{"id":2883,"date":"2018-10-25T13:50:07","date_gmt":"2018-10-25T11:50:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2883"},"modified":"2018-10-25T13:50:07","modified_gmt":"2018-10-25T11:50:07","slug":"wie-der-vater-so-der-sohn","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/10\/25\/wie-der-vater-so-der-sohn\/","title":{"rendered":"Wie der Vater, so der Sohn"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Alpha classics, alpha 425; EAN: 3 760014 194252<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2884\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/N0051-300x264.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"264\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/N0051-300x264.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/N0051.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die \u201ekomponierte Interpretation\u201c zu Schuberts Winterreise aus der Feder Hans Zenders wird zum dritten Mal aufgenommen. Es spielt die Deutsche Radio Philharmonie unter Robert Reimer gemeinsam mit dem Tenor Julian Pr\u00e9gardien.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn; auch wenn das Korn eigentlich einem anderen geh\u00f6rt und das Huhn nur etwas an der Schale nagen darf. So geht es dem Komponisten Hans Zender mit seiner Winterreise. Mit diesem Werk kam Zender pl\u00f6tzlich ins Gespr\u00e4ch, und Kontroversen um die eigenartige Bearbeitung brachten Auff\u00fchrungen, Aufnahmen und entsprechend Bekanntheit. Die meisten Kompositionen Zenders sind nicht gerade in einem Stil geschrieben, der gro\u00dfe Popularit\u00e4t versprechen w\u00fcrde \u2013 also muss der Kern Schuberts herhalten. Und tats\u00e4chlich gelang dem Komponisten so der gro\u00dfe Wurf, denn selbst 25 Jahre nach der Fertigstellung der \u201ekomponierten Interpretation\u201c diskutiert man eifrig \u00fcber ihren Gehalt, die darin vorgenommenen \u00c4nderungen und die Auswirkungen auf den Affekt von Schuberts sp\u00e4tem Liedzyklus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hans Zender hat die Lieder nicht einfach nur f\u00fcr Orchester arrangiert, sondern hat sie auf seine eigene Weise interpretiert. Hinzugef\u00fcgte Vor-, Zwischen- und Nachspiele verbinden die einzelnen Lieder und legen den Fokus auf die Stimmung der Lieder, zu denen hingef\u00fchrt wird oder von denen sich der Reisende entfernt. Neu eingearbeitete Klangeffekte heben einzelne Worte oder Passagen hervor, so muss der S\u00e4nger beispielsweise drei Mal ansetzen, wenn der Schnee ihm ins Gesicht fliegt, bis er ihn heruntersch\u00fctteln kann, da das Ensemble ihn immer wieder mit neuen \u201eSchneeverwehungen\u201c attackiert. Andere Effekte lassen das Eis wirklich klirren oder die Tr\u00e4nen erstarren. Dabei bel\u00e4sst Zender die meisten Noten gleich, teilt nur die einzelnen Stimmen der Klavierbegleitung zwischen den Instrumenten auf und f\u00fcgt in seltenen F\u00e4llen ein paar Noten hinzu. Der findige H\u00f6rer wird dar\u00fcber hinaus minimale \u00c4nderungen in der Gesangspartie wahrnehmen, manche \u00c4nderungen Schuberts im Text von M\u00fcller wurden r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht (beispielsweise \u201emein Herz ist wie erstorben\/erfroren\u201c).<br \/>\nEine Meinung \u00fcber solch eine Vorgehensweise zu f\u00e4llen, w\u00fcrde den Rahmen jedes Rezension sprengen, w\u00fcrde den Platz einer gesamten Abhandlung in Anspruch nehmen. In aller K\u00fcrze lie\u00dfe sich zusammenfassen: Schuberts Liederzyklus ist vollendet und bedarf weder Aktualisierung, noch Interpretation, denn alles steht perfekt in den Noten. Dennoch spricht nichts gegen eine pers\u00f6nliche Stellungnahme oder eigene Anschauung auf den Liederzyklus, die \u2013 wie es Zender tut \u2013 den H\u00f6rer auf bestimmte Aspekte aufmerksam macht und den Fokus auf manche Details lenkt. Viele der Effekte in der Winterreise kratzen nur an der Oberfl\u00e4che und nicht an der Substanz der Lieder, doch manche treffen auch den Kern und verst\u00e4rken einmalige Klang- und Gef\u00fchlswelten, welche die Winterreise birgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum 25-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der Komposition erscheint auf Alpha classics die nunmehr dritte Aufnahme von Zenders Winterreise mit Julian Pr\u00e9gardien als Tenor. Pr\u00e9gardien, hat der den Zyklus nicht schon einmal aufgenommen? Nicht ganz, aber sein Vater, Christoph Pr\u00e9gardien, sang 1999 die zweite Aufnahme mit dem Sylvain Klangforum unter Sylvain Cambreling (die erste Aufnahme sang Hans Peter Blochwitz mit dem Ensemble Modern unter Leitung des Komponisten). Julian Pr\u00e9gardien gelingt eine emotionale und zeitgleich reflektierte Aufnahme der Lieder, wobei er besonders auf den langsamen Prozess der Entfremdung und des Verr\u00fccktwerdens eingeht. Die Deutsche Radio Philharmonie hingegen erkundet nicht die Tiefsinnigkeit der St\u00fccke, l\u00e4sst manch einen zentralen Effekt v\u00f6llig unter den Tisch fallen und holt nur wenige der wichtigen Stimmen hervor. Dem Orchester fehlt die bildliche Vorstellungskraft, die Farbe und die Kontur, welche erst die treibende Kraft durch die Lieder darstellt. Zudem st\u00f6ren mich manche Entscheidungen, bewusste \u00c4nderungen in Zenders Partitur wieder r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen und zu Schuberts Original zur\u00fcckzukehren \u2013 denn eben diese \u00c4nderungen geben gewissen Reiz. Vielleicht war es auch Zender selbst, der die Anweisung gab, manche \u00c4nderungen zu verwerfen? Doch in jedem Fall h\u00e4tte ich als Dirigent nicht darauf geh\u00f6rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Oktober 2018]<\/strong><\/p>\n<pre><a href=\"https:\/\/partner.jpc.de\/go.cgi?pid=116&amp;wmid=cc&amp;cpid=1&amp;target=https:\/\/www.jpc.de\/jpcng\/classic\/detail\/-\/art\/hans-zender-schuberts-winterreise\/hnum\/8714740\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img class=\"alignnone size-medium wp-image-2884\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/N0051-300x264.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/N0051-300x264.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/N0051.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><strong>\u00a0\u00a0 Bestellen bei jpc<\/strong><\/a><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alpha classics, alpha 425; EAN: 3 760014 194252 Die \u201ekomponierte Interpretation\u201c zu Schuberts Winterreise aus der Feder Hans Zenders wird zum dritten Mal aufgenommen. 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