{"id":2864,"date":"2018-10-16T11:21:48","date_gmt":"2018-10-16T09:21:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2864"},"modified":"2018-10-19T02:25:38","modified_gmt":"2018-10-19T00:25:38","slug":"exzellenter-dutilleux-aus-lille","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/10\/16\/exzellenter-dutilleux-aus-lille\/","title":{"rendered":"Exzellenter Dutilleux aus Lille"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Naxos, 8.573746; EAN: 74731337467<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/N0048.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2865\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/N0048-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/N0048-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/N0048-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/N0048.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>Naxos setzt seine Dutilleux-Einspielungen mit dem Orchestre National de Lille fort. Diesmal erklingt unter Chefdirigent Jean-Claude Casadesus die 1. Symphonie, \u00abM\u00e9taboles\u00bb sowie das Kammermusikst\u00fcck \u00abLes Citations\u00bb. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach der \u00fcberraschend guten CD (u.a. mit der 2. Symphonie) unter der Leitung von <em>Darrell Ang<\/em>, die vor knapp anderthalb Jahren bei Naxos erschien (<a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2017\/04\/21\/die-schoenheit-zeitloser-moderne\/\">hier<\/a>\u00a0meine Kritik), darf nun der Chef des Orchestre National de Lille, <em>Jean-Claude Casadesus<\/em>, selbst ran. Henri Dutilleux\u2018 1. Symphonie (1951) war \u00fcberhaupt sein erstes reines Orchesterst\u00fcck. Ein durch und durch unkonventionelles, freilich noch weitestgehend tonales Werk, in dem der franz\u00f6sische Meister bereits seine Eigenst\u00e4ndigkeit und geradezu perfektionistische Instrumentationskunst zeigt. Die vier attacca aufeinander folgenden S\u00e4tze erscheinen auch heute noch frisch, abwechslungsreich, sind in ihrer Klanglichkeit stets \u00fcberraschend, ohne dass der Komponist sich um einen wie auch immer verstandenen Fortschrittsmythos scheren wollte. Gerade die ganz speziellen, sofort die Aufmerksamkeit des H\u00f6rers auf sich ziehenden Klangkombinationen \u2013 etwa die irisierenden Holzbl\u00e4ser mit Celesta im ersten Satz \u2013 stellt Casadesus deutlich als etwas Faszinierendes, Besonderes heraus. Bei der Passacaglia zu Beginn kann man sich fragen, ob sie <em>Witold Lutoslawski<\/em> gekannt hat, sie m\u00f6glicherweise sogar als Vorbild f\u00fcr die Passacaglia in seinem ber\u00fchmten <em>Konzert f\u00fcr Orchester<\/em> gedient haben mag. Der gewaltige Entwicklungsbogen wird von Casadesus mit gro\u00dfer Ruhe und Souver\u00e4nit\u00e4t, aber auch der n\u00f6tigen Unnachgiebigkeit beeindruckend dargestellt; das gilt dann gleicherma\u00dfen auch f\u00fcr die \u00fcbrigen S\u00e4tze. Die Aufnahmetechnik ist diesmal perfekter als bei der vorigen CD und unterst\u00fctzt die kompromisslose Durchsichtigkeit des Dirigenten noch. Die von mir dort kritisierte H\u00f6henbetonung gibt es zum Gl\u00fcck nicht mehr. Hier gelingt eine Aufnahme, die mit ihrer unmittelbaren Direktheit selbst Barenboim (Erato) und Tortelier (Chandos) auf Abstand h\u00e4lt: gro\u00dfartig!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>M\u00e9taboles <\/em>von 1965 ist neben dem Cello- und Violinkonzert wohl das am h\u00e4ufigsten aufgef\u00fchrte gro\u00df besetzte Werk Dutilleux\u2018. Deutlich komplexer und bereits vom Material her elaborierter \u2013 der mittlere der f\u00fcnf wieder kontinuierlichen S\u00e4tze benutzt eine Zw\u00f6lftonreihe, wenn auch eher als ironischen Seitenhieb denn in strenger Sch\u00f6nberg-Manier \u2013 kann das St\u00fcck trotzdem immer wieder mit seinen oft fast jazzartigen Rhythmen und der auch alle Orchestergruppen getrennt herausfordernden Orchestrierung begeistern. Casadesus wei\u00df hier ebenfalls zu \u00fcberzeugen \u2013 eine der besten Wiedergaben seit der legend\u00e4ren Einspielung durch Charles Munch. Besonderes Lob verdienen alle Orchestermitglieder, die ihre anspruchsvollen Soli in beiden Werken mit Hingabe und auf Weltklasse-Niveau meistern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">So verwundert trotz der un\u00fcblichen Zusammenstellung nicht, dass diese CD mit einem reinen Kammermusikwerk \u2013 f\u00fcr Oboe, Cembalo, Schlagzeug und Kontrabass \u2013 schlie\u00dft. <em>Les Citations <\/em>(1985\/90) zitiert tats\u00e4chlich: im ersten Satz Benjamin Brittens <em>Peter Grimes<\/em>, im zweiten den Renaissance-Meister <em>Janequin <\/em>sowie den 1940 mit nur 29 Jahren gefallenen Orgelkomponisten <em>Jehan Alain<\/em>. Ein \u00fcberwiegend meditatives Meisterwerk, das bislang auf Tontr\u00e4gern eher vernachl\u00e4ssigt wurde und hier von Spielern des Symphonieorchesters aus Lille mit der bei allen spieltechnischen Finessen gebotenen Intimit\u00e4t realisiert wird.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Martin Blaumeiser, Oktober 2018]<\/strong><\/p>\n<pre><a href=\"https:\/\/partner.jpc.de\/go.cgi?pid=116&amp;wmid=cc&amp;cpid=1&amp;target=https:\/\/www.jpc.de\/jpcng\/classic\/detail\/-\/art\/sinfonie-1\/hnum\/8714635\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong><img class=\"alignnone size-medium wp-image-2865\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/N0048-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/N0048-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/N0048-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/N0048.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\u00a0 Bestellen bei jpc<\/strong><\/a><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos, 8.573746; EAN: 74731337467 Naxos setzt seine Dutilleux-Einspielungen mit dem Orchestre National de Lille fort. 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