{"id":2760,"date":"2018-08-24T18:59:07","date_gmt":"2018-08-24T16:59:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2760"},"modified":"2018-08-24T19:00:14","modified_gmt":"2018-08-24T17:00:14","slug":"die-isolierteste-oper-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/08\/24\/die-isolierteste-oper-der-welt\/","title":{"rendered":"Die isolierteste Oper der Welt"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ein mehrt\u00e4giges Festival um eine Opernproduktion, das auf einer kleinen Insel stattfindet, etwa vier Stunden Bootsfahrt von der n\u00e4chsten Stadt entfernt? Das klingt nach einem Abenteuer f\u00fcr mich: Und so mache ich mich erneut auf nach Norwegen, diesmal nach R\u00f8st.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-2761 size-large\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0026-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"604\" height=\"403\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0026-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0026-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0026-768x512.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reise geht \u00fcber Oslo nach Bod\u00f8, von wo aus die F\u00e4hre nach R\u00f8st ablegt. Nach etwa drei Stunden auf dem Schiff erhebt sich langsam eine Wand aus den Wogen, befremdlich und unwirklich. Je n\u00e4her das Boot kommt, desto bedrohlicher wirken die Landmassen, die sich \u00fcber den Horizont erstrecken. Durch das Teleobjektiv erkenne ich H\u00e4user und allm\u00e4hlich teilt sich die Wand; sie erweist sich als eine Ansammlung unz\u00e4hliger kleiner Inseln, die gedr\u00e4ngt aneinander aufragen. R\u00f8stlandet kommt in Sicht \u2013 in gro\u00dfz\u00fcgiger Entfernung zueinander stehende Holzh\u00e4user und manch eine Betonhalle zur Stockfischlagerung pr\u00e4gen den ersten Eindruck, dahinter erkenne ich die nun im Sommer leeren Holzgestelle, auf denen der Fisch getrocknet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So befinde ich mich also auf R\u00f8stlandet, der s\u00fcdwestlichsten Insel der Lofoten. Die geringe Gr\u00f6\u00dfe und Bev\u00f6lkerungsdichte wirken f\u00fcr mich als Gro\u00dfstadtmenschen exotisch, doch eben hier liegt auch der Reiz. Weniger als 600 Menschen leben in der R\u00f8st-Kommune auf etwa 11 Quadratkilometern, die sich auf weit \u00fcber 300 Inseln und Sch\u00e4ren verteilen. Kleine Binnenseen und Wasserkan\u00e4le machen die Landschaft ebenso aus wie Steine und Wiesenfl\u00e4chen: B\u00e4ume findet man keine auf R\u00f8st, zumindest keine nat\u00fcrlich gewachsenen. Der Blick reicht weit \u00fcber die Hauptinsel, denn der h\u00f6chste Punkt befindet sich gerade einmal 12 Meter \u00fcber dem Meeresspiegel. Auf der Ostseite befinden sich die meisten H\u00e4user, und im S\u00fcden bei der Bootsanlegestelle; im Norden liegt eine Kirchenruine und im Nordosten ein Flughafen: wobei ich w\u00e4hrend meiner Zeit auf R\u00f8st nur ein einziges Mal eine Maschine habe starten sehen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-2762 size-large\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0027-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"604\" height=\"403\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0027-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0027-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0027-768x512.