{"id":2782,"date":"2018-09-02T11:02:58","date_gmt":"2018-09-02T09:02:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2782"},"modified":"2018-09-03T11:32:45","modified_gmt":"2018-09-03T09:32:45","slug":"von-beethoven-bis-bierflaschen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/09\/02\/von-beethoven-bis-bierflaschen\/","title":{"rendered":"Von Beethoven bis Bierflaschen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Lawo, LWC1130; EAN: 7 090020 181523<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2783\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0034-300x298.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"298\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0034-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0034-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0034.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ketil Hvoslef: Chamber Works No. IV; Ricardo Odriozola, M<\/strong><strong>\u0101ra \u0160miuk\u0161e (Violin), Einar R<\/strong><strong>\u00f8ttingen (Klavier), <\/strong><strong>Ilze Klava (Viola), John Ehde (Cello), Steinar Hannevold (Oboe), James Lassen (Fagott), Britt Pernille Lindvik (Trompete), H<\/strong><strong>\u00e5vard Sannes (Posaune), H<\/strong><strong>\u00e5kon Nilsen (Klarinette)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die vierte der insgesamt neun CDs mit Kammermusik des norwegischen Komponisten Ketil Hvoslef ist erschienen: Sie enth\u00e4lt das fr\u00fche Sextett, das Beethoventrio, das Klavierquintett und den Nordischen Kontrapunkt f\u00fcr Fiedeln und Bierflaschen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seine Eigenst\u00e4ndigkeit und pers\u00f6nliche Aussage sowie sein instinktives Gesp\u00fcr f\u00fcr Form machen Ketil Hvoslef zu einem der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart. 1939 wurde er als j\u00fcngster Sohn des gro\u00dfen Symphonikers Harals S\u00e6verud geboren, dessen Ruf zwar kaum die Grenzen Norwegens \u00fcberschreitet, aber dessen Werke doch von Musikern wie Leopold Stokowski oder Jan Henrik Kayser gesch\u00e4tzt, gespielt und aufgenommen wurden. Als Ketil nach Anf\u00e4ngen als Maler entschloss, sich doch der Musik zuzuwenden, nahm er den Namen seiner Mutter Marie Hvoslef an. Doch woher kam der Entschluss, sich von der bildenden Kunst abzuwenden? Es war das Urteil seines Lehrers, das Hvoslef zu diesem Bruch trieb: es gebe keine eigene Aussage in seinem Werk. Und vielleicht gab dies auch Ansto\u00df zu einer nie endenden Suche nach dem \u201eEigenen\u201c in seiner Musik: Hvoslef schw\u00f6rt allen Konventionen ab, hat sich nie den Avantgardisten angeschlossen, den Postavantgardisten, Spektralisten, Minimalisten oder sonst einer Stilgruppe. Stattdessen schreibt er Musik, wie sie in ihm aufkommt und sich in ihm entwickelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Musik von Ketil Hvoslef entwickelt sich frei und organisch, \u00fcberrascht den H\u00f6rer immer wieder und spielt mit Erwartungen. Der Norweger liebt es, sich selbst Grenzen zu setzen und in seinen M\u00f6glichkeiten zu beschneiden, um dadurch einen stringenten Fluss zu f\u00f6rdern, der eben nicht durch eine unendliche Vielzahl an Ideen und M\u00f6glichkeiten seinen Lauf verliert. Einfachste Mittel gen\u00fcgen Ketil Hvoslef, um mit ihnen die Spannung aufrechtzuerhalten, ohne gek\u00fcnstelte Manierismen oder Effekthascherei. Die Musik erregt den H\u00f6rer und bannt die Aufmerksamkeit, ein Zur\u00fccklehnen oder passives H\u00f6ren hingegen verwehrt sie vollst\u00e4ndig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das fr\u00fcheste Werk, das f\u00fcr die CD-Reihe eingespielt wurde, ist das <em>Sextett<\/em>, welches noch Bez\u00fcge zu Strawinsky aufweist und durch kontinuierliche Rhythmik und herbe Kontraste besticht. Dunkel und beinahe gruselig erscheint das <em>Beethoventrio<\/em>, wenngleich ein heiteres Thema aus Beethovens Trio op. 11 immer wieder dazwischenfunkt \u2013 wobei diese Ausgelassenheit durch den Kontext immer weiter in Frage gestellt wird. Der<em> Nordische Kontrapunkt<\/em> f\u00fcr Fiedeln und Bierflaschen wirkt wie ein humorvolles Intermezzo, und doch handelt es sich um