{"id":264,"date":"2015-12-02T14:07:48","date_gmt":"2015-12-02T13:07:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=264"},"modified":"2015-12-02T14:07:48","modified_gmt":"2015-12-02T13:07:48","slug":"pfiffige-blaeser-auf-pionierreise","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/12\/02\/pfiffige-blaeser-auf-pionierreise\/","title":{"rendered":"Pfiffige Bl\u00e4ser auf Pionierreise"},"content":{"rendered":"<p>Arcana A 391, ISBN: 3 760195 733912<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/201511261141_0001.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-265\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/201511261141_0001-300x266.jpg\" alt=\"201511261141_0001\" width=\"300\" height=\"266\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/201511261141_0001-300x266.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/201511261141_0001-1024x907.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Das Bl\u00e4serensemble Zefiro spielt unter Leitung seines Gr\u00fcnders Alfredo Bernadini Werke von Michael und Franz Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Friedrich Witt, Gioacchino Rossini, Gaetano und Giuseppe Donizetti, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Franz Schubert und Louis Spohr.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nicht ohne Augenzwinkern wird man schon den Titel der vorliegenden CD des Labels Arcana, nunmehr Teil des <em>Outhere music<\/em>-Imperiums, zur Kenntnis nehmen. Dabei ist es ein durchweg seri\u00f6ses Anliegen, welches der versierte Oboist Alfredo Bernadini mit einigen Gleichgesinnten hier zum Ausdruck bringen m\u00f6chte. Es handelt sich, wie man dem sehr ausf\u00fchrlichen und historisch fundierten Booklettext Bernadinis entnehmen kann, um zweierlei: Zum einem um die Tatsache, welch eigenst\u00e4ndige, aber gerne untersch\u00e4tzte Rolle Bl\u00e4serensembles und -orchester in der Musikgeschichte spielten; zum anderen um die Faszination des neuzeitlichen Europa f\u00fcr morgenl\u00e4ndische Exotismen in der Kunst, die generell als \u201eT\u00fcrkerien\u201c bezeichnet wurden. Beide Ph\u00e4nomene, sowohl an und f\u00fcr sich als auch in der Symbiose, interessierten diverse namhafte Komponisten, und die daraus resultierenden k\u00fcnstlerischen Ergebnisse haben nun Bernadini und dessen <em>Zefiro<\/em>-Ensemble zu einem Konzeptalbum vereinigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Den Start dieser Pioniertat, die im Januar diesen Jahres in der Gustav Mahler-Halle in Toblach mitgeschnitten wurde, macht Michael Haydn mit einem T\u00fcrkischen Marsch f\u00fcr Bl\u00e4ser. Daf\u00fcr, dass dieser Meister oft auf die Rolle des Salzburger Dommusikmeisters eingeschr\u00e4nkt erscheint, beweist der Marsch erstaunliche Frische und Einfallsreichtum, was die <em>Zefiri<\/em> mit Neugier und Spielfreude direkt umsetzen. Einen angenehmen Kontrast dazu bietet die <em>Introduzione <\/em>zum zweiten Teil der<em> Sieben letzten Worte des Erl\u00f6sers am Kreuze<\/em> von Franz Joseph Haydn in einer Fassung f\u00fcr Bl\u00e4ser. Sehr zu loben ist bei den authentischen Instrumenten und deren Nachbildungen das Wiener Kontrafagott von Augustin Rorarius, welches Maurizio Barigione rein und stimmig beherrscht, was gerade bei historischen Instrumenten und deren Stimmung nicht selbstverst\u00e4ndlich ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Insgesamt ist es der reizvolle Wechsel zwischen Wiederentdeckungen und \u201eAltbekanntem\u201c (in neuem Gewand), was die CD so lohnenswert macht. Hierzu tr\u00e4gt ein weiterer Komponist im Schatten seines prominenten Bruders bei: Giuseppe Donizetti. Zwar musste Bernadini dessen <em>Marsch f\u00fcr Mahmud<\/em> in F-Dur entsprechend bearbeiten, doch ist dies eine von zwei Ausnahmen auf der CD, zumal es sich hier um Musik handelt, die sich nicht hinter dem Werk Gaetanos zu verstecken braucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Vor allem jedoch ist es der musikalische Anspruch, den Bernadini und seine Musiker bei aller Liebe zu historischen Details verfolgen. Besonders beim Concertino f\u00fcr Oboe und Harmoniemusik von Friedrich Witt \u2013 lange f\u00e4lschlicherweise Carl Maria von Weber zugeschrieben \u2013 beweisen die Mitwirkenden, dass sie mehr k\u00f6nnen als nur musikalische Baisers zu bieten. Mit Leichtigkeit, Ernst und Sinn f\u00fcr das Konzertante geben sie dieses Kleinod wieder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch ein Nocturno in C-Dur MWV P.1 Felix Mendelssohn-Bartholdys, das dieser mit gerade 15 Jahren schrieb, weist eine \u00e4hnliche Gro\u00dfanlage auf. Wenn hier das <em>Allegro vivace<\/em> eintritt, macht sich der Begriff \u201eHarmoniemusik\u201c auf andere Art bemerkbar: Mit stetem klanglichen Zusammenhalt pr\u00e4sentieren die <em>Zefiri<\/em> einen symphonischen \u201eFr\u00fchwurf\u201c des Komponisten, der trotz seiner gro\u00dfen Anlage keineswegs \u00fcberladen, sondern transparent und durchdacht wirkt. Lediglich an einigen leisen Stellen vergreift sich die Fl\u00f6te mal, doch w\u00e4re es kleinlich, daraus ein gro\u00dfes Manko zu konstatieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gelegenheit zur solistischen Gestaltung erhalten die Hornisten Dileno Baldin und Francesco Meucci in den ersten zwei Minuten der Kleinen Trauermusik Franz Schuberts D 79. Gerade f\u00fcr alte H\u00f6rner ist es nicht leicht, einen sauberen und musikalischen Duktus zu finden, zumal in einer Tonart wie es-Moll. Das gelingt den beiden Musikern hier jedoch tadellos. Im gemessenen <em>Grave<\/em>-Rhythmus und unsentimental formen sie diese Trauermusik, auch zusammen mit anderen Bl\u00e4sern, als sch\u00f6nen Gegenpol zum vorhergehenden Nocturno. Nichtsdestoweniger ist es die eher heitere Seite, die das Ensemble <em>Zefiro<\/em> insgesamt haupts\u00e4chlich vertritt, so auch beim gro\u00dfen Abschluss der CD, dem Notturno Op. 34 von Louis Spohr. Nicht umsonst erinnert der erste Satz in C-Dur dieses sechss\u00e4tzigen Werkes wiederum an Haydns T\u00fcrkischen Marsch. Umso differenzierter komponiert ist das folgende <em>Menuetto allegro<\/em>, in c-Moll stehend, zugleich auch beschwingter. Ganz im Stile seiner Zeit klingt das Thema des dritten Satzes, eines <em>Andante von variazioni<\/em>. Und gerade hier zeigen die einzelnen Musiker, wie viel Leben, Virtuosit\u00e4t und Facettenreichtum sie aus ihren Instrumenten hervorlocken k\u00f6nnen, zumal man nicht unbedingt den Eindruck bekommt, es handle sich hier um radikale \u201ehistorische Auff\u00fchrungspraxis\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Keine T\u00fcrkerie, aber sehr wohl ein historischer Exotismus ist die folgende <em>Polacca <\/em>mit Trio, und auch hier fehlen niemals die Spielfreudigkeit und klangliche Ausgewogenheit des Ensembles. Geht man davon aus, dass ein Nocturno eher ruhig und dunkel zu klingen habe, so erf\u00fcllt diesen Stereotyp am ehesten das darauffolgende <em>Adagio<\/em>, welches die <em>Zefiri <\/em>mit gleichm\u00e4\u00dfigem Fluss sowie mit Ernst ohne Schwere zu spielen verm\u00f6gen. Doch schlie\u00dft Bernadini seinen Booklettext nicht umsonst mit folgendem Satz: \u201eEs mag \u00fcberraschen, dass so viele laute Instrumente f\u00fcr eine Nocturne vorgesehen sind&#8230; Aber wer sagt denn, dass die Zeit der Nacht best\u00e4ndig ruhig sein soll?\u201c Die Antwort liegt im letzten Track der CD, dem <em>Finale vivace<\/em>, einem Rondo. Darin offenbaren die Musiker, vor allem die Klarinetten, nochmals ihr ganzes technisches und musikalisches K\u00f6nnen, ohne dabei zu eilig oder gar l\u00e4rmend zu klingen, und beschlie\u00dfen somit ihre pfiffige Pionierreise durch die Zeit, die zugleich ein kleiner Beitrag zum eher vernachl\u00e4ssigten Repertoires ist, w\u00fcrdevoll ab.<\/p>\n<p><strong>[Peter Fr\u00f6hlich, Dezember 2015]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arcana A 391, ISBN: 3 760195 733912 Das Bl\u00e4serensemble Zefiro spielt unter Leitung seines Gr\u00fcnders Alfredo Bernadini Werke von Michael und Franz Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Friedrich Witt, Gioacchino Rossini, Gaetano und Giuseppe Donizetti, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Franz Schubert und Louis Spohr. 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