{"id":2604,"date":"2018-06-23T08:15:42","date_gmt":"2018-06-23T06:15:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2604"},"modified":"2018-06-25T06:55:13","modified_gmt":"2018-06-25T04:55:13","slug":"gina-keiko-friesickes-debut-begeisterte-im-hertener-schloss","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/06\/23\/gina-keiko-friesickes-debut-begeisterte-im-hertener-schloss\/","title":{"rendered":"Gina Keiko Friesickes Debut begeisterte im Hertener Schloss"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #333333;\"><span style=\"font-size: small;\"><strong>Hertener Schlosskonzerte: Ludwig van Beethoven, Eug\u00e8ne Isaye, Witold Lutoslawsky, Edvard Grieg, Pablo de Sarasata; Gina Keiko Friesicke (Violine), Christian K\u00f6hn (Klavier)<\/strong><br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<pre><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/N2.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-2605\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/N2-300x214.jpg\" alt=\"\" width=\"381\" height=\"272\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/N2-300x214.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/N2-768x548.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/N2-1024x731.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 381px) 100vw, 381px\" \/><\/a>\r\n(Gina Keiko Friesicke, Foto von: Anette Kriete)<\/pre>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Violinsonate c-Moll op. 45 des diesen Monat 175. Jahre alt gewordenen Komponisten Edvard Grieg, kann, wenn sie wirklich tiefempfunden musiziert wird, zu einem kolossalen Panorama voll lichtdurchfluteter H\u00f6hen und drohender tiefer Abgr\u00fcnde werden. Und wenn eine gerade mal 15-j\u00e4hrige Geigerin eben solch dramatische Landschaftsbilder im Kopf des H\u00f6rers entstehen l\u00e4sst, dann ist sie auf jeden Fall auf dem richtigen Weg. Das Publikum, bei den Hertener Schlosskonzerten ohnehin mit kammermusikalischen Begl\u00fccklungen auf h\u00f6chsten Niveau bestens verw\u00f6hnt, tobte schlie\u00dflich in rasendem Beifall. Wohlgemerkt: Dies war das erste zusammenh\u00e4ngende Solo-Konzert, welches die in Detmold lebende Jungsstudentin bestritt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sei wei\u00df, was sie will und tut auf der B\u00fchne: Das hei\u00dft auch, aus spontanen Herausforderungen des Moments das beste zu machen. Herausfordernd ist es zu Beginn, sich gegen\u00fcber dem phasenweise \u00fcberdominanten Klavierspiel ihres Partners Christian K\u00f6hn \u00fcberhaupt Geh\u00f6r zu verschaffen. Bei aller Einsicht, dass Beethovens \u201eFr\u00fchlingssonate\u201c F-Dur eigentlich eine Sonate f\u00fcr \u201eKlavier und Violine\u201c und nicht umgekehrt ist \u2013 dies war doch eine Spur zu viel!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Falsch liegt, wer nun denkt, dass sich diese zarte, junge Frau mit ihrer kostbaren \u201eGianbattista Ceruti\u201c-Violine, gebaut circa 1800\u00a0 von so etwas unterkriegen lie\u00dfe: In Eugene Isayes Solosonate, ohnehin ihr erkl\u00e4rtes Lieblingsst\u00fcck, spielt sie sich frei in bestem Sinne! Was f\u00fcr eine Autorit\u00e4t entfaltet ihr frappierend artikulationsstarkes Spiel, hier wird Musik tief verstanden und als leidenschaftliche Botschaft ans Publikum weitergegeben. Von der durch und durch traumwandlerisch perfekten Spieltechnik braucht gar nicht weiter geredet werden. Gina Friesicke schickt das m\u00e4chtige \u201eDies Irea\u201c- Choralmotiv durch ein Labyrinth aus Abwandlungen, Behandlungen, Zerlegungen, wilden Arpeggien, fast orchestralen mehrstimmigen Doppelgriff-Parts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einmal so in Fahrt, kann sie nun auch dem fulminanten Klavierpart h\u00f6chst eloquent Paroli bieten. Dazu ist Witold Lutoslawkis \u201eSubito\u201c in bestem Sinne angetan, wo rhytmischen Gesten und\u00a0 ekstatische Impulse wie rasante B\u00e4lle hin und her fliegen &#8211; spannend wie ein Krimi mutet diese selten geh\u00f6rte Repoertoire-Entdeckung an!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geht noch mehr? Ja, noch viel mehr! In Edvard Griegs c-Moll-Sonate lebt &#8211; wie gesagt &#8211; eine immense Wandlungsf\u00e4higkeit, die allein durch Gina Frieickes Klanggestaltung mittels Bogentechniken entsteht. F\u00fcr diese Spektrum m\u00fcsste allein ein Landschaftsmaler erstmals viele Farben und Pinsel aufbieten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hatte man beim Lesen des Programmheftes noch die Assoziation, dass hier ein junges Talent mit m\u00f6glichst vielen Bravourst\u00fccken technisches Akrobatik zelebrieren will, so kann ihre Spiel von Pablo de Sarasates Carmen Fantasie eigentlich nur noch sprachlos machen: ein Werk, dem noch den meisten eingefleischten Virtuosen ehrfurchtsvoll entgegentreten. Wieder verdichtet Gina Friesicke ihre Tongebung derart konsequent, dass ihr Violinspiel zur eindringlichen Singstimme wird. Noch temperamentvoller phrasiert sie die T\u00f6ne, dass es jubelt, schluchzt und seufzst, noch\u00a0 unwirklicher wirkt diese perfekt-unangestrengte Instrumentenbeherrschung in allen akrobatischen\u00a0 Flagolettglissandi und Doppelgriffpassagen bis in h\u00f6chste Lagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gina Friesicke, hat damit alle Karten gelegt, um k\u00fcnftig die B\u00fchnen dieser Welt zu erobern. Denn diese brauchen eine derart selbstbewusste, gestaltungsm\u00e4chtige Interpretin!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Stefan Pieper, Juli 2018]<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hertener Schlosskonzerte: Ludwig van Beethoven, Eug\u00e8ne Isaye, Witold Lutoslawsky, Edvard Grieg, Pablo de Sarasata; Gina Keiko Friesicke (Violine), Christian K\u00f6hn (Klavier) (Gina Keiko Friesicke, Foto von: Anette Kriete) Die Violinsonate c-Moll op. 45 des diesen Monat 175. 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