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mich beeindruckt die Mentalit\u00e4t hier in der Abgeschiedenheit. Kriminalit\u00e4t gibt es keine auf R\u00f8st, weshalb auch kaum jemand auf die Idee kommt, Wohnung oder Auto abzusperren. Warum auch? Selbst wenn jemand einbrechen w\u00fcrde, k\u00e4me er \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 bis auf die F\u00e4hre, und nicht weiter. Trotz eines beinahe famili\u00e4ren Zusammenhalts in der Gemeinschaft sind die Einwohner ausgesprochen offen gegen\u00fcber ihren G\u00e4sten und man findet schnell Anschluss an Gespr\u00e4che. Nat\u00fcrlich hilft es hierbei wie auch \u00fcberall sonst, die Landessprache zu k\u00f6nnen, jedoch beherrschen alle Einwohner auch Englisch und viele sogar etwas Deutsch. Es finden allerdings weniger Touristen nach R\u00f8st als auf die anderen Lofoten: Vielleicht aufgrund der Entfernung zu den anderen Inseln, vielleicht aufgrund der verschwindend geringen Gr\u00f6\u00dfe. Doch es lohnt sich!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Querinifestival begann bereits am 1. August, ich sto\u00dfe erst zwei Tage sp\u00e4ter dazu. F\u00fcnf Tage lang werden verschiedenartige Veranstaltungen angeboten, allen voran vier Auff\u00fchrungen der Oper \u201eQuerini\u201c aus der Feder Henning Sommerros; doch auch andere Konzerte stehen auf dem Programm, ebenso wie Ausfl\u00fcge. Ich werde sp\u00e4ter dazu kommen, was es mit Querini auf sich hat und warum ausgerechnet hier dieses riesenhafte Ereignis stattfindet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-2763 size-large\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0028-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"604\" height=\"403\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0028-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0028-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0028-768x512.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Direkt nach meiner Ankunft steht bereits ein erster Konzertbesuch an: Die ebenfalls von den Lofoten stammende S\u00e4ngerin Kari Bremnes tritt erstmalig auf R\u00f8st auf, wobei sie von Bengt Hanssen begleitet wird. Bremnes geh\u00f6rt zu den bekanntesten Stimmen Norwegens und entsprechend voll wird es in der Querinihalle, die 500 Pl\u00e4tze umfasst. Rein und schlicht tr\u00e4gt sie ihre Lieder vor, singt, wie f\u00fcr sich ganz alleine. Bengt E. Hanssen ersetzt eine ganze Band, indem er seiner Klavierstimme auch zahlreiche Effekte und Kl\u00e4nge anderer Instrumente beif\u00fcgt. Herrliche Momente beschert uns der Musiker durch sein Joiken: Ein Joik ist ein samischer Gesang, in dem die T\u00f6ne mehr Bedeutung tragen als die Worte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unterhaltsam geht es am n\u00e4chsten Tag weiter mit Rasmus Rohde, der gemeinsam mit seiner \u201everdens beste band\u201c (\u201eweltbesten Band\u201c) einige der erfolgreichsten norwegischen Lieder-CDs f\u00fcr Kinder eingespielt hat und zeigt, dass Musik alles andere als \u00f6de oder uncool ist. In seinen Liedern erz\u00e4hlt er von interessanten Mahlzeiten, reisenden Ballons, naiven Kuscheltieren und Sommererlebnissen. Er kann auf hohem musikalischem Niveau nicht nur den Kleinen ein Lachen entlocken. Denkw\u00fcrdig bleibt der Moment, in dem Rohde die Stimmung kurz umschwingen l\u00e4sst und von einem Fl\u00fcchtlingskind singt, das seine Reise nicht \u00fcberlebt hat. Gewagt, aber wichtig, den Kindern im Rahmen solch eines Konzerts diese Thematik n\u00e4herzubringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenige Stunden sp\u00e4ter beginnt die Hauptveranstaltung: die vierte und somit letzte Auff\u00fchrung der Querini-Oper von Henning Sommerro. Es ist die Geschichte des italienischen Handelsmannes Pietro Querini, dessen Schiff in einem Sturm vom Kurs abkam und sank. Nach langer orientierungsloser Reise strandete eines der Rettungsboote auf Sand\u00f8y, einer Nachbarinsel von R\u00f8st. Die \u00fcberlebenden M\u00e4nner wurden von einheimischen Fischern