{"id":2838,"date":"2018-10-06T12:14:36","date_gmt":"2018-10-06T10:14:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2838"},"modified":"2018-10-05T12:19:23","modified_gmt":"2018-10-05T10:19:23","slug":"junge-solisten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/10\/06\/junge-solisten\/","title":{"rendered":"Junge Solisten"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kammerphilharmonie dacapo M\u00fcnchen; <\/strong><strong>Konzert am 30. September 2018: <\/strong><strong>Junge Solisten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden, wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt, hast du mein Herz zu warmer Lieb\u2018 entzunden, hast mich in eine bess\u2019re Welt entr\u00fcckt! (Franz Schubert op. 88 No.4 \/ Text Franz Schober) \u201eAn die Musik\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn man die Welt von heute so betrachtet, wahrhaft ein wilder umstrickender Kreis, es ist zum Verzweifeln, wohin man auch schaut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und dann kommen im vollbesetzten Festsaal des K\u00fcnstlerhauses an einem Sonntag Abend Menschen, um das erste Konzert der neuen Saison zu h\u00f6ren. Ein Konzert mit drei jungen Solistinnen und Solisten unter der \u00c4gide der M\u00fcnchner Kammerphilharmonie dacapo mit Franz Schottky als Leiter. Es wird ein denkw\u00fcrdiger Auftakt zu einer neuen Spielzeit des vor 18 Jahren gegr\u00fcndeten Orchesters.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den Beginn macht die Ouvert\u00fcre \u201eIl Signor Bruschino\u201c von Gioachino Rossini. Besser kann ein Konzert kaum beginnen als mit dieser immer wieder aufs Neue faszinierenden Musik, die so leicht daher kommt und doch so tief geht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich begr\u00fc\u00dft Franz Schottky zu Beginn das Publikum mit einer seiner kurzen Ansprachen, was zur Atmosph\u00e4re des Abends entscheidend beitr\u00e4gt. Man w\u00fcnscht sich so ein \u201eAnsprechen\u201c durchaus \u00f6fter, um die steife Erwartungshaltung des Publikums ganz leicht und gelassen zu l\u00f6sen. Aber das ist bei dacapo schon Tradition.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als erste Solistin stellt Schottky die junge Bratschistin Lina Bohn vor, mit den ersten beiden S\u00e4tzen des Violakonzertes in D-Dur von Franz Anton Hofmeister (1754-1812). Bohn spielt das Konzert auf einer Viola eines unbekannten Instrumentenbauers und mit einem Bogen von Florian Schneidt, ihre Darbietung klingt souver\u00e4n und enorm musikalisch. Besonders die Kadenzen sind ein Ohren- und Augenschmaus und zu Recht erh\u00e4lt sie gro\u00dfen Beifall. Die Kammerphilharmonie begleitet sowohl aufmerksam als auch intensiv, und schafft so das \u201eSilbertablett\u201c f\u00fcr die Solisten, wie auch in allen anderen St\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als zweites wirkt die Geigerin Laura Katharina Handler als Solistin, diesmal mit dem ersten Satz von Pjotr Iljitsch Tschaikowskis (1840-1893) Konzert f\u00fcr Violine und Orchester in D-Dur op.35. Sie spielt auf einer italienischen Geige mit einem Bogen von Pfretzschner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ebenfalls 20-j\u00e4hrige verzaubert mit ihrer Darbietung dieses durchaus vertrackten St\u00fcckes m\u00fchelos und mit intensivstem musikalischen und geigerischen Einsatz den ganzen Saal. Wieder einmal ereignet sich das Wunder des leibhaftigen Musizierens, was keine noch so perfekte CD auch nur ann\u00e4hernd wiederzugeben vermag. Nat\u00fcrlich l\u00e4sst sich von so viel K\u00f6nnen auch das Orchester anstecken, die Bravos von Publikum und der Beifall der Musiker sind mehr als berechtigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Pause \u2013 in der man zwei nagelneue Autos des neuen Sponsors betrachten kann, nachdem es zu Beginn schon Sekt und sogar f\u00fcr jeden Besucher eine Praline zur \u201eEinstimmung\u201c gab \u2013 k\u00fcndigt Franz Schottky den dritten jungen K\u00fcnstler des Abends an, Hamlet Ambarzumjan, der den Kopfsatz aus Ludwig van Beethovens drittem Klavierkonzert in c-Moll spielt. Der junge, 1999 in Wolgast geborene Pianist \u00fcberzeugt durch sein klares, sowohl kraftvolles als auch sehr lyrisches Spiel. Beethoven ist und bleibt einer der ganz gro\u00dfe Melodiker und \u00fcberrascht doch immer wieder mit der Genialit\u00e4t seiner Kompositionen. Solist und Orchester laufen zu Hochformen auf, begeisterter Applaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wieder ist es beeindruckend, was so junge Menschen wie diese drei sich und der Welt zum Geschenk machen, das ist dann eben die \u201eHolde Kunst\u201c, die einen doch so ganz andere Dimensionen dieser oft ach so unheilvollen Welt dankbarst erleben l\u00e4sst.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum grandiosen Abschluss des Abends dann Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) mit der Sinfonie Nr. 3 in a-Moll op. 56, der \u201eSchottischen\u201c. Und hatte mich schon sein Streichquartett Nr. 6 in f-Moll (das er nach dem fr\u00fchen Tod seiner geliebten Schwester schrieb) tief in den Bann seiner Musik gezogen, so geschah das an diesem Abend beim Anh\u00f6ren dieser Sinfonie auf Neue.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und wie diese Musik, die die Kammerphilharmonie dacapo mit den hinzugekommenen Bl\u00e4sern aufs Vortrefflichste und mit gro\u00dfem Einsatz aller Musikerinnen und Musiker entstehen lie\u00df, weit in die musikalische Zukunft vorauswies auf Wagner und Bruckner zum Beispiel, das war sehr \u00fcberraschend und beeindruckend. Franz Schottky gestaltete die vier S\u00e4tze ohne die sonst bei einer Sinfonie \u00fcblichen Zwischenpausen \u2013 auch da ein Blick in die sinfonische Weiterentwicklung bis zu Sibelius\u2018 eins\u00e4tzigen Werken \u2013 so wurde diese gro\u00dfartige Musik zu einem gro\u00dfartigen Schlussakkord eines denkw\u00fcrdigen Abends.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gro\u00dfer Beifall auch f\u00fcr die einzelnen Instrumental-Solistinnen und -Solisten. Die Kammerphilharmonie dacapo aus M\u00fcnchen ist auf gutem Wege, ein ganz gro\u00dfes Orchester zu werden, auch wenn das vom normalen M\u00fcnchner Zeitungsfeuilleton noch immer nicht zur Kenntnis genommen wird. Aber dies Schicksal teilt es \u2013 wie lange noch? \u2013 mit anderen Orchestern hier in dieser Stadt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">P.S. Wichtiger Nachsatz: Nat\u00fcrlich m\u00f6chte man die drei jungen Solistinnen und Solisten m\u00f6glichst bald mal mit allen S\u00e4tzen ihres heutigen Konzertes h\u00f6ren!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Ulrich Hermann, Oktober 2018]<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kammerphilharmonie dacapo M\u00fcnchen; Konzert am 30. September 2018: Junge Solisten Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden, wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt, hast du mein Herz zu warmer Lieb\u2018 entzunden, hast mich in eine bess\u2019re Welt entr\u00fcckt! 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