{"id":2579,"date":"2018-06-17T14:02:57","date_gmt":"2018-06-17T12:02:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2579"},"modified":"2023-05-23T23:28:52","modified_gmt":"2023-05-23T21:28:52","slug":"das-stifterkonzert-begeistert-erneut","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/06\/17\/das-stifterkonzert-begeistert-erneut\/","title":{"rendered":"Das Stifterkonzert begeistert erneut"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2587\" aria-describedby=\"caption-attachment-2587\" style=\"width: 604px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Stifterkonzert2018.jpeg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-large wp-image-2587\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Stifterkonzert2018-1024x682.jpeg\" alt=\"\" width=\"604\" height=\"402\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Stifterkonzert2018-1024x682.jpeg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Stifterkonzert2018-300x200.jpeg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Stifterkonzert2018-768x512.jpeg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Stifterkonzert2018.jpeg 1600w\" sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2587\" class=\"wp-caption-text\">Foto (c) Astrid Ackermann<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>R\u00e4sonanz Stifterkonzert: Elliott Carter, George Benjamin, Enno Poppe und Gy\u00f6rgy Ligeti, Chamber Orchestra of Europe, David Robertson (Leitung); Tabea Zimmermann (Viola), Pierre-Laurent Aimard (Klavier)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Erst zum dritten Mal gab es am 9.6.2018 im M\u00fcnchner Prinzregententheater das r\u00e4sonanz Stifterkonzert der Ernst von Siemens Musikstiftung, die in Zusammenarbeit mit der musica viva des Bayerischen Rundfunks erm\u00f6glicht, auch hochkar\u00e4tige Orchester bzw. Ensembles von au\u00dferhalb mit anspruchsvollen zeitgen\u00f6ssischen Musikprogrammen in die Stadt zu bringen. Diesmal gastierte das Chamber Orchestra of Europe unter David Robertson mit den Solisten Tabea Zimmermann, Viola und Pierre-Laurent Aimard, Klavier. Auf dem Proramm standen f\u00fcnf Werke von Elliott Carter, George Benjamin, Enno Poppe und Gy\u00f6rgy Ligeti. Es sollte ein ph\u00e4nomenaler Konzertabend werden.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nichts gegen das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das ja bereits an den beiden vorangegangenen Abenden ein wirklich gelungenes Werk von Helmut Lachenmann (<em>My Melodies<\/em>, f\u00fcr acht H\u00f6rner und Orchester) mit Begeisterung aus der Taufe gehoben hatte. Trotzdem ist man froh, auch mal einen anderen Klangk\u00f6rper mit <em>Neuer Musik <\/em>in M\u00fcnchen h\u00f6ren zu d\u00fcrfen. Das noch im Dunstkreis von Claudio Abbado entstandene <em>Chamber Orchestra of Europe<\/em> \u2013 zum Gl\u00fcck auch alles andere als ein Spezialensemble f\u00fcr Zeitgen\u00f6ssisches \u2013 hatte sich ein h\u00f6chst anspruchsvolles Programm vorgenommen, darunter zwei Klassiker, das Klavierkonzert von Ligeti und <em>Penthode <\/em>von Elliott Carter, bei denen es ja auch gilt, eben im Vergleich mit spezialisierten Formationen zu bestehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Abend beginnt mit dem letzten (Kammer-)orchesterst\u00fcck des in Deutschland immer noch viel zu selten gespielten Altmeisters Elliott Carter (1908-2012), <em>Instances<\/em>, im Alter von 103 Jahren komponiert, immer noch von ungebrochener musikalischer Intelligenz, mit den sich typisch durch metrische Modulation \u00fcberlagernden Zeitschichten, die gleichzeitig Weitsicht und gro\u00dfe Zusammenh\u00e4nge stiften, andererseits auf Individualit\u00e4t einzelner Spieler bzw. Teilgruppen abzielen. Stets baut Carter (etwa im Unterschied zu Boulez oder Xenakis) nicht nur auf klar konzipierte Materialstrukturen, sondern l\u00e4sst ganz bewusst Emotionen zu. Der Schluss klingt doch etwas wehm\u00fctig nach Abschied. David Robertson setzt nicht nur hier ganz auf Klarheit, ist schlagtechnisch mit Pr\u00e4zision bei der Sache \u2013 im abschlie\u00dfenden Ligeti-Klavierkonzert gibt der Dirigent bei der Auff\u00fchrung dann eh quasi nur ein Metronom ab \u2013 kennt die St\u00fccke ganz genau, kann sich aber \u00fcber Strecken v\u00f6llig auf die hervorragenden Musiker des ECO verlassen, h\u00e4lt sie gewisserma\u00dfen an der langen Leine. Aber gerade dadurch wirkt bei der doch