{"id":2752,"date":"2018-08-21T13:40:55","date_gmt":"2018-08-21T11:40:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2752"},"modified":"2018-08-22T17:53:52","modified_gmt":"2018-08-22T15:53:52","slug":"zwei-rachmaninow-meisterwerke-in-mustergueltiger-aufnahme","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/08\/21\/zwei-rachmaninow-meisterwerke-in-mustergueltiger-aufnahme\/","title":{"rendered":"Zwei Rachmaninow-Meisterwerke in musterg\u00fcltiger Aufnahme"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">BR-Klassik, LC 20232; EAN: 4 035719001549<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0025.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2753\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0025-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0025-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0025-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0025-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0025-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0025.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Sergey Rachmaninov: The Bells, Symphonic Dances; Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons (Leitung)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Auf dem BR-Klassik Label gibt es nun die beiden vielleicht bedeutendsten Orchesterwerke Sergei Rachmaninows, die vierteilige Chorsinfonie \u201eDie Glocken\u201c sowie die \u201eSymphonischen T\u00e4nze\u201c mit Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in wirklich Ma\u00dfst\u00e4be setzenden Live-Mitschnitten (Jan. 2016 bzw. Jan. 2017) aus dem M\u00fcnchner Herkulessaal. Ein neuer H\u00f6hepunkt in Mariss Jansons\u2018 Diskographie. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nicht erst, seitdem einem Rachmaninows Klavierkonzerte (insbesondere Nr. 2 &amp; 3) langsam aus den Ohren zu quellen drohen, war mein Lieblingswerk des russischen Komponisten dessen gro\u00dfe, viers\u00e4tzige Chorsinfonie <em>Die Glocken<\/em> (1913). Die Vertonung des ber\u00fchmten Gedichts Edgar Allen Poes in der monumentalen \u00dcbersetzung Konstantin Balmonts (man vergleiche Strawinskys <em>Zwesd\u00f3liki &#8211; Le Roi des \u00e9toiles\u00a0<\/em>nur ein Jahr zuvor) ist ein gewaltiger Kosmos des Lebens und des Todes \u2013 von den die Jugend symbolisierenden Schlittengl\u00f6ckchen des ersten Satzes \u00fcber Hochzeitsglocken, Sturmglocken bis zu den Totenglocken des Finales. Dass <em>Mariss Jansons<\/em> hierbei mit den nuancenreichen Instrumentationseffekten ad\u00e4quat umzugehen wei\u00df, ist schon fast selbstverst\u00e4ndlich. Aber wie ihm durch kongeniales Timing gelingt, die verschiedenen Stimmungen wirklich auf den Punkt zu bringen und dabei den perfekt einstudierten Chor (<em>Peter Dijkstra<\/em>) zu konstanten H\u00f6henfl\u00fcgen zu verleiten, erscheint geradezu sensationell. Das St\u00fcck h\u00f6rt man in Deutschland leider viel zu selten; <em>Simon Rattles<\/em> Einspielung von 2012 war zugleich die erste Auff\u00fchrung mit den Berliner Philharmonikern \u00fcberhaupt! Aber es gibt ein paar gute CDs: Meine bisherige Referenz war <em>Vladimir Ashkenazy<\/em> (Decca 1984), mit ebenfalls \u00fcberzeugender Chor- und Orchesterleistung (Concertgebouw). Jansons hat das dramaturgische Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wie quasi volkst\u00fcmlich anmutende Melodik im Zusammengehen mit gregorianischen Ankl\u00e4ngen (<em>Dies irae<\/em>) eine solche emotionale Durchschlagskraft entwickelt, dass man den zur Entstehungszeit eigentlich r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Kompositionsstil gerne vergisst. Wenn ich mir den apokalyptischen dritten Satz anh\u00f6re, so nimmt etwa Rattle zu Beginn ein schnelleres, aufgeregteres Tempo. Nach den ersten beiden Eskalationswellen ist hier aber bereits so viel Pulver verschossen, dass das <em>Poco meno <\/em>nach der Fermate (Zif. [71]) nicht mehr breit genug genommen wird, und die weiteren Steigerungen l\u00e4ngst nicht mehr die Energie entwickeln wie bei Jansons, der an gleicher Stelle ruhiger beginnt, aber trotz mehr klanglichen Gewichts schier unendliche Reserven zu haben scheint. An derartigen Scharnierstellen zeigt sich vielfach die \u00fcberlegene Souver\u00e4nit\u00e4t des lettischen Dirigenten. Idealbesetzungen sind auch die drei Gesangssolisten, grandios der Bariton <em>Alexey Markov<\/em> im vierten Satz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf gleiche Weise \u00fcberzeugend gelingen Jansons die drei <em>Symphonischen T\u00e4nze<\/em>, Rachmaninows letztes Orchesterwerk und irgendwie die Summe seines Schaffens \u2013 mit zahlreichen Anspielungen auf fr\u00fchere Werke; und auch das <em>Dies irae<\/em> ist nat\u00fcrlich wieder mit dabei. Sowohl was die gro\u00dfen B\u00f6gen der weitgespannten S\u00e4tze angeht als auch die Detailarbeit, ist diese Live-Auff\u00fchrung zweifellos eine echte Sternstunde. Hier wird Jansons\u2018 lange Rachmaninow-Erfahrung verlustfrei auf ein Orchester \u00fcbertragen, dessen homogene Spitzenleistung die reine Freude ist und bei mir selbst die 1995er-Aufnahme von <em>Jewgeni Swetlanow <\/em>(Canyon Classics) vom Thron st\u00f6\u00dft. Diese auch aufnahmetechnisch musterg\u00fcltige CD sollte sich kein Rachmaninow-Fan entgehen lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u00dcbrigens: Wer nun nach all dem Lob glaubt, da sei nichts mehr zu toppen, konnte in M\u00fcnchen eines Besseren belehrt werden: Keine vier Wochen nach dem Jansons-Konzert hat hier im Februar 2017 <em>Kirill Petrenko<\/em> mit dem Bayerischen Staatsorchester bei den <em>Symphonischen T\u00e4nzen <\/em>nach einhelliger Meinung tats\u00e4chlich noch eins draufgelegt \u2013 <em>felix Bavaria<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Martin Blaumeiser, August 2018]<\/strong><\/p>\n<pre><a href=\"https:\/\/partner.jpc.de\/go.cgi?pid=116&amp;wmid=cc&amp;cpid=1&amp;target=https:\/\/www.jpc.de\/jpcng\/classic\/detail\/-\/art\/die-glocken-symphonische-taenze\/hnum\/7985736\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img class=\"alignnone size-medium wp-image-2753\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0025-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0025-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0025-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0025-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0025-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0025.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><strong>   Bestellen bei jpc<\/strong><\/a><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BR-Klassik, LC 20232; EAN: 4 035719001549 Sergey Rachmaninov: The Bells, Symphonic Dances; Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons (Leitung) Auf dem BR-Klassik Label gibt es nun die beiden vielleicht bedeutendsten Orchesterwerke Sergei Rachmaninows, die vierteilige Chorsinfonie \u201eDie Glocken\u201c sowie die \u201eSymphonischen T\u00e4nze\u201c mit Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in wirklich Ma\u00dfst\u00e4be setzenden &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/08\/21\/zwei-rachmaninow-meisterwerke-in-mustergueltiger-aufnahme\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zwei Rachmaninow-Meisterwerke in musterg\u00fcltiger Aufnahme<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[249,2774,2770,241,2772,2773,2769,2771],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2752"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2752"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2752\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2759,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2752\/revisions\/2759"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2752"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2752"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2752"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}