{"id":285,"date":"2015-12-06T22:13:20","date_gmt":"2015-12-06T21:13:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=285"},"modified":"2015-12-06T22:13:35","modified_gmt":"2015-12-06T21:13:35","slug":"musik-fuer-bauch-und-seele-mit-spassgarantie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2015\/12\/06\/musik-fuer-bauch-und-seele-mit-spassgarantie\/","title":{"rendered":"Musik f\u00fcr Bauch und Seele mit Spa\u00dfgarantie"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Cpo 777 875-2; EAN: 761203787524<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Grete3.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-286\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Grete3-300x300.jpg\" alt=\"Grete3\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Grete3-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Grete3-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Grete3.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Manche Familien sind \u00fcber Generationen hinweg der Musik verbunden. Die Familie Jurowski ist so eine Familie: Opa Vladimir \u2013 Komponist, Sohn Michail \u2013 Dirigent, Enkel Vladimir \u2013 ebenfalls Dirigent (wurde k\u00fcrzlich unter etwas merkw\u00fcrdigen Umst\u00e4nden zum Chef des RSO Berlin erkl\u00e4rt). Sch\u00f6n ist es, wenn sich die Generationen quasi die Hand reichen, so, wie auf diesem neuen Album des Labels cpo.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Michail Jurowski dirigiert hier zwei sehr reizvolle Werke seines Vaters Vladimir Jurowski. Jener war bei niemand Geringerem als Nikolai Mjaskowski in die Lehre gegangen, der bekanntlich zu den zwar noch immer vernachl\u00e4ssigten, nichtsdestotrotz aber bedeutenden Sinfonikern Russlands im 20. Jahrhundert z\u00e4hlte. Mjaskowski (der selbst bei Gli\u00e8re, Liadow und Rimsky-Korsakow studierte) hat einige der wichtigsten Komponisten der UdSSR ausgebildet, darunter u.a. Aram Chatchaturjan, Dmitri Kabalewski und Boris Tschaikowsky. Wer in Mjaskowskis Kompositionsklasse ging, der hatte auf jeden Fall Chancen auf eine Karriere in Sowjetrussland.<br \/>\nVladimir Jurowski hingegen verstarb fr\u00fch, und sein \u0152uvre geriet vielleicht auch deswegen in Vergessenheit. Zugegebenerma\u00dfen ist die auf diesem Album zu h\u00f6rende f\u00fcnfte Sinfonie und die Kollektion \u201esinfonischer Bilder\u201c die den neugierig machenden Titel \u201eRussische Maler\u201c tr\u00e4gt, auch kompositorisch nicht dasselbe Niveau wie man es bei den prominenteren Sch\u00fclern Mjaskowskis finden kann. Auch das ausf\u00fchrende Norrk\u00f6ping Symphony Orchestra l\u00e4sst in fast allen Orchestergruppen durchscheinen, dass es nicht zur Elite der nordeurop\u00e4ischen Sinfonieorchester gez\u00e4hlt werden kann, wenngleich es sich sehr erfolgreich bem\u00fcht, seine allerdings allzu offensichtlichen Schw\u00e4chen vergessen zu machen.<br \/>\nTrotz dieser Einschr\u00e4nkungen m\u00f6chte ich diese CD mit russischer Sinfonik jedem w\u00e4rmstens ans Herz legen, der sich f\u00fcr tonale russische und nordeurop\u00e4ische Orchestermusik des 20. Jahrhunderts begeistern kann. Warum? Weil diese Platte einfach Laune macht!<br \/>\nDiese CD ist schlicht und ergreifend eine gro\u00dfe Spa\u00dfmaschine: Diese einfach klasse klingende Musik, die sofort ins Ohr geht, riesig besetzt und sehr effektvoll in Szene gesetzt, diese Ankl\u00e4nge an die Musik von Jurowskis Zeitgenossen, die eine Vergleichbarkeit mit Werken etwa Kurt Atterbergs, Gavriil Popovs oder in Teilen auch Dmitri Schoastakowitschs durchaus erlauben. Das ist einfach so unterhaltsam, dass man dran bleibt, und es verliert auch nach einigen Durchl\u00e4ufen keinen Reiz \u2013 was wiederum durchaus f\u00fcr die Kompositionen spricht.<br \/>\nDie f\u00fcnfte Sinfonie ist riesig besetzt, inklusive einer megalomanisch eingesetzten Kirchenorgel im \u2013 am wenigsten \u00fcberzeugenden \u2013 letzten Satz. Am meisten begeistert mich der erste Satz mit seiner sinistren Hintergr\u00fcndigkeit, seinem effektvollen Dynamikspektrum, den schlau eingesetzten Bl\u00e4serpartien, den nachtgl\u00e4nzenden Streichern und dem \u201eschostakowitschesken\u201c Schluss. Das hat man zu Jurowskis Zeit in den USA auch nicht besser oder effektvoller gemacht.<br \/>\nLeider fallen die beiden anderen S\u00e4tze der Sinfonie im Vergleich zum ersten etwas ab, was die Jurowski-F\u00fcnfte im Endeffekt daran hindert, zu den wirklich gro\u00dfen Werken ihrer Zeit gez\u00e4hlt werden zu k\u00f6nnen.<br \/>\nDie \u201eRussischen Maler\u201c sind im Vergleich zur Sinfonie geradezu brav, was wohl auch die Bilder gewesen sein m\u00f6gen, die der Komposition zum Vorbild dienten \u2013 zumindest legen deren Titel das nahe. Bilder, die Titel tragen wie \u201eIwan Tsarewitsch reitet den Grauen Wolf\u201c, \u201eWinterszene\u201c oder \u201ePortr\u00e4t einer unbekannten Frau\u201c klingen dann eben musikalisch entsprechend.<br \/>\nEin Fazit f\u00fcr diese CD zu ziehen ist also alles andere als einfach: Einerseits haben objektiv betrachtet weder die Werke noch die Interpreten eine unumwundene Empfehlung verdient, andererseits macht dieses Album einfach so viel subjektiven Spa\u00df, dass ich es immer wieder in den CD-Player schiebe und mich daran erfreue. Wer also den Kopf ausschalten kann, bekommt hier Musik f\u00fcr Bauch und Seele mit viel russischem Flair und einer 1A-Spa\u00dfgarantie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Grete Catus, November 2015]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cpo 777 875-2; EAN: 761203787524 Manche Familien sind \u00fcber Generationen hinweg der Musik verbunden. 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