestersuiten daraus erwiesen sich sogar noch vor dem Klavierkonzert als gr\u00f6\u00dfte Erfolge Griegs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Jahr darauf starben beide Elternteile Griegs innerhalb k\u00fcrzester Zeit, was Grieg zu seinen beiden musikalisch wohl substanziellsten Werken trieb: dem <em>Streichquartett g-Moll op. 27<\/em> und der <em>Ballade op. 24<\/em> in gleicher Tonart.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die fr\u00fchen 1880er-Jahre waren durchzogen von einer tiefen Krise, die sich pers\u00f6nlich durch eine <strong>Trennung<\/strong> von seiner Frau Nina und k\u00fcnstlerisch durch eine <strong>Formkrise<\/strong> beginnend mit seiner <em>Cellosonate a-Moll op. 36<\/em> abzeichnete \u2013 der Komponist war der Ansicht, er k\u00f6nne keine geschlossene Form mehr schreiben. Grieg reiste in Richtung Frankreich, wo er die Malerin Leis Schjelderup treffen wollte, kehrte allerdings zuvor schon zur\u00fcck und vers\u00f6hnte sich mit seiner Frau. Anl\u00e4sslich des 200. Geburtstags von <strong>Ludvig Holberg<\/strong>, dem \u201eMoliere des Nordens\u201c, sollte Grieg eine Kantate schreiben, die ihn allerdings wenig inspirierte. Er legte ein durchschnittliches Werk vor, konzentrierte sich parallel auf ein anderes St\u00fcck zu gegebenem Anlass: <em>Aus Holbergs Zeit, Suite im alten Stil op. 40<\/em>, in welcher er Formmodelle der Barockzeit mit romantischer Musik aktualisierte. Der Formkrise war Grieg damit allerdings noch immer nicht entkommen, erst 1886 entfloh er seiner Angst, keine gro\u00dfe Form mehr komponieren zu k\u00f6nnen, indem er die <em>Dritte Violinsonate c-Moll op. 45<\/em> ver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n<pre><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-2448 size-large\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/IMG_6230-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"604\" height=\"453\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/IMG_6230-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/IMG_6230-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/IMG_6230-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/>\r\nTroldhaugen, Villa von Edvard Grieg (Foto von: Oliver Fraenzke)<\/pre>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuvor schon erwarb Grieg 1884 seine ber\u00fchmte Residenz in der N\u00e4he Bergens: <strong>Troldhaugen<\/strong>. Hier lebte er bis zu seinem Tod und liegt nun unterhalb des Hauses begraben; heute dient das Geb\u00e4ude als Museum, daneben steht eine neu gebaute Konzerthalle. 1887 fand ein geschichtstr\u00e4chtiges Treffen in Leipzig statt: <strong>Brahms, Tschaikowsky und Grieg<\/strong> sa\u00dfen an einem Tisch: W\u00e4hrend Brahms und Tschaikowsky sich zwar menschlich leiden konnten, verabscheuten sie die Musik des jeweils anderen, zu Grieg bauten beide menschlich wie k\u00fcnstlerisch ein gutes Verh\u00e4ltnis auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Jahrhundertwende verschlechterte sich Griegs <strong>Gesundheit<\/strong> rapide: Bereits als junger Mann verlor er durch eine Krankheit die Funktion eines Lungenfl\u00fcgels, nun wurden die Atembeschwerden kritisch. Am 4. September 1907, nach einer letzten Tour nach Deutschland, starb er im Zentralkrankenhaus Bergen in den Armen seiner Frau.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\">Musik und Stil<\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grieg z\u00e4hlt zu den gro\u00dfen <strong>Nationalromantikern<\/strong> des 19. Jahrhunderts, die sich auf die <strong>Volksmusik<\/strong> beriefen. Formal bleibt er weitgehend klassisch-konservativ, harmonisch hingegen beschritt er neue Pfade und ebnete den Weg f\u00fcr den Impressionismus in Frankreich: Debussy und Ravel betrachteten beide Grieg als eine ihrer zentralen Inspirationsquellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als <strong>Meister der kleinen Formen<\/strong> geltend, brachte Grieg uns doch zahlreiche grandiose <strong>Werke gro\u00dfen Formats<\/strong>: Die fr\u00fchesten dieser sind die <em>Klaviersonate e-Moll<\/em> und die <em>Erste Violinsonate F-Dur<\/em>, wobei die Klaviersonate bereits Ideen enth\u00e4lt, welche Grieg sp\u00e4ter im <em>Klavierkonzert a-Moll<\/em> wiederaufgriff und erweiterte. Die beiden Sonaten entstanden zeitgleich, die <em>Zweite Violinsonate G-Dur op. 13<\/em> folgte kurze Zeit sp\u00e4ter. In ihr wendet sich Grieg aktiv der Volksmusik zu und erhebt sie in die Sph\u00e4ren von Konzertmusik, der erste Satz ist ein ausgedehnter norwegischer Volkstanz. Von der ersten Auff\u00fchrung an etablierte sich das <em>Klavierkonzert a-Moll op. 16<\/em> zu einem Publikumsliebling: Die eing\u00e4ngige Thematik, die harmonischen Wechsel und das Urspr\u00fcngliche und Nat\u00fcrliche dieses Werks begeistern jedes Mal von Neuem. D\u00fcster und aufbrausend geben sich das <em>Streichquartett g-Moll<\/em> und die <em>Klavierballade<\/em>, in denen Grieg den Tod seiner Eltern verarbeitete: Das Quartett bildet eine Geschichte ab um einen Pakt mit einem Wassergeist, die Ballade errichtet sich auf einer Volksmusikmelodie, welche in Variationsform bearbeitet wird und in alle Abgr\u00fcnde der menschlichen Seele blicken l\u00e4sst: Trauer, Resignation, Hoffnung, Wut, Angst, Unsicherheit, Ausgelassenheit und mehr spiegeln sich in den dreizehn Variationen der Klavierballade, die umfangreicher und technisch noch anspruchsvoller ist als <em>Chopins g-Moll-Ballade op. 23<\/em> und Z\u00fcge aufweist von <em>Schumanns Symphonischen Et\u00fcden op. 13<\/em>. Die <em>Cellosonate<\/em> f\u00fchrt zum Klavierkonzert zur\u00fcck und beh\u00e4lt packende Dramatik, die <em>Dritte Violinsonate<\/em> ist ebenfalls ein energiegeladenes Werk voll innerer Zerrissenheit und eruptiver Gewalt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der <strong>Zweifel<\/strong> geh\u00f6rte zu Griegs lebenslangen Weggef\u00e4hrten, immer wieder <strong>\u00fcberarbeitete<\/strong> er alte Werke und <strong>verwarf<\/strong> seine Skizzen, unter anderem mehrere Instrumentalkonzerte kamen nie \u00fcber ein Skizzenstadium hinweg, andere Werke wie sein <em>F-Dur-Streichquartett<\/em> blieben unfertig. Aus dem Finale der Klaviersonate strich Grieg eine lange Passage, den H\u00f6hepunkt des zweiten Satzes setzte er vom Fortissimo ins Pianissimo, entsagte somit der Zurschaustellung von Virtuosit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Angst vor langen Formen entfloh Grieg, indem er kurze S\u00e4tze aneinanderreihte, wie bei der <em>Holberg-Suite<\/em>, deren l\u00e4ngster Satz, die innige Air, in der urspr\u00fcnglichen Klavierfassung lediglich vier Seiten umfasst. In gro\u00dfen Kontexten beh\u00e4lt Grieg gerne eine <strong>klare Struktur<\/strong>, Reprisen sind meist ganz regelkonform durchgef\u00fchrt und auch in seinen Miniaturen vertraut Grieg einer exakten Wiederkehr von bekanntem Material.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gern gespielt werden die zahlreichen Klavierminiaturen des Norwegers, allen voran seine <em>66<\/em> <em>Lyrischen St\u00fccken<\/em> in zehn B\u00e4nden, vernachl\u00e4ssigt im Repertoire sind hingegen seine etwa <em>180 Lieder<\/em>. In den Lyrischen St\u00fccken tastet sich Grieg langsam an die Volksmusik heran, anfangs nennt er seine St\u00fccke \u201eIm Volkston\u201c, oder \u201eNorwegisch\u201c, sp\u00e4ter erst betitelt er sie nach den Bauernt\u00e4nzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Norwegische ist omnipr\u00e4sent im Schaffen Griegs, sei es durch <strong>Stilisationen<\/strong> von Bauernt\u00e4nzen oder durch <strong>Bearbeitungen von Volksliedern<\/strong>, was viele Melodien vor dem Vergessen bewahrte. \u00a0Die Liedtranskriptionen und -bearbeitungen <em>op. 66<\/em> d\u00fcrften die feingeistigsten Umsetzungen sein, <em>op. 72<\/em> r\u00fcckt das Volkst\u00fcmliche mehr in den Konzertkontext. Auch die Ballade beruht auf einer Melodie, die von <strong>Ludvig Mathias Lindeman<\/strong> aufgezeichnet wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuletzt zu nennen ist das <strong>abbildende Element<\/strong> in Griegs Musik: F\u00fcr eine treffende Illustration \u00fcberging der Norweger alle Regeln bis hin zu freien Quintr\u00fcckungen in <em>Glockenklang<\/em> aus den Lyrischen St\u00fccken. Ob Grieg nun im <em>An den Fr\u00fchling<\/em> ganze Lawinen talw\u00e4rts rutschen l\u00e4sst, die <em>V\u00f6glein<\/em> quirlig durcheinandersingen oder das <em>B\u00e4chlein<\/em> ununterbrochen rauschen, die Bilder sind stets eindeutig. Und wer erkennt nicht die <em>Morgenstimmung<\/em> als DIE Darstellung einer Landschaft bei aufgehender Sonne? Was <em>Peer Gynt<\/em> betrachtete, h\u00f6ren wir nun in zahlreichen Filmen als Untermalung des angehenden Tages.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\">Aufnahmen im Vergleich<\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es liegt eine beachtliche Anzahl an <strong><u>Gesamteinspielungen<\/u><\/strong> Griegs vor, besonders das Symphonische Oeuvre wurde in den letzten Jahren mehrfach vollst\u00e4ndig aufgenommen. Ein \u201eMust have\u201c f\u00fcr alle Grieg-Fans bleibt die <strong>\u201eGrieg Edition\u201c von Brilliant Classics<\/strong>, welche fast das gesamte Schaffen des Norwegers auf 21 CDs bannt: Hervorzuheben hierbei ist die Klaviermusik mit <strong>H\u00e5kon Austb\u00f8<\/strong>. <strong>Eivind Aadland<\/strong> legte mit dem <strong>WDR Sinfonieorchester K\u00f6ln<\/strong> eine <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/04\/09\/perlen-des-nordens\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gesamtaufnahme des Orchesterwerks<\/a> vor (erschienen bei audite), die durch Plastizit\u00e4t und \u00d6konomie der Mittel besticht, sachlich und feingeistig fasst er diese Musik auf. Etwa zeitgleich brachte Naxos die \u201eComplete Orchestral Works\u201c heraus mit <strong>Bjarte Engeset<\/strong>, dem <strong>Malm\u00f6 Symphony Orchestra<\/strong> und dem <strong>Royal Scottish National Orchestra<\/strong>. Das Glanzst\u00fcck hier ist die gesamte B\u00fchnenmusik zu Peer Gynt, die nicht nur in den beiden Suiten zu h\u00f6ren ist, wie in den anderen verglichenen Einspielungen. <strong>Herbert Schuch<\/strong> kann im Klavierkonzert f\u00fcr audite mehr \u00fcberzeugen als <strong>H\u00e5vard Gimse<\/strong> f\u00fcr Naxos. Wo Engeset in der Gesamtaufnahme allgemein empfehlenswert ist, entt\u00e4uschen seine Einspielungen f\u00fcr Streichorchester, die es auch in die Box geschafft haben. <strong>Carl Petersson<\/strong> legte f\u00fcr Grand Piano das a-Moll-Konzert vor und begeistert vom ersten bis zum letzten Ton \u2013 dar\u00fcber hinaus spielt er das <em>unvollendete h-Moll-Konzert<\/em>, von welchem nur wenige Fragmente erhalten sind, in der <strong>Vervollst\u00e4ndigung von Helge Evju<\/strong>, eine Weltersteinspielung. Leider vergriffen ist die Aufnahme des Komponisten und Dirigenten <strong>Nicolas Flagello<\/strong>, der aus einem schlechten Orchester (<strong>Da Camera di Roma<\/strong>) Unvorstellbares herausholt und eine der brillantesten Aufnahmen der Holberg-Suite hervorbringt.<\/p>\n<pre><a href=\"https:\/\/partner.jpc.de\/go.cgi?pid=116&amp;wmid=cc&amp;cpid=1&amp;target=https:\/\/www.jpc.de\/s\/Edvard+Grieg+S%C3%A4mtliche+Orchesterwerke\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img src=\"https:\/\/media2.jpc.de\/image\/w440\/front\/0\/0747313801534.jpg\" width=\"100\" \/>     Grieg Orchesterwerke bei jpc bestellen<\/a><\/pre>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <strong><u>Kammermusik<\/u><\/strong> lernte ich durch die <strong>3-CD-Box von Brilliant Classics<\/strong> kennen, die ungeschlagen vom Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis ist: Die Aufnahmen sind vielleicht nicht die \u00dcberragendsten, und doch geben sie vieles preis, was die Kammermusik ausmacht \u2013 \u00fcberraschend innig gibt sich das g-Moll-Streichquartett. Die Violinsonaten gl\u00e4nzen in der Referenz-Aufnahme mit <strong>Ingolf Turban und Jean-Jacques D\u00fcnki<\/strong>, die Musiker erf\u00fcllen jeden Takt mit Ausdruck und Substanz. Ein weiterer Schatz, der komplett verborgen blieb, ist die Aufnahme dreier Sonaten mit <strong>Tateno, Rautio und S\u00f6derblom<\/strong>. Die neueste Aufnahme, welche mir in die Finger fiel, ist die <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/03\/10\/lebenswerke-lebenslinien\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erste Violinsonate<\/a> mit den <strong>Schwestern Birringer<\/strong>, welche frei und organisch entsteht, durch Musizierfreude mitrei\u00dft. <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/05\/28\/virtuositaet-und-romantik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Das gleiche Werk<\/a> erschien nun mit <strong>Aleksey Semenenko und Inna Firsova<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mehr noch als die Orchester- und Kammermusik wurde die <strong><u>Klaviermusik<\/u><\/strong> aufgenommen. Mitrei\u00dfen k\u00f6nnen dabei vor allem die Stars von fr\u00fcher: <strong>Arturo Benedetti Michelangeli<\/strong> belebt jeden Ton des Klavierkonzerts ebenso wie der Solomusik, <strong>Emil Gilels<\/strong> bringt unvorstellbares Gef\u00fchl aus allen 66 Lyrischen St\u00fccken und <strong>Walter Gieseking<\/strong> achtet bei diesen auf jedes noch so kleine Detail. In neueren Aufnahmen finden wir oft Ausz\u00fcge aus den Lyrischen St\u00fccken, so etwa sehr puppenhaft gek\u00fcnstelt von <strong>Alice Sara Ott<\/strong> oder <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/08\/01\/masslose-freiheit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00fcberm\u00e4\u00dfig frei<\/a> von <strong>Janina Fialkowska<\/strong>. Die wohl bekannteste Gesamteinspielung des Klavierwerks ist die von <strong>Einar Steen-N\u00f8kleberg<\/strong>, der zwar live interessante Details hervorholt, dessen Aufnahmen allerdings doch auf Masse produziert scheinen, makellos, aber uninspiriert wirken. Auch Skizzen und Verworfenes h\u00f6ren wir bei diesem Pianisten. Zwei der Sch\u00e4tze aus Griegs Zeit seien noch hervorgehoben: <strong>Percy Grainger<\/strong>, der sich als junger Mann noch mit Grieg anfreundete, pr\u00e4sentierte mit <strong>Leopold Stokowski<\/strong> das Klavierkonzert in einer unerh\u00f6rt bezaubernden Version und spielte unter anderem die Ballade ein, f\u00fcr die er lediglich 12(!) Minuten brauchte. Und <strong>Grieg<\/strong> k\u00f6nnen wir selbst erleben, wie er seine eigenen Werke darbietet: 1903 entstanden Aufnahmen auf Wachsplatte und 1906 verewigte er sich auf einer Klavierrolle von Welte Mignon \u2013 heute w\u00fcrde keiner seine Musik so spielen, doch als Dokument der Musikgeschichte sind diese Aufnahmen unentbehrlich.<\/p>\n<pre><a href=\"https:\/\/partner.jpc.de\/go.cgi?pid=116&amp;wmid=cc&amp;cpid=1&amp;target=https:\/\/www.jpc.de\/s\/grieg+lyrische+st%C3%BCcke\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img src=\"https:\/\/media3.jpc.de\/image\/w440\/front\/0\/0028948350315.jpg\" width=\"100\" \/>\u00a0\u00a0\u00a0 Griegs Lyrische St\u00fccke bei jpc bestellen<\/a><\/pre>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Mai 2018]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurzbiographie Edvard Hagerup Grieg wurde am 15. Juni 1843 in Bergen geboren und zeigte beim Klavierunterricht mit seiner Mutter Gesine Hagerup fr\u00fch musikalische Begabung, wohingegen er die Schule vernachl\u00e4ssigte und schlie\u00dflich die dritte Klasse wiederholen musste. Griegs Perspektiven \u00e4nderten sich, als die Familie Ole Bull als Gast empfing, der nicht nur einer der bedeutendsten Geiger &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/06\/15\/edvard-grieg-zum-175-geburtstag\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Edvard Grieg zum 175. 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