seri\u00f6se Musik, die beweist, dass Ketil Hvoslef sogar aus Bierflaschen ein Melodieinstrument zaubern kann. Die Flaschen dienen nicht einem reinen Effekt, sondern geben tats\u00e4chlich einen Kontrapunkt zu den beiden Violinen und werden eher wie eine Panfl\u00f6te behandelt. Das Hauptwerk dieser CD ist allerdings das <em>Klavierquintett<\/em>, welches Hvoslef dem Pianisten Einar R\u00f8ttingen widmete, es f\u00fcr und mit ihm schrieb. Es besteht aus einem einzigen Satz, der mit einer L\u00e4nge von 27 Minuten zu den l\u00e4ngsten Kammermusiks\u00e4tzen des Norwegers geh\u00f6rt. Thematisiert wird die Wechselwirkung zwischen einem Klavier und vier zusammengeh\u00f6rigen Streichern. Das Quintett lie\u00dfe sich als Anti-Quintett bezeichnen, denn das Klavier ist weder virtuos, noch sticht es als Solist hervor: Hvoslef beschneidet seine M\u00f6glichkeiten, indem er nur die n\u00f6tigsten T\u00f6ne setzt und dabei aus wenigen nackten Noten den vollen Ausdruck sch\u00f6pfen will. Das Klavier k\u00e4mpft meist gegen die Streicher an, aber nimmt doch hin und wieder ihre Ideen und Kl\u00e4nge auf \u2013 nicht ohne sie in ganz anderes Licht zu r\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie auch der Komponist wohnen die meisten Musiker dieser Aufnahme in Bergen und kennen sich, musizieren entsprechen lange Zeit miteinander und mit Ketil Hvoslef. Wir h\u00f6ren ein Klangresultat aus jahrelanger Freundschaft, intensiver Arbeit und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese Art von Musik. Alles ist am rechten Platz, die Musiker spielen wie aus einem Atem heraus und k\u00f6nnen jedes noch so feine Detail umsetzen: Imponierend gestaltet sich das Finale des Klavierquintetts, welches aus einem sich langsam steigernden Crescendo und ebenso langsam abfallenden Decrescendo besteht, beide beinahe unrealisierbar lang. Doch es gelingt den Musikern, eine absolut konstante Dynamikschwellung zu verwirklichen! Andere Effekte wirken auf subtilerer, unterschwelligerer Ebene, wurden in gleicher Weise fein und bewusst umgesetzt. Hier h\u00f6ren wir eine absolut grandiose Leistung aller Beteiligten, wie sie ihresgleichen sucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, September 2018]<\/strong><\/p>\n<pre><a href=\"https:\/\/partner.jpc.de\/go.cgi?pid=116&amp;wmid=cc&amp;cpid=1&amp;target=https:\/\/www.jpc.de\/jpcng\/classic\/detail\/-\/art\/hvoslef-chamber-works-no\/hnum\/7452903\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img class=\"alignnone size-medium wp-image-2783\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0034-300x298.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0034-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0034-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0034.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><strong>\u00a0\u00a0 Bestellen bei jpc<\/strong><\/a><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lawo, LWC1130; EAN: 7 090020 181523 Ketil Hvoslef: Chamber Works No. IV; Ricardo Odriozola, M\u0101ra \u0160miuk\u0161e (Violin), Einar R\u00f8ttingen (Klavier), Ilze Klava (Viola), John Ehde (Cello), Steinar Hannevold (Oboe), James Lassen (Fagott), Britt Pernille Lindvik (Trompete), H\u00e5vard Sannes (Posaune), H\u00e5kon Nilsen (Klarinette) Die vierte der insgesamt neun CDs mit Kammermusik des norwegischen Komponisten Ketil Hvoslef &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/09\/02\/von-beethoven-bis-bierflaschen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Von Beethoven bis Bierflaschen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[1416,1419,2807,2806,1428,2805,1422,2808,65,1414,1427,1421,1423],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2782"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2782"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2782\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5179,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2782\/revisions\/5179"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2782"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2782"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2782"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}