{"id":2917,"date":"2018-11-07T09:07:32","date_gmt":"2018-11-07T08:07:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=2917"},"modified":"2018-11-07T09:07:32","modified_gmt":"2018-11-07T08:07:32","slug":"hochgradig-faszinierend","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2018\/11\/07\/hochgradig-faszinierend\/","title":{"rendered":"Hochgradig Faszinierend!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">EAN: 5060113444677; Art.-Nr. TOCC0467<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0056.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2918\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0056-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0056-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0056-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0056.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Emil Tabakov: Complete Symphonies, Volume Three; Konzertst\u00fcck f\u00fcr Orchester; Sinfonie Nr. 4; Sinfonieorchester des bulgarischen Rundfunks, Emil Tabakov (Leitung)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zu den faszinierendsten Aufnahmeprojekten der letzten Jahre z\u00e4hlt die laufende Ausgabe s\u00e4mtlicher Sinfonien des bulgarischen Komponisten und Dirigenten Emil Tabakov beim britischen Label Toccata Classics. Der 1947 geborene Tabakov, den man ohne mit der Wimper zu zucken als die am deutlichsten herausragende musikalische Pers\u00f6nlichkeit bezeichnen kann, die sein Heimatland zumindest in Belangen der Kunstmusik je hervorgebracht hat, schreibt ultimativ spannende H\u00f6rliteratur.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die vorliegende CD er\u00f6ffnet mit dem ganz ungew\u00f6hnlichen \u201eKonzertst\u00fcck\u201c f\u00fcr Orchester aus dem Jahr 1985. Hierbei trifft ein klassisches Sinfonieorchester auf einen arpeggierenden Synthesizer, der in harter, metallischer Klangfarbe das St\u00fcck abrupt er\u00f6ffnet. W\u00e4hrend der Synthesizer nur wenige Noten in mechanisch anmutenden Arpeggien repetiert, scheint das Orchester auf diese fremdartigen Kl\u00e4nge in unterschiedlichster Weise zu reagieren \u2013 dabei reicht die Emotionspalette anscheinend von Schockiert-sein bis Gleichg\u00fcltigkeit. Dabei kommt aber kein Dialog zustande, vielmehr \u201ereden\u201c beide Parteien in dieser anschaulichen Musik aneinander vorbei. Im Zuge dieser \u201eZwillings-Monologe\u201c wurde so ziemlich jeder Orchestersektion solistische Bravura-Epdisoden in die Partitur geschrieben, sodass diese Komposition Tabakovs als eine \u00e4u\u00dferst originelle Antwort auf i.d.R. \u201eKonzert f\u00fcr Orchester\u201c getaufte Kompositionen anderer Komponisten gelten kann. Dass dabei die Musik den H\u00f6rer unmittelbar angeht und auch f\u00fcr mit Neuer Musik weniger vertraute H\u00f6rer wohl sogleich attraktiv sein d\u00fcrfte, ist das besondere Verdienst ihres Komponisten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die ebenfalls eingespielte Sinfonie Nr. 4 stammt aus den Jahren 1996-97. Das beinahe stundenlange Werk beginnt mit einem dramatisch-klagenden Largo, das sowohl Assoziationen an die herbe Klangwelt Mieczyslaw Weinbergs aufkommen, als auch einen Ur-Ahnen in Gustav Mahler vermuten l\u00e4sst. Tabakov klingt hier im direkten Vergleich zu seinem \u201eKonzertst\u00fcck\u201c wie ein anderer Komponist: Deutlich tonaler, geerdet im Expressionismus der 1930er-Jahre, gleichzeitig aber auch wie einer, der alles von Alfred Schnittke und Arvo P\u00e4rt geh\u00f6rt hat. Minimalismus ist dieser Spielart der Musik Tabakovs ebenso wenig fremd wie der gezielt eingesetzte pastose Pinselstrich. Die best\u00e4ndig brodelnde, gr\u00fcbelnde, durchaus verunsichernde Stimmung erinnert des Weiteren an manche Sinfonien von Jean Sibelius oder auch an Schostakowitschs unergr\u00fcndliche Sechste. Emil Tabakov wies selbst darauf hin, dass seine Vierte in seinem sinfonischen Kanon eine Ausnahmestellung einnimmt und (Zitat des Komponisten) \u201ewie keine andere meiner Sinfonien\u201c kl\u00e4nge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Was in diesem St\u00fcck alles passiert, welche Querverweise zu Zeitgenossen und Vorg\u00e4ngern sich ergeben, zeigt sich in dieser hochinteressanten Musik stets aufs Neue. In einem sarkastischen Allegro vivace, das als Scherzo-Satz dient, nimmt Tabakov ganz offenbar Bezug auf rum\u00e4nische und bulgarische Folklore, ist dabei aber ebenso nah an \u00e4hnlich sarkastischen Scherzo-S\u00e4tzen Schostakowitschs. Der dritte Satz wird in seiner schimmernd-irisierenden, unwirklichen Klanglichkeit zu einem nebul\u00f6sen Nachtst\u00fcck, in dem Schatten durch die Partitur huschen, Eulen klangmalerisch Laut zu geben scheinen und eine fahle Stimmung sich ausbreitet wie ein Pesthauch. Der letzte Satz endet als gewisserma\u00dfen \u201eunm\u00f6gliches\u201c Andante: W\u00e4hrend die Hauptmelodie sich z\u00e4h zieht wie Kaugummi und somit das eigentliche \u201eAndante\u201c in diesem Satz repr\u00e4sentiert, wird sie umspielt von rasend schnellen, Philip Glass-artigen Arpeggien, die eine unruhige, zuweilen bedrohliche Stimmung erzeugen. Sp\u00e4testen hier wird klar, dass diese Sinfonie nach einem Top-Orchester verlangt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Sinfonieorchester des bulgarischen Rundfunks erweist sich dieser anspruchsvollen Aufgabe mehr als gewachsen, vermag unter Tabakovs Leitung eine beeindruckende Einspielung zu realisieren, die vom bulgarischen Rundfunk in hochklassiger Klangqualit\u00e4t aufgezeichnet wurde. Zweifellos w\u00fcrde man so gro\u00dfartige Musik gerne auch einmal von einem der ganz gro\u00dfen Klangk\u00f6rper h\u00f6ren, denn dass es sich hier um ganz gro\u00dfe Musik handelt, das kann man kaum abstreiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Volume 3 der Tabakov-Reihe ist damit noch spannender ausgefallen, als die beiden vorangehenden Volumes, und das ist eine nochmalige Steigerung, die ich kaum f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte. Gerade auch f\u00fcr Tabakov-Einsteiger bieten sich hier beste Voraussetzungen. Hier gilt es, einen wirklich aufregenden Sinfoniker zu entdecken, der sich keinesfalls hinter den bekannteren Namen seiner Zeitgenossen Schnittke, Rautavaara, Sallinen oder Sumera zu verstecken braucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Grete Catus, November 2018]<\/strong><\/p>\n<pre><a href=\"https:\/\/partner.jpc.de\/go.cgi?pid=116&amp;wmid=cc&amp;cpid=1&amp;target=https:\/\/www.jpc.de\/jpcng\/classic\/detail\/-\/art\/saemtliche-sinfonien-vol-3\/hnum\/8724339\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong><img class=\"alignnone size-medium wp-image-2918\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0056-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0056-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0056-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/N0056.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\u00a0\u00a0 Bestellen bei jpc<\/strong><\/a><\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>EAN: 5060113444677; Art.-Nr. 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