{"id":2635,"date":"2018-07-01T08:34:56","date_gmt":"2018-07-01T06:34:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2635"},"modified":"2018-07-02T08:39:02","modified_gmt":"2018-07-02T06:39:02","slug":"vier-legenden-in-einer-box","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/07\/01\/vier-legenden-in-einer-box\/","title":{"rendered":"Vier Legenden in einer Box"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Major 744106; EAN: 8 14337 01441 4 (Kleiber: Major 705608; EAN: 8 14337 010656 \u2013 Solti: Major 711708; EAN: 8 14337 01117 8 \u2013 Bernstein: Major 735908; EAN: 8 14337 01359 \u2013 Karajan: Major 737608; EAN: 8 14337 01376 9)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img src=\"https:\/\/media1.jpc.de\/image\/w220\/front\/0\/0814337014414.jpg\" width=\"300\/\" \/><br \/>\n<strong>Great Conductors: Carlos Kleiber, I\u2019m lost to the world; Sir Georg Solti, Journey of a lifetime; Leonard Bernstein, larger than life; Herbert von Karajan, Maestro for the screen \u2013 Filme von Georg W\u00fcbbolt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Vier legend\u00e4re Dirigenten erleben wir aus der Perspektive von Georg W\u00fcbbolt, der prominente Stimmen und Angeh\u00f6rige der K\u00fcnstler vor die Linse holt, um ein umfassendes Bild zu schaffen. Die Filme erschienen alle bereits einzeln, nun gibt es sie in einer Box: Carlos Kleiber: I\u2019m lost to the world, Sir Georg Solti: Journey of a lifetime, Leonard Bernstein: larger than life, Herbert von Karajan: Maestro for the screen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unterschiedlicher k\u00f6nnten die vier Dirigenten kaum sein, denen diese Box gewidmet ist: Der weltferne, im Schatten seines Vaters stehende Carlos Kleiber, der Kriegsemigrant und sp\u00e4tere Sir Georg Solti, der feierw\u00fctige Leonard Bernstein und der egozentrische B\u00fchnenmensch Herbert von Karajan. Doch was verbindet diese Gr\u00f6\u00dfen, die wohl den meisten Klassikh\u00f6rern ein Begriff sein d\u00fcrften? Es ist ihr Perfektionismus, ihre Liebe zum Detail und ihre Einmaligkeit der Ausstrahlung. Sie rufen Kontroversen hervor, machten sich nicht selten unbeliebt bei den Musikern, nur um ihre Ideologie durchzusetzen und alles f\u00fcr die Musik zu geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Georg W\u00fcbbolt belichtet die Pers\u00f6nlichkeiten der Dirigenten auf seine eigene und wiedererkennbare Weise, sein Stil zieht sich durch alle Dokumentationen durch und verbindet sie gleich einem roten Faden. Zentral f\u00fcr ihn ist, Angeh\u00f6rige, Freunde und Mitstreiter zu Wort kommen zu lassen, die auch die dunklen Seiten nicht verbergen. Dar\u00fcber hinaus unterstreicht er das Gesagte durch wohl gew\u00e4hlte Aufnahmen von Konzerten und Proben, was bestimmte Aspekte hervorhebt.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Carlos Kleiber: I am lost to the world<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eCarlos Kleiber dirigiert nur, wenn sein K\u00fchlschrank leer ist\u201c, geh\u00f6rt zu den bekanntesten Klischees um seine Pers\u00f6nlichkeit. Tats\u00e4chlich trat Kleiber mit zunehmendem Alter seltener auf und beschr\u00e4nkte sein Repertoire auf ein immer schmaleres Repertoire, verlangte im Gegenzug allerdings immer h\u00f6here Gagen. Er wusste um seinen Rang. Und zeitgleich zweifelte er, verglich sich stets mit seinem \u00fcberm\u00e4chtig erscheinenden Vater, dessen Dirigierstil diametral entgegengesetzt war zu seinem eigenen. Der Vater riet Carlos auch von einem Studium der Musik ab, lie\u00df ihn sich f\u00fcr Chemie einschreiben, da