{"id":2841,"date":"2018-10-08T08:30:40","date_gmt":"2018-10-08T06:30:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2841"},"modified":"2018-10-13T14:27:12","modified_gmt":"2018-10-13T12:27:12","slug":"peter-ruzicka-ueberzeugt-mit-eigenen-werken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/10\/08\/peter-ruzicka-ueberzeugt-mit-eigenen-werken\/","title":{"rendered":"Peter Ruzicka \u00fcberzeugt mit eigenen Werken"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2858\" aria-describedby=\"caption-attachment-2858\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/musicaviva_181005_0012-800x600.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-2858\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/musicaviva_181005_0012-800x600.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"600\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/musicaviva_181005_0012-800x600.jpg 800w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/musicaviva_181005_0012-800x600-300x225.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/musicaviva_181005_0012-800x600-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2858\" class=\"wp-caption-text\">Foto \u00a9 Astrid Ackermann<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Peter Ruzicka, als langj\u00e4hriger Intendant der M\u00fcnchener Biennale tief mit der Stadt verbunden, hat sich am Dirigentenpult \u2013 auch auf CD \u2013 vor allem f\u00fcr die Werke Hans Werner Henzes eingesetzt. Anl\u00e4sslich seines 70. Geburtstags gab es beim ersten Orchesterkonzert der neuen \u201emusica viva\u201c-Saison mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks am 5.10.2018 erstmals die Gelegenheit, einen kompletten Abend nur mit eigenen Werken des Multitalents Ruzicka zu h\u00f6ren, die einen Zeitraum von gut drei\u00dfig Jahren umspannten.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Konzert beginnt mit den <em>F\u00fcnf Bruchst\u00fccken <\/em>f\u00fcr gro\u00dfes Orchester von 1987, kaum 13 Minuten lang. Die fragmentarisch wirkenden Einzels\u00e4tze skizzieren dennoch die Idee eines symphonischen Ganzen. Ruzicka sagte in der Einf\u00fchrung, dass er die Partitur aufgrund des gro\u00dfen zeitlichen Abstands \u2013 er hatte die <em>Bruchst\u00fccke<\/em> seinerzeit selbst auf CD eingespielt \u2013 quasi neu lernen musste. Heute kann man dieses typisch \u201epostmoderne\u201c Werk mit seinen zahlreichen Mahler-Allusionen ohne die damaligen, meist fruchtlosen Diskussionen viel unbefangener genie\u00dfen. Neben den stark romantisch gepr\u00e4gten Ausdrucksmomenten aus dem Mahlerschen Fundus, die als musikalische \u201eZeichen\u201c ganz im Sinne Hans Werner Henzes sofort verst\u00e4ndlich werden, etwa der die vorausgehenden Turbulenzen beruhigende Trompeteneinsatz am Ende des f\u00fcnften St\u00fcckes, ist aber auch Ruzickas Besch\u00e4ftigung mit dem gro\u00dfen, schwedischen Symphoniker Allan Pettersson und sogar mit Bruckner zu sp\u00fcren \u2013 gerade in den tonalen Ankl\u00e4ngen. Obwohl schlagtechnisch eher sparsam agierend, hat Ruzicka hier alles im Griff, gibt die entscheidenden, auch rein klanglichen Impulse mit gro\u00dfer Klarheit an das \u00fcberaus aufmerksame BR-Symphonie-Orchester weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bei der Urauff\u00fchrung von <em>Loop<\/em> stehen die beiden Trompeter, <em>Sergei Nakariakov <\/em>(auch Fl\u00fcgelhorn) und <em>Giuliano Sommerhalder<\/em> (Piccolotrompete), ganz im Zentrum. Sie spielen wenig gemeinsam, erg\u00e4nzen sich vielmehr gegenseitig zu einem Instrument gr\u00f6\u00dferen Tonumfangs. Die dargebotene Virtuosit\u00e4t ist von Beginn an atemberaubend, soll in ihrer \u00dcbersteigerung gewisserma\u00dfen <em>ausgestellt<\/em>, damit aber auch entpers\u00f6nlicht wirken. Bei