gefunden und gepflegt, wobei nur der \u00f6rtliche Priester durch seine Lateinkenntnisse zwischen Italienern und Norwegern vermitteln konnte. Nach drei oder vier Monaten reisten Querini und die \u00fcbrigen zehn \u00dcberlebenden der urspr\u00fcnglichen 68 M\u00e4nner zur\u00fcck nach Italien; mit an Bord nahmen sie gro\u00dfe Mengen an Stockfisch, der sich als Proviant f\u00fcr lange Reisen ideal eignet, und brachten ihn mit in die Heimat. Damit war Querini vermutlich der erste, der den Stockfisch importierte und somit eine bis heute bestehende Verbindung zwischen Nordnorwegen und Italien schuf. In den letzten Jahren kam auf R\u00f8st die Geschichte um Querini vermehrt in Erinnerung: Zun\u00e4chst benannte man eine Stra\u00dfe nach dem Seefahrer, dann das Wirtshaus der Insel. Schlie\u00dflich wurde die Idee geboren, die Aufzeichnungen Querinis \u00fcber seine Abenteuer als Oper zu vertonen, was durch den Komponisten Henning Sommerro und den Librettisten Ragnar Olsen dann auch geschah und 2012 das Licht der Welt erblickte. 2018 wird die Geschichte nach 2012 und 2014 zum dritten Mal auf die B\u00fchne gebracht, diesmal in neuer Inszenierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Oper zeigt das Geschehen vom Aufbruch in Venedig bis zu Querinis R\u00fcckkehr, wobei ein Kormoran (Soetkin Baptist) als omnipr\u00e4sente Erz\u00e4hlerrolle fungiert. Die Wahl dieses Vogels wirkt nicht abwegig, er ist Wappentier von R\u00f8st und auch in Venedig heimisch. Insgesamt drei Liebesgeschichten durchziehen die Oper: Eine fromme Liebe verbindet Pietro Querini (Magne Fremmelid) und seine Frau (Anna Einarsson) und \u00fcberdauert alle r\u00e4umliche und zeitliche Distanz. Auch Bernardo (Eivind Kandal), Mitglied in Querinis Crew, sehnt sich nach seiner Maria (Jeanette Goldstein), die wie alle Frauen in Venedig geblieben ist. Diese wird allerdings von einem neuen Freier umgarnt (Jacob Abel Tjeldberg): Anfangs widersteht sie ihm, doch als die Crew noch immer nicht wiederkehrt und f\u00fcr tot gehalten wird, gibt sie nach. Am Ende kommt Bernardo zur\u00fcck, und vergibt ihr. Eine dritte Liebesbeziehung entsteht zwischen Nicolo (Ivar Magnus Sandve), dem Diener Querinis, und Igna (Henriette Lerstad), einem M\u00e4dchen aus R\u00f8st. Obgleich die beiden nicht die Sprache des jeweiligen Gegen\u00fcbers verstehen, sp\u00fcren sie eine innere Verbindung. Als Querini aufbricht, um nach Venedig zur\u00fcckzukehren, muss sich auch das Paar trennen, denn Igna wird auf R\u00f8st und Nicolo an Bord gebraucht. Das Ende der Oper zeigt, wie die Crew den Stockfisch in Venedig pr\u00e4sentiert und dort davon \u00fcberzeugt. Ein Gabelstapler mit einer Palette Stockfisch f\u00e4hrt herein und er\u00f6ffnet den Blick in unsere Gegenwart, in der noch immer Stockfisch von Norwegen nach Italien gebracht wird, wenngleich in anderen Mengen und mit anderen Mitteln.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-2764 size-large\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0029-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"604\" height=\"453\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0029-1024x768.jpeg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0029-300x225.jpeg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0029-768x576.