ihm die Schwierigkeiten der Musikerlaufbahn selbst nur zu sehr bewusst waren \u2013 doch Carlos schwor den Naturwissenschaften schnell ab, zu stark zog ihn das Kapellmeisterpult an. Wo Erich Kleiber minimalistisch und exakt dirigierte, die Kraft aus seiner geistigen Pr\u00e4senz und seinem eisernen Willen zog, fokussierte sich Carlos auf die Intention des Komponisten, die ihm mehr bedeutete als die genaue Ausf\u00fchrung des Notentextes \u2013 daf\u00fcr bediente er sich einer impulsiven, emotionalen Schlagtechnik, die den H\u00f6rer gefangen hielt. Kleibers Bewegungen zeichneten sich durch horizontale Linien aus, welche den Fluss der Musik beschrieben.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Sir Georg Solti: Journey of a Lifetime<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Nationalsozialisten in \u00d6sterreich einmarschierten und die Ungarn eine \u00dcbernahme ihres Landes f\u00fcrchteten, verzeichnete Georg Solti gerade erste Erfolge als Assistent von Bruno Walter und Arturo Toscanini in Salzburg, nachdem er sich unter anderem bei B\u00e9la Bart\u00f3k, Ernst von Dohn\u00e1nyi, Zolt\u00e1n Kod\u00e1ly und Le\u00f3 Weiner ausbilden lie\u00df. Die Rechte der Juden wurden beschr\u00e4nkt, das Auftreten verboten, weshalb Solti nach London emigrierte und dort schon bald die Leitung des London Philharmonic Orchestras \u00fcbernahm, zudem seinen Namen von Gy\u00f6rgy zu Georg \u00e4nderte. Von England kam er \u00fcber die Schweiz nach Deutschland, wirkte als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper. 1947 begann Solti, f\u00fcr Decca aufzunehmen und schuf von da an bis zu seinem Tod hunderte Referenzaufnahmen, widmete sich l\u00e4ngere Zeit haupts\u00e4chlich den Schallplattenaufnahmen. 1961 kehrte er nach London zur\u00fcck, leitete das Royal Opera House und wurde 1972 britischer Staatsb\u00fcrger, nahm allerdings zuvor schon 1969 eine Stelle als Chefdirigent des Chicago Symphony Orchestras an, womit er sich nach jahrelanger Opernt\u00e4tigkeit nun der Symphonik verschrieb. Bis zu seinem Lebensende 1997 wirkte Solti zeitgleich in verschiedenen L\u00e4ndern und selbst ein Herzinfarkt konnte ihn nicht von seinen T\u00e4tigkeiten abhalten; die Folgen dessen sollten schlie\u00dflich sein Leben kurz vor seinem 85. Geburtstag beenden.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0Herbert von Karajan: Maestro for the screen<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Georg Solti und Herbert von Karajan waren Konkurrenten, ohne sich begegnen zu m\u00fcssen: Ihre Schallplatten galten als Referenz, wodurch der Vergleich naheliegt. Angeblich kaufte Karajan jede neue Aufnahme von Solti und umgekehrt, um jeweils die Darbietung des anderen zu studieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Karajan lebte f\u00fcr die Technik und die Reproduktion seines k\u00fcnstlerischen Werks, Aufnahmen sollten ihn unsterblich machen. Sein Leben lang forschte er nach immer besseren Aufnahmem\u00f6glichkeiten, Kameraperspektiven und Wegen der Selbstdarstellung. Mit unterschiedlichen Produzenten probierte Karajan sich aus, Reichenbach, Clouzot und Niebeling loteten das Gleichgewicht zwischen Bild und Ton neu aus. Sp\u00e4ter war es der Maestro selbst, der die Filme schnitt und sich so selbst in Szene setzen konnte: Wer erkennt nicht die ber\u00fchmte Locke und die geschlossenen Augen, die zarten wie pr\u00e4zisen Handbewegungen? Karajan gr\u00fcndete seine eigene Filmproduktion, Telemondial, wodurch die Berliner Philharmoniker zu einem der reichsten Orchester weltweit wurde. Die letzten Jahre seines Lebens arbeitete Karajan an seinem Verm\u00e4chtnis: der Aufnahme und Wiederaufnahme eines riesigen Repertoires, wodurch noch lang nach seinem Tod sein Ruhm weiterleben sollte \u2013 und dies noch immer tut.