{"id":2789,"date":"2018-09-05T11:55:15","date_gmt":"2018-09-05T09:55:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2789"},"modified":"2018-09-10T23:15:11","modified_gmt":"2018-09-10T21:15:11","slug":"mademoiselle-die-hochgeruehmte-paedagogin-als-komponistin","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/09\/05\/mademoiselle-die-hochgeruehmte-paedagogin-als-komponistin\/","title":{"rendered":"\u00abMademoiselle\u00bb &#8211; Die hochger\u00fchmte P\u00e4dagogin als Komponistin"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Delos (2CD); LC 04487; EAN: 0 1349134962 6<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0035.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2790\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0035-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0035-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0035-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0035.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>&#8222;Mademoiselle &#8211; Premi\u00e8re Audience. Unknown Music of Nadia Boulanger&#8220;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Auf DELOS erschien bereits vor einiger Zeit eine hochinteressante Doppel-CD, die u.a. das gesamte Lied- und Kammermusikschaffen der als Ikone der Musikp\u00e4dagogik \u2013 vor allem f\u00fcr gut zwei Generationen amerikanischer Komponisten \u2013 geltenden Franz\u00f6sin Nadia Boulanger enth\u00e4lt, zum gro\u00dfen Teil als Erstaufnahmen. Ein l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lliges Projekt!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>\u00a0\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nadia Boulanger (1887-1979) gilt als die vielleicht einflussreichste Musikp\u00e4dagogin \u00fcberhaupt. Selbst zweifellos ein Wunderkind (mit neun am Pariser <em>Conservatoire, <\/em>als Organistin vertritt sie mit 16 Jahren ihren Lehrer <em>Faur\u00e9<\/em>), muss sie nach dem Tod des Vaters (1900) fr\u00fch ihr eigenes Geld als Pianistin und Lehrerin verdienen. Als Komponistin gewinnt sie beim <em>Prix de Rome<\/em> 1908 allerdings \u201enur\u201c den 2. Preis. Bereits ihr Vater Ernest hatte 1835 den 1. Preis erhalten, ihre j\u00fcngere Schwester Lili (1893-1918) gewinnt diesen \u2013 als erste Frau \u2013 1913. Ob wegen des Schocks \u00fcber deren fr\u00fchen Tod oder weil Nadia tats\u00e4chlich der Meinung ist, ihre eigenen Kompositionen seien im Vergleich zu denen Lilis \u201ewertlos\u201c, gibt sie das Komponieren 1922 auf. Ab 1921 unterrichtet sie an den neu gegr\u00fcndeten Instituten <em>\u00c9cole Normale de Musique<\/em> und dem <em>Conservatoire Am\u00e9ricain<\/em> in Fontainebleau. In Amerika dirigiert sie als erste Frau die gro\u00dfen Orchester, wirbt unerm\u00fcdlich f\u00fcr die Werke ihrer Schwester. Die Liste ihrer Kompositions-Studenten liest sich wie das <em>Who Is Who<\/em> der amerikanischen Musikgeschichte, darunter <em>Elliott Carter, Aaron Copland, Roy Harris, Walter Piston<\/em>, aber auch <em>Dinu Lipatti, \u00c1stor Piazzolla <\/em>oder <em>Daniel Barenboim <\/em>sowie etliche polnische Gr\u00f6\u00dfen geh\u00f6ren zu den Sch\u00fclern. <em>Mademoiselle<\/em>, wie Nadia von ihnen genannt wird, bleibt bis an ihr Lebensende aktiv.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Obwohl ihr kompositorisches \u0152uvre recht schmal ist, sind von Nadias 26 Klavierliedern auf dieser Ver\u00f6ffentlichung 13 Erstaufnahmen. Sie werden hier, anders als beim Konzert im Dezember 2015 in der M\u00fcnchner Musikhochschule, wo 12 davon \u00fcberhaupt erst uraufgef\u00fchrt wurden (!), nicht chronologisch angeordnet, um <em>\u201edem H\u00f6rer zu erm\u00f6glichen, Boulangers sch\u00f6ne Musik aufgrund ihres intrinsischen \u2013 nicht historischen \u2013 Werts zu genie\u00dfen\u201c\u00a0<\/em>(Booklet-Text). Dies erschwert dann allerdings, tats\u00e4chlich einzusch\u00e4tzen, wie stark ihre Entwicklung gerade zuletzt in den sechs wirklich sensationellen Liedern von 1921\/22 Anschluss an die Moderne findet und Nadias eigenes Werturteil sp\u00e4testens da widerlegt werden muss. Die \u00e4lteren Lieder bewegen sich von direkter Faur\u00e9-Nachfolge bis zu einem gem\u00e4\u00dfigten Impressionismus \u2013 noch mit klarer Tonalit\u00e4t. Sie sind alle stimmungsvoll, der Klaviersatz ist pr\u00e4chtig, die Begleitung immer unkonventionell; h\u00e4ufig wird ein Motiv wie eine Klangfl\u00e4che behandelt, die jeweils eine zentrale Stimmung symbolisiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die jeweils drei St\u00fccke f\u00fcr Klavier bzw. Violoncello &amp; Klavier sind allerdings eher Gelegenheitskompositionen, ohne sich aus der Masse zeitgen\u00f6ssischen franz\u00f6sischen Repertoires herauszuheben. Interessanter dann wieder die Orgelwerke, die an der Cavaill\u00e9-Coll-Orgel der Pariser <em>Madeleine <\/em>aufgenommen wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Darbietungen der Lieder sind alle erstklassig, die Begleitung von <em>Lucy Mauro <\/em>kann dabei besonders \u00fcberzeugen und sie spielt auch die Kammermusikst\u00fccke. Geradezu ideal passen die Stimmen von <em>Nicole Campbell <\/em>(Sopran) und <em>Edwin Crossley-Mercer <\/em>(Bariton), lediglich der Tenor <em>Alek Shrader <\/em>wirkt in der H\u00f6he etwas angestrengt, sein Deutsch bei den drei Heine-Liedern ist nicht ganz perfekt. Die Wiedergabe der Orgelst\u00fccke durch den langj\u00e4hrigen Titularorganist an der <em>Madeleine, Fran\u00e7ois-Henri Houbart,<\/em> darf klanglich als authentisch gelten, ist aber schon extrem s\u00fc\u00dflich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch das Booklet ist vorbildlich: Neben den kompletten Gesangstexten (original\/englisch) und Anmerkungen zu jedem einzelnen Werk enth\u00e4lt es einen sehr pers\u00f6nlichen Beitrag der Delos-Produzentin <em>Carol Rosenberger<\/em>, selbst in den 1950ern Sch\u00fclerin von \u00ab<em>Mademoiselle\u00bb<\/em>. Dies ist ein wichtiger Schritt zu einer verdienten Rehabilitierung der Komponistin Nadia Boulanger und kann jedem Liebhaber franz\u00f6sischer Musik nur dringend ans Herz gelegt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Martin Blaumeiser, August 2018]<\/strong><\/p>\n<pre><a href=\"https:\/\/partner.jpc.de\/go.cgi?pid=116&amp;wmid=cc&amp;cpid=1&amp;target=https:\/\/www.jpc.de\/jpcng\/classic\/detail\/-\/art\/mademoiselle-premiere-audience\/hnum\/6392534\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong><img class=\"alignnone size-medium wp-image-2790\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0035-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0035-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0035-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/N0035.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\u00a0\u00a0 Bestellen bei jpc<\/strong><\/a><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Delos (2CD); LC 04487; EAN: 0 1349134962 6 &#8222;Mademoiselle &#8211; Premi\u00e8re Audience. 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