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht nur die Rollenverteilung erweist sich als aufwendig mit genannten Solisten plus Rollen f\u00fcr Christofero aus Querinis Mannschaft (Magnus Berg), einer Hausfrau auf R\u00f8st (Hildegunn Pettersen), einem Fischer (Thomas Johansen) und dessen Tochter (Sofie Alexandra Arntsen), sondern auch das B\u00fchnenbild. Die Szenerie wechselt immer wieder zwischen Italien und Norwegen; teils muss das Geschehen \u00fcberblendet werden, um eine Gleichzeitigkeit der Handlung auszudr\u00fccken. Dies gelingt durch fahrbare Elemente wie ein Kirchenfenster, eine Treppe, eine Gondel oder die L\u00f6wens\u00e4ule, die alle schnell auf die B\u00fchne gebracht und ebenso schnell wieder herausgeschoben werden k\u00f6nnen. Dem Lebensstandard entsprechend gestaltet sich die Szenerie auf R\u00f8st schlichter: Ein gro\u00dfer Felsen pr\u00e4gt das Bild, sp\u00e4ter erg\u00e4nzt durch ein Holzger\u00fcst, auf dem der Fisch zum trocknen aufgehangen wird. Eine Videokulisse im Hintergrund erweckt die B\u00fchne zum Leben, sie l\u00e4sst rasche \u00dcberg\u00e4nge zu und verleiht dem Sturm eine glaubw\u00fcrdige Wucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Musikalisch steht die Querini-Oper zwischen den St\u00fchlen, Henning Sommerro verpflichtet sich nicht einem Stil, sondern integriert unterschiedlichste Einfl\u00fcsse in seine Musik. Dem Orchester vertraut Sommerro manche modernen Effekte an, die S\u00e4ngerpartien setzt er konventioneller. Die aus Italien stammenden Rollen entleihen sich ihren Stil dem Belcanto, die norwegischen Partien ziehen ihre Kraft aus folkloristischen Elementen wie Bordunt\u00f6nen, spannungstragenden Intervallen und dem Joik. Liebesszenen stellt Sommerro gerne musicalartig-idealisiert dar, das Duett zwischen Nicolo und Igna k\u00f6nnte beinahe einem Disneyfilm entspringen. Allgemein lie\u00dfe sich die Querini-Oper als \u201eHit-Oper\u201c bezeichnen, so wie es beispielsweise Carmen von Bizet ist: Eine F\u00fclle an eing\u00e4ngigen Melodien schmeichelt dem Ohr, wiederkehrende Refrains gehen ins Ohr und pr\u00e4gen sich ein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das klingende Resultat ist herzergreifend. Das Engagement f\u00fcr dieses eine Event, die Auff\u00fchrung eines wichtigen Moments der Inselgeschichte, und der Zusammenhalt als eingespieltes Team \u00fcbertragen sich auf den H\u00f6rer. Die Mitwirkenden wollen ihr Bestes geben und so tun sie es auch. Bei Voraussetzungen, die unterschiedlicher kaum sein k\u00f6nnten, unterst\u00fctzen sich alle gegenseitig in einem famili\u00e4ren Umfeld. Besetzt wurden die Rollen durch Profis wie Laien gleicherma\u00dfen: Manche der S\u00e4nger standen erstmals auf einer B\u00fchne, andere regelm\u00e4\u00dfig seit Jahrzehnten; und die Erfahrenen spornen die Neulinge an, \u00fcber ihre Grenzen hinauszuwachsen. Es erstaunt, dass auf einer so kleinen Insel so hohes musikalisches Niveau erklingt. Hervorgehoben sei dabei der Chor, der sowohl das Volk aus Venedig als auch die norwegischen Inselbewohner darstellen muss, jeweils mit der entsprechenden regionalen F\u00e4rbung des Gesangs. Er steht ausgesprochen h\u00e4ufig auf der B\u00fchne und wechselt in den kurzen Verschnaufpausen auch noch die Kost\u00fcme. Auch das Orchester leistet viel, die \u201eQuerini Sinfonietta\u201c unter Torodd Wigum wurde extra f\u00fcr das Festival zusammengestellt; sie erweist sich als gutes Team, das sowohl aufeinander wie auch auf die S\u00e4nger aktiv eingeht. Bestechend ist die Rolle des Querini durch Magne Fremmelid, einem sonoren Bass mit durchdringender Stimme und Blick f\u00fcr gl\u00e4nzende Details. Jeanette Goldstein \u00fcberzeugt als Maria, sp\u00fcrbar fiebert das Publikum mit, als sich ihre Liebesaff\u00e4re zuspitzt. Heimliche Hauptrolle der Oper bleibt allerdings Soetkin Baptist als Kormoran: In Erinnerung bleibt sie durch ihre erstaunlich naturnahen Vogelrufe, aber auch durch ihren sinnlich-feinen Gesang von unbeschreiblicher Reinheit. Die aus Belgien stammende S\u00e4ngerin lebt sich in ihre ungew\u00f6hnliche Rolle ein und geht in ihr auf, schauspielerisch wie s\u00e4ngerisch: Dieses Talent ist einer gro\u00dfen Entdeckung w\u00fcrdig!