durchweg extrem komplexen Musik des Abends alles erstaunlich entspannt und gel\u00f6st, fast selbstverst\u00e4ndlich. Bei Carters <em>Penthode <\/em>(nach der Pause), das in seiner hyperchromatischen Klanglichkeit wie auch seiner Expressivit\u00e4t immer noch an Sch\u00f6nberg erinnert, halten die Darbietenden das Publikum ununterbrochen in Spannung, ohne dass dies erm\u00fcdend wirkt \u2013 was hier mit gro\u00dfem Applaus bedacht wird. Allein dies zeigt die hohe Qualit\u00e4t des Abends, aber beim ECO hat auch jeder Spieler definitiv solistische Qualit\u00e4ten; Genauigkeit im Zusammenspiel und eine gut aufeinander abgestimmte Dynamik tun ein \u00dcbriges. Der zweite Programmpunkt, George Benjamins farbige <em>Three Inventions <\/em>von 1995, wirkt dann fast schon wie <em>easy listening, <\/em>so nat\u00fcrlich und unangestrengt gelingt hier alles.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Enno Poppe hat sich in den letzten 15 Jahren zu einem der nachdenklichsten und in seinem Bem\u00fchen um eine neuartige Harmonik durch Mikrotonalit\u00e4t vielleicht konsequentesten deutschen Komponisten entwickelt. Die Solistin seines Bratschenkonzerts <em>Filz<\/em> (2014), <em>Tabea Zimmermann<\/em>, kann hier mit einem staunenswert gro\u00dfen und profunden Ton \u00fcberzeugen. Das St\u00fcck bedient den typischen Klangcharakter der Viola ganz vortrefflich. Die Art und Weise, wie sich die Solistin durch einen Dschungel oft ausufernder Vibrati und Glissandi k\u00e4mpfen muss, hat durchaus dramatische Qualit\u00e4ten, besonders da, wo das kleine Orchester \u2013 nur 16 Streicher und vier Klarinetten \u2013 sie dann doch fast gef\u00e4hrlich abzuw\u00fcrgen scheint. Das St\u00fcck erweist sich lediglich als etwas lang; trotz einiger Abnutzungserscheinungen wird es vom Publikum aber dankbar angenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Schluss dann ein einziger Triumph f\u00fcr den letztj\u00e4hrigen Preistr\u00e4ger des Ernst von Siemens Musikpreises, <em>Pierre-Laurent Aimard. <\/em>Ligetis Klavierkonzert ist ja mittlerweile ein echter Klassiker. Die enorm witzigen und ideenreichen polyrhythmischen Strukturen, die hier dargeboten werden, spotten in ihrer Komplexit\u00e4t zwar jeder Beschreibung, nichtsdestotrotz ist diese Musik \u2013 letztlich in ihrem Bem\u00fchen um eine transzendente <em>Aufhebung der Zeit \u2013<\/em> verst\u00e4ndlich und hat drei\u00dfig Jahre nach der Urauff\u00fchrung nichts von ihrer Faszination eingeb\u00fc\u00dft. Ich habe das St\u00fcck mittlerweile schon \u00f6fters live geh\u00f6rt, aber die Perfektion und der Aberwitz, mit dem hier Solist und das Kammerorchester diesem Drahtseilakt gerecht werden, kann wohl kaum noch \u00fcbertroffen werden. So endet der Abend gleichsam in einem gro\u00dfen Aufschrei an Begeisterung; der Dirigent verneigt sich vor dem Pianisten bis auf den Boden. Die Stifterkonzerte wird man in M\u00fcnchen nicht mehr missen wollen, sie sind jetzt schon fester Bestandteil des Musiklebens geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Martin Blaumeiser, Juni 2018]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00e4sonanz Stifterkonzert: Elliott Carter, George Benjamin, Enno Poppe und Gy\u00f6rgy Ligeti, Chamber Orchestra of Europe, David Robertson (Leitung); Tabea Zimmermann (Viola), Pierre-Laurent Aimard (Klavier) Erst zum dritten Mal gab es am 9.6.2018 im M\u00fcnchner Prinzregententheater das r\u00e4sonanz Stifterkonzert der Ernst von Siemens Musikstiftung, die in Zusammenarbeit mit der musica viva des Bayerischen Rundfunks erm\u00f6glicht, auch &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/06\/17\/das-stifterkonzert-begeistert-erneut\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Das Stifterkonzert begeistert erneut<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[2656,2657,1985,1194,774,1986,1875,507,2202,1983,506,2655],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2579"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2579"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2579\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5721,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2579\/revisions\/5721"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2579"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2579"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2579"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}