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: justify;\"><strong>Leonard Bernstein: Larger Than Life<\/strong><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu den gro\u00dfen Jubilaren dieses Jahr geh\u00f6rt neben Claude Debussy und Gottfried von Einem auch der 1918 geborene Leonard Bernstein, eine zerrissene und kontroverse Figur, die als Dirigent, Pianist, Komponist, Lehrer und Moderator in Erinnerung bleibt. \u00dcber Nacht wurde Bernstein ber\u00fchmt, als er f\u00fcr Bruno Walter einspringen musste und in dieser spontanen Rolle das Publikum in den Bann riss. Auf Einladung Georg Soltis leitete er als erster Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg das Orchester der Bayerischen Staatsoper. Die deutschsprachigen L\u00e4nder etablierten sich als eine Art zweite k\u00fcnstlerische Heimat f\u00fcr Bernstein, er war regelm\u00e4\u00dfiger Gastdirigent beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und den Wiener Symphonikern. Unsterblich machten ihn zwei seiner Kompositionen, West Side Story und Candide, sowie allgemein seine B\u00fchnenwerke; seine reine Instrumentalmusik hingegen erreichte nie an diesen \u00fcberw\u00e4ltigenden Erfolg. Bernstein erwies sich als ph\u00e4nomenaler P\u00e4dagoge, galt nicht nur als erstklassiger Lehrer, sondern brachte viele Kinder und Jugendlichen durch die \u201eYoung People\u2019s Concerts\u201c und \u201eOmnibus\u201c an die klassische Musik heran. Die letzten Jahre \u00fcber verschrieb er sich vermehrt der Lehrt\u00e4tigkeit \u2013 Bernstein wollte sein Wissen weitergeben, bevor er stirbt. Einmalig war Bernsteins Vertrauen in seine Musiker, wenn er pl\u00f6tzlich mitten im Konzert das Dirigieren aufh\u00f6rte und nur der Musik lauschte: Hier entstand eine Verbindung, welche bis heute ihresgleichen sucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Juni 2018]<\/strong><\/p>\n<pre><a href=\"https:\/\/partner.jpc.de\/go.cgi?pid=116&amp;wmid=cc&amp;cpid=1&amp;target=https:\/\/www.jpc.de\/jpcng\/classic\/detail\/-\/art\/great-conductors\/hnum\/8075600\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img src=\"https:\/\/media1.jpc.de\/image\/w220\/front\/0\/0814337014414.jpg\" width=\"100\" \/><strong>   Bestellen bei jpc<\/strong><\/a><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Major 744106; EAN: 8 14337 01441 4 (Kleiber: Major 705608; EAN: 8 14337 010656 \u2013 Solti: Major 711708; EAN: 8 14337 01117 8 \u2013 Bernstein: Major 735908; EAN: 8 14337 01359 \u2013 Karajan: Major 737608; EAN: 8 14337 01376 9) Great Conductors: Carlos Kleiber, I\u2019m lost to the world; Sir Georg Solti, Journey of a &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/07\/01\/vier-legenden-in-einer-box\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Vier Legenden in einer Box<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[2687,2690,2689,640,2686,2688],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2635"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2635"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2635\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5166,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2635\/revisions\/5166"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2635"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2635"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2635"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}