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Oper schlie\u00dft sich eine Gala an, in welcher die Musiker von Querini noch Highlights aus anderen Opern darbieten. Die erste H\u00e4lfte steht im Zeichen von Bizets Carmen, danach tragen die S\u00e4nger noch einige ihrer pers\u00f6nlichen Lieblingsarien vor. Bei Carmen (in norwegischer \u00dcbersetzung!) steht vor allem der Spa\u00df im Vordergrund, kecke Scherze und lustige Momente werden in die Musik eigebunden; die zweite H\u00e4lfte birgt manch einen Opernschatz, der gewissenhaft und reflektiert dargeboten wird.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-2765 size-large\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0030-e1535129718391-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"604\" height=\"453\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0030-e1535129718391-1024x768.jpeg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0030-e1535129718391-300x225.jpeg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0030-e1535129718391-768x576.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am kommenden Tag schlie\u00dft das Querini-Festival traditionell mit einem Ausflug nach Skomv\u00e6r, ein kleines K\u00fcnstlerparadies s\u00fcdwestlich der Hauptinsel. Mit dem Boot kommen wir an Inseln mit Wikingergr\u00e4bern vorbei, am \u201eTor zur H\u00f6lle\u201c und an Sand\u00f8y, wo Querini und seine Mannschaft 1432 gestrandet sind. Nur f\u00fcnf H\u00e4user stehen auf Skomv\u00e6r, eines davon ist der vielbesungene und -abgelichtete Leuchtturm Skomv\u00e6r fyr. K\u00fcnstler aus aller Welt bewerben sich f\u00fcr einen dreiw\u00f6chigen Aufenthalt auf diesem Fleckchen Land, wo sie in Abgeschiedenheit arbeiten und sich von der Landschaft sowie dem einmaligen Licht inspirieren lassen k\u00f6nnen. W\u00e4hrend unseres Aufenthalts sehen und h\u00f6ren wir einige der hier entstandenen Kunstwerke inklusive des von den Querini-Solisten vorgetragene Lied \u201eHar du fyr?\u201c von Ola Bremnes. Bei dieser unbeschwerten Idylle kann ich mir kaum vorstellen, dass diese kleine Meereserhebung im Zweiten Weltkrieg strategisch umk\u00e4mpft war und schlie\u00dflich vermint wurde. Heute ist nichts mehr \u00fcbrig von dieser dunklen Vergangenheit und der Blick auf die benachbarten Inseln und das Meer l\u00e4sst zur\u00fcckdenken an die vergangenen Tage. Die Zeit auf R\u00f8st wird mir lange in Erinnerung bleiben, alleine schon die Anreise auf der F\u00e4hre und die Herzlichkeit der Leute, die gem\u00fctliche Lebensf\u00fchrung und gleichzeitig der Ehrgeiz, gemeinsam Gro\u00dfes zu schaffen, und das alles in unverwechselbarer Landschaft und mit dem Gef\u00fchl von Freiheit.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter wp-image-2766 size-large\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0031-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"604\" height=\"453\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0031-1024x768.jpeg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0031-300x225.jpeg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/N0031-768x576.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 604px) 100vw, 604px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, August 2018]<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">(Alle Fotos von: Oliver Fraenzke, August 2018)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein mehrt\u00e4giges Festival um eine Opernproduktion, das auf einer kleinen Insel stattfindet, etwa vier Stunden Bootsfahrt von der n\u00e4chsten Stadt entfernt? 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