den schnellen Abschnitten fungiert das Orchester eher nur als grundierende Klangfl\u00e4che. In den erinnerungsartigen Passagen zeigt sich wieder Ruzickas eminente Begabung f\u00fcr expressive Melodik. Der Schluss mit Fl\u00fcgelhorn bringt unerwartete W\u00e4rme, fast ein wenig kitschig. Diese intelligent mit den Traditionen des Instrumentalkonzerts spielende, sie aber gleichzeitig aufbrechende Komposition ist nicht gerade leichte Kost \u2013 der Beifall f\u00fcr die Solisten aber verdienterma\u00dfen \u00fcberw\u00e4ltigend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>\u2026 Inseln, randlos \u2026 <\/em>ist eigentlich ein Violinkonzert, jedoch gibt es dazu noch einen 16-stimmigen Kammerchor (hier als G\u00e4ste das sich wunderbar einf\u00fcgende <em>Vocalconsort Berlin<\/em>), der zu Beginn nur recht sph\u00e4rische Vokalisen singt, im Zentrum dann aber ein eindringliches, sehr kurzes Gedicht von Paul Celan intoniert. Der Dichter steht nicht nur im Zentrum von Ruzickas erster, gleichnamiger Oper, sondern hat den Komponisten immer schon tief ber\u00fchrt. Am st\u00e4rksten wirken hier Abschnitte, die eher reduziert sind, etwa nach dem Gedicht mit Solovioline, Harfe und Celesta. \u00dcber Strecken gibt es ein f\u00fcr die 1990er-Jahre nicht un\u00fcbliches Versteckspiel zwischen der Solistin und dem Orchester, in dem die Violine manchmal gewollt untergeht, aber dann \u2013 meist durch wahre Kraftakte in der h\u00f6chsten Lage \u2013 wieder Oberwasser bekommt. Leider deckt hier der Dirigent Ruzicka die \u00fcberragende <em>Carolin Widmann <\/em>auch an Stellen gnadenlos zu, wo dies offensichtlich nicht intendiert ist. Widmanns gro\u00dfartiges Flageolettspiel erinnert an Anne Sophie Mutter \u2013 und die gegen Schluss \u201erettenden\u201c Oktaven kommen mit v\u00f6lliger \u00dcberzeugung. Die Solistin ist wirklich \u201edrin\u201c in diesem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Werk \u2013 absolut beeindruckend.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit <em>Flucht \u2013 Sechs Passagen f\u00fcr Orchester <\/em>(2014) endet das mit Bedacht so richtig gew\u00e4hlte Programm; denn hier schlie\u00dft sich in vielerlei Hinsicht ein Kreis, kn\u00fcpfen die attacca ineinander \u00fcbergehenden St\u00fccke an die <em>Bruchst\u00fccke<\/em> an. Ruzicka wollte einen speziellen Tonfall f\u00fcr sein aktuelles Musiktheater \u00fcber Walter Benjamin finden, hat die <em>Passagen <\/em>sp\u00e4ter teilweise als Zwischenspiele in die Oper integriert. Ausdrucksm\u00e4\u00dfig wird eine \u00fcberaus breite Palette abgedeckt: Man findet grandiose Steigerungen, neben brutalen Momenten, die pl\u00f6tzlich abbrechen, Streichersch\u00f6nheit; wie schon im Violinkonzert einen fast Brucknerschen Choral, Kontemplatives neben sich enorm verdichtender Konzentriertheit. Ruzicka verdient h\u00f6chste Bewunderung daf\u00fcr, dass er in seiner Instrumentationskunst \u2013 immer schon \u00e4u\u00dferst differenziert \u2013 nun eine Reife erlangt hat wie kaum jemand seiner Generation. Das BR-Symphonieorchester kann hier aus dem Vollen sch\u00f6pfen, und auch beim Publikum hinterl\u00e4sst dieses zudem unglaublich fassliche Werk den tiefsten Eindruck; der Applaus ist entsprechend. Hoffentlich hat der umtriebige Peter Ruzicka weiterhin gen\u00fcgend Zeit zum Komponieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u00a0\u00a0<strong>[Martin Blaumeiser, Oktober 2018]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Ruzicka, als langj\u00e4hriger Intendant der M\u00fcnchener Biennale tief mit der Stadt verbunden, hat sich am Dirigentenpult \u2013 auch auf CD \u2013 vor allem f\u00fcr die Werke Hans Werner Henzes eingesetzt. Anl\u00e4sslich seines 70. 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