{"id":267,"date":"2015-11-27T16:58:50","date_gmt":"2015-11-27T15:58:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=267"},"modified":"2015-11-27T16:58:50","modified_gmt":"2015-11-27T15:58:50","slug":"ein-engel-im-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/11\/27\/ein-engel-im-jetzt\/","title":{"rendered":"Ein Engel im Jetzt"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Isotopia Records; isotopia 001; EAN: 5 060268 640887<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/0012.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-268\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/0012-300x268.jpg\" alt=\"0012\" width=\"300\" height=\"268\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/0012-300x268.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/0012.jpg 594w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Constance Hauman wagt einen ganz neuen Stil in ihrem Album Falling Into Now, welches die erste Ver\u00f6ffentlichung ihres neu gegr\u00fcndeten Labels Isotopia Records im Vertrieb Naxos ist. An der Seite der singenden und klavierspielenden Constance Hauman agiert der Schlagzeuger Ross Pederson, der neben Drums und Percussion auch Bass, Gitarre und Midi \u00fcbernimmt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Falling Into Now in eine Genreschublade zu stecken, w\u00fcrde dem Album alles andere als gerecht werden. Die S\u00e4ngerin Constance Hauman ist ein wahres Cham\u00e4leon auf dem Gang durch die Musikgeschichte: Bekannt geworden durch ein spontanes Einspringen in Bernsteins Candide und heute vor allem respektiert durch die erste Live-Einspielung von Alban Bergs Lulu, wo sie in Koppenhagen in der Titelrolle zu h\u00f6ren ist, kann Constance Hauman auch anders. In Falling Into Now experimentiert sie vor allem mit elektronischen Kl\u00e4ngen und atmosph\u00e4rischen Klangwolken, aber ebenso mit Improvisation. Dieser Musik einen eindeutigen Stempel aufzudr\u00fccken oder der Versuch, sie m\u00f6glichst umfassend unter eine allgemeing\u00fcltige Beschreibung zu zw\u00e4ngen, w\u00fcrde ihre Unmittelbarkeit und ihre offene Vielschichtigkeit ignorieren. Jeder Titel f\u00fcr sich fordert eigentlich eine individuelle Besprechung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Constance Hauman erweist sich auch in dieser experimentellen Musik als eine Musikerin ersten Ranges. Sie kann sich flexibel in jeder Stimmung und jedem Stil zurechtfinden, ohne dass es zu irgendeiner Zeit gek\u00fcnstelt oder gespielt wirkte. Ihre Stimme ist klar und lupenrein, kann jedoch bei Bedarf auch sehr d\u00fcstere Timbres annehmen und mit spontanen Umschw\u00fcngen verbl\u00fcffen. Besonders zeichnet sich Haumans Stimme durch einen oft eingesetzten leichten Hauchton aus, der ihr immer etwas frivol Lockendes sowie Selbstsicheres verleiht. Bei jedem Ton f\u00fchlt der H\u00f6rer ihre Verbundenheit mit ihren Liedern und den Rollen, in die sie zu schl\u00fcpfen vermag; sie f\u00fchlt sich durchgehend wohl in ihrer Haut und bl\u00fcht in der Musik auf, als g\u00e4be es f\u00fcr sie nichts sch\u00f6neres auf der Welt, als gerade eben genau dieses St\u00fcck zu singen. Hinzu kommt eine unbestechliche Sauberkeit aller Noten bis in die ung\u00fcnstigsten Lagen und in allen Dynamikabstufungen, die sie so voll auszunutzen vermag. \u00c4u\u00dferst angenehm f\u00e4llt auch auf, dass Constance Hauman nicht zu denen geh\u00f6rt, die \u00fcber jeden Ton ein ausgebreitetes Vibrato legen m\u00fcssen, sie benutzt dieses sowie auch andere Klangeffekte nur dann, wenn es ihr auch wirklich sinnvoll erscheint und l\u00e4sst sie somit nicht zur blo\u00dfen mechanischen Routine werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Relativ randst\u00e4ndig genannt auf diesem Album wird Ross Pederson, der abgesehen vom Klavier f\u00fcr alle Instrumentals zust\u00e4ndig sowie f\u00fcr Aufnahme und Mix verantwortlich ist. Pederson schafft ein dichtes Klanggewebe, \u00fcber dem Constance Hauman sich frei entfalten kann, ohne darin unterzugehen oder isoliert auf einer hohlen Begleitung zu schweben. Stets besitzt das Instrumental eine rhythmische Pr\u00e4gnanz und vielseitige Anlage. Insgesamt ist es recht effektgeschw\u00e4ngert und immer wieder durchsetzt von elektronischen Klangspektren oder Echoeffekten, welche jedoch auch nicht zu standardisiert und vor allem nicht zu \u00fcbertrieben her\u00fcberkommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Programmauswahl mit vierzehn Titeln auf von Constance Hauman geschriebene Texte deckt ein breites Spektrum an verschiedensten Welten ab, die alle gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Kein Lied f\u00e4llt auf irgendeine Art und Weise negativ aus dem Rahmen. Selbst die Improvisationen sind \u00e4u\u00dferst stringent und werden zusammengehalten durch einen bewussten Spannungsbogen, sowohl vom Gesang her als auch hinsichtlich der Begleitstimmen. Direkt vom ersten Einsatz in Dark Angel an, welches f\u00fcr mich sofort an erster Stelle ein absolutes Highlight darstellt, wird der H\u00f6rer gefesselt und l\u00e4sst sich in alle Bereiche der menschlichen Gef\u00fchlswelt mitschleifen. Bei jedem neuen Track fiebert man aufs Neue, was nun folgen mag, und auch innerhalb der St\u00fccke bleibt man so oft im Ungewissen, was einen als n\u00e4chstes erwartet, dass einen die Spannung und die Konzentration nicht verlassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Booklettext ist leider nicht beigegeben, und so sind alle Informationen \u00fcber die Musiker, die ja doch recht aufschlussreich w\u00e4ren, aus dem Internet zusammenzusuchen. Daf\u00fcr bietet das Begleitheft eine ausgesprochen k\u00fcnstlerische Aufmachung, jede Seite ist in einem neuen und stets stimmigen Stil gelayoutet und passt vollkommen zu den jeweilig abgedruckten Liedtexten. Die S\u00e4ngerin stellt sich auf den beigef\u00fcgten Fotos immer wieder in verschiedenem Licht dar, und so h\u00fcllt sich auch um sie eine k\u00fcnstlerisch geheimnisvolle Aura, die das ganze Album charakterisiert. Aufgenommen wurde die Musik zwischen 2012 und 2014 in New York City und Paris &#8211; hier steckt eine lange und ausgereifte Arbeit dahinter, und diese wird h\u00f6rbar!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, November 2015]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Isotopia Records; isotopia 001; EAN: 5 060268 640887 Constance Hauman wagt einen ganz neuen Stil in ihrem Album Falling Into Now, welches die erste Ver\u00f6ffentlichung ihres neu gegr\u00fcndeten Labels Isotopia Records im Vertrieb Naxos ist. 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