{"id":257,"date":"2015-11-25T21:40:38","date_gmt":"2015-11-25T20:40:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=257"},"modified":"2015-11-25T21:40:38","modified_gmt":"2015-11-25T20:40:38","slug":"pique-dame-symphonisch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/11\/25\/pique-dame-symphonisch\/","title":{"rendered":"Pique dame symphonisch"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\">BR-Klassik 900129, ISBN: 4 035719 001297<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Pique_dame_Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-261\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Pique_dame_Cover-300x300.jpg\" alt=\"Pique_dame_Cover\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Pique_dame_Cover-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Pique_dame_Cover-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Pique_dame_Cover.jpg 407w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Die j\u00fcngste Einspielung der Oper &#8222;Pique dame&#8220; von Peter Iljitsch Tschaikowsky nach der gleichnamigen Novelle von Alexander Puschkin (Libretto von Modest Iljitsch Tschaikowsky) unternahm Mariss Jansons mit dem Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks sowie dem T\u00f6lzer Knabenchor.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit der bereits vor einem Jahr, im Oktober 2014, erfolgten konzertanten Live-Einspielung von Peter I. Tschaikowskys \u201ePique dame\u201c hat Mariss Jansons, der langj\u00e4hrige und verdiente Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, einmal mehr eine Ausnahme gemacht: n\u00e4mlich in Bezug auf seinen Grundsatz, keine Opern zu dirigieren. Nicht so sehr die aufw\u00e4ndige Einstudierung eines Werkes dieses Genres mag dies begr\u00fcnden, sondern auch die Tatsache, dass eine zusammenh\u00e4ngende und musikalisch wirklich stimmige Darbietung sehr selten gelingt. Umso mehr erfreuen die wenige Seitenspr\u00fcnge des lettischen Maestro in jenes Fach, wie bereits im Jahr 2006 seine fulminante Leitung von Schostakowitschs \u201eLady Macbeth des Mzensker Kreises\u201c in der Amsterdamer Oper (mit Eva-Maria Westbroek in der Titelrolle) bezeugte. Nun ist die hier vorliegende Einspielung rein konzertant, was der Konzentration aufs rein Musikalische umso zutr\u00e4glicher ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Ganze in einen abendf\u00fcllenden Bogen im Sinne eines Symphoniekonzerts zu spannen, bleibt jedoch die andere Herausforderung, welche Jansons anscheinend mitbedacht hat. Schon im ersten Akt verweilt er nirgends zulange, treibt in entscheidenden Momenten die Spannung dieser abgr\u00fcndigen Oper voran und verliert sich nie zu sehr in musikalischen Episoden. Darin liegen grunds\u00e4tzlich die St\u00e4rken des BR-SO-Chefs. Nat\u00fcrlich entsteht dadurch hin und wieder der Eindruck von strenger Gl\u00e4tte, \u00e4hnlich wie sie bei Jansons\u2019 gro\u00dfem Vorbild Jewgeni Mrawinsky zu h\u00f6ren ist und wie sie sich bereits im Vorspiel der \u201ePique dame\u201c vernehmen l\u00e4sst. Das er\u00f6ffnende Motiv der Introduktion in den Klarinetten und Fagotten etwa erklingt etwas zu schwungvoll, der anschlie\u00dfende Seufzer der Streicher daf\u00fcr mit mehr Atem und Einf\u00fchlung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nat\u00fcrlich tragen zum Gelingen eines solchen Werkes die S\u00e4nger entscheidend bei. In den Hauptrollen wirken Misha Didyk, der beliebte ukrainische Tenor, dem der Hermann von Anbeginn seiner Karriere an auf den Leib geschnitten wurde, der jedoch im deutschen Sprachraum bisher kaum mit Engagements pr\u00e4sent ist, sowie in der Rolle der Lisa die geb\u00fcrtige St. Petersburgerin Tatiana Serjan, die sich seit ihrem Deb\u00fct in Turin 2002 zu einer Expertin bez\u00fcglich Verdi und Puccini entwickeln konnte, und nicht zuletzt die Kirow-Veteranin Larissa Djadkowa, die mit ihren \u00fcber 60 Jahren die Idealbesetzung f\u00fcr die Gr\u00e4fin liefert. Auch die anderen Beteiligten gl\u00e4nzen in ihren jeweiligen Rollen, so etwa Oksana Volkova, die in dieser Aufnahme zwei Rollen, die der Polina und des Milovzor (des <em>Daphnis<\/em> im zentralen Sch\u00e4ferspiel), meistert und sich in Akt 1\/Nr. 7 (Duett Lisa-Polina) als Partnerin Serjans mehr als ebenb\u00fcrtig erweist. Sehr sch\u00f6n auch Alexey Markov als F\u00fcrst Jeletzkij, allerdings weniger als Rivale Hermanns denn als Verehrer Lisas. Seine Arie (Akt 2\/Nr.12) gelingt so \u00fcberzeugend, dass sie f\u00fcr einen Moment die fatal-deterministische Grundstimmung der Oper vergessen l\u00e4sst. Auch ordentlich, wenngleich etwas blass erscheint Alexey Shishlyaev als Graf Tomskij, wenn er die ber\u00fchmte Ballade der drei Karten (Akt 1\/Nr. 5) singt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die drei Letztgenannten sind Beispiele daf\u00fcr, dass gerade auch die Nebenrollen mit Sorgfalt besetzt wurden. Das ist umso wichtiger, wenn man bedenkt, dass insbesondere die beiden Hauptrollen immens gefordert und umso mehr auf ebenb\u00fcrtige Partner angewiesen sind. Tats\u00e4chlich geben Didyk und Serjan vor allem in den dramatischen Partien buchst\u00e4blich alles, bis hin zur Bereitschaft zum extremen Vibrato in den Spitzenlagen. Man m\u00f6chte meinen, dass gerade der Kraftaufwand Didyks an die Grenze der \u00dcberforderung st\u00f6\u00dft, andererseits passt diese Haltung zur Grundstimmung wie zur Klimax der Oper.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vor allem die kontinuierlichen, motiv-gebundenen Steigerungen innerhalb eines Aktes wie auch im Gesamten sind das, was wiederum Jansons souver\u00e4n beherrscht. Besonders die Schlussszenen eines jeden Aktes erleben jeweils eine regelrechte Stretta, wo der Maestro alle Register des BR-Sinfonieorchesters zieht. Die ruhigeren Stellen zwischendrin, auch die wenigen heiteren, laufen insgesamt in plausiblem Tempo ab, sind ordentlich gestaltet und stimmlich gut austariert, wie z.B. die das Sch\u00e4ferspiel umrahmenden Chorpassagen in Akt 2\/Nr. 14. Nun muss man dazu sagen, dass Tschaikowsky dies insofern \u201eleicht\u201c gestaltet, als er in seinen letzten Lebensjahren ein einmalig ausgereiftes Gesp\u00fcr f\u00fcr die Instrumentierung besa\u00df und alles an den richtigen Platz &#8211; mit genauem Sinn f\u00fcr Effekt und Suspense \u2013 zu setzen wusste. Anders gesagt, ist das reine Notenspielen und die Technik nicht die unbedingte Herausforderung f\u00fcr das Orchester und den Dirigenten. Vielmehr kommt es \u2013 wie Jansons selbst gesagt hat \u2013 darauf an, Gestalt, Atmosph\u00e4re und somit klangliche Tiefe zu erzeugen. Gerade letzteres klappt nicht immer \u00fcberzeugend und sorgt so f\u00fcr einige Durststrecken. Trotz dieses Makels leidet die Spannungskurve nicht wesentlich darunter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im \u00dcbrigen sei das knappe Booklet empfohlen. Nicht nur bietet der Einf\u00fchrungstext von Alexandra Maria Dielitz auch f\u00fcr Kenner der \u201ePique dame\u201c neue und vielschichtige Perspektiven. Auch hilft er Neueinsteigern insofern gut beim Mitlesen und Mith\u00f6ren der Oper, als essenzielle Motive erl\u00e4utert werden und der quasi symphonische Zusammenhang so stets pr\u00e4sent ist. Wenn man dann noch die Text\u00fcbersetzung mitliest, sind auf dieser Aufnahme knappe 160 Minuten Musik und Drama vielleicht nicht vom Allerbesten, nicht von Referenzstatus, aber mit Liebe zum Werk und mit einem engagierten Gesamtensemble mitzuerleben. Eventuell wird man sich wie das Publikum dieser Live-Aufnahme f\u00fchlen, welches die Leistungen der Orchestermusiker und S\u00e4nger mit lebhaften Ovationen belohnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Peter Fr\u00f6hlich, November 2015]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BR-Klassik 900129, ISBN: 4 035719 001297 Die j\u00fcngste Einspielung der Oper &#8222;Pique dame&#8220; von Peter Iljitsch Tschaikowsky nach der gleichnamigen Novelle von Alexander Puschkin (Libretto von Modest Iljitsch Tschaikowsky) unternahm Mariss Jansons mit dem Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks sowie dem T\u00f6lzer